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Alphonso Williams

Alphonso Williams
© imago/Future Image

Fernsehen

Dieter Bohlens „Liebe auf den zweiten Blick“ gewinnt DSDS

Ein Ex-GI aus Wiefelstede ist Deutschlands neuer Superstar. Der 54 Jahre alte Zwei-Meter-Mann siegt, weil er aus Jury-Sicht die Herzen der Menschen erreicht. Am Ende fügte sich auch Dieter Bohlen dem Unvermeidlichen.

Köln. Der diesjährige DSDS-Gewinner ist wirklich mal ein großer Sänger. Mehr als zwei Meter misst Alphonso Williams (54), gebürtig aus Detroit, USA, hängen geblieben in Wiefelstede im norddeutschen Tiefland. Sein Sieg wurde am Samstagabend zwar erst kurz vor Mitternacht verkündet, stand aber eigentlich schon von dem Moment an fest, in dem Dieter Bohlen seine Vorbehalte gegen „Mr. Bling Bling“ ausdrücklich zurückzog. Das war gegen 21.15 Uhr.   

Bohlen hatte die sängerischen Qualitäten der Stimmungskanone mit dem Blitz-Gebiss zuvor mehrfach in Zweifel gezogen. Schließlich fügte er sich dem Unvermeidlichen. „Es war eine Liebe auf den zweiten Blick“, erklärte er. „Deshalb glaub' ich auch, dass du es eigentlich am meisten verdient hast.“

Das Kölner Studiopublikum hatte der Sohn eines Baptistenpredigers von Anfang an auf seiner Seite, die Fernsehzuschauer dann auch, wie sich zeigte. Jetzt bekommt Alphonso 500 000 Euro und einen Plattenvertrag. Bereits beschert hat ihm DSDS ein Wiedersehen mit seiner Lieblingsschwester aus Detroit. Co-Jurorin Michelle lobte: „Du schaffst es, die Menschen zu bewegen im Herzen.“

Alphonso setzte sich im Finale gegen den „Songpoeten“ Alexander Jahnke (30), „Sonnenschein“ Duygu Goenel (23) und „Schlagerprinzessin“ Maria Voskania (29) durch. Letztere konnte sogar auf Schützenhilfe von Helene Fischer bauen, für die sie seit Jahren als Background-Sängerin arbeitet.

Was kann man noch sagen über eine Sendung, die mittlerweile zu den langlebigsten im ganzen Privatfernsehen gehört? Dieter Bohlen zeigt erste Anzeichen von Altersmilde („Ich mag dich, Schatzi“) und wird von RTL mittlerweile nicht mehr nur als „Pop-Titan“ angekündigt, sondern als „lebende Legende“. Wobei die näselnde Stimme mit dem norddeutschen Idiom für heutige TV-Generationen ja tatsächlich einen ähnlich hohen Wiedererkennungswert haben dürfte wie für frühere das „Lass dich überraschen“ von Rudi Carrell oder das „Das war Spitze!“ von Hans Rosenthal.

Castingshows wie DSDS haben alle einen eindeutigen politischen Subtext. Die Botschaft ist purer Wirtschaftsliberalismus: Arbeite hart, dann wirste was - alles liegt in deiner Hand! Das zeigt sich in Heidi Klums ständigen Ermahnungen, ihre „Mädchen“ auf dem Weg zu „Germany's next Topmodels“ sollten es den Kunden doch bloß recht machen, genauso wie in den Bewertungen von Dieter Bohlen. Es gibt kein größeres Lob aus dem Munde des DSDS-Jurychefs als: „Du hast dir den Arsch aufgerissen.“

Wobei man den unbedingten Drang nach oben im Showbusiness natürlich auch nicht zu deutlich herausstellen darf. Bohlen erläuterte dies am Samstag anhand des folgenden Vergleichs: „Das ist so ähnlich wie beim Pups. Wenn du den erzwingst, kann das auch in die Hose gehen.“

Solche Weisheiten muss die Fernsehnation auch nächstes Jahr nicht entbehren. „15 Staffeln, 15 Jahre DSDS“, warb RTL am Samstag schon mal. „Bewirb dich jetzt!“ Und Bohlen versicherte: Er habe noch einen ellenlangen Vertrag mit RTL.

Von Christoph Driessen, dpa