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Lifestyle

Der gute Geschmack - alles nur Betrug?

Den Eigentümern der Firma Dolce und Gabbana, den Modedesignern Domenico Dolce (54) und Stefano Gabbana (50) bescheinigte die Mailänger Zeit "Il Giornale" schon mal einen "Urinstinkt für die Freiheit, Leichtigkeit und Reinheit".

Die jubelnde Lobhudelei bekommt angesichts des größten italienischen Steuerskandals einen geradezu satirischen Charakter, denn Dolce und Gabbana wird Steuerhinterziehung in ganz großem Stil unterstellt. Es geht um nicht weniger als eine Milliarde Euro.

Seit nunmehr fünf Jahren ermittelt die Mailänder Staatsanwältin Laura Pedio gegen die weltberühmten Designer. Wie die "Süddeutsche Zeitung" schrieb, werden Dolce und Gabbana "nicht nur falsche Angaben in ihren Steuererklärungen angelastet. Die Anklage lautet zudem auf schweren Betrug am Staat." Haben die Modemacher, denen eine der renommiertesten italienischen Firmen gehört, Italien, das in einer tiefen Finanzkrise steckt, skrupellos um viele Steuermillionen betrogen?

Laut Anklage sollen Domenico Dolce und Stefano Gabbana 2004 in Luxemburg "eine rein fiktive Kontrollholding ihres Modeunternehmens gegründet haben." (SZ) Der Name der Firma: Gado - die Abkürzung der Namen Gabbana und Dolce. Wie Ermittler festgestellt haben wollen, wurde Gado die Marken des Mailänder Luxuskonzerns übertragen, weit unter ihrem eigentlichen Wert. Dadurch wurden die Einnahmen aus den Markenrechten in Luxemburg und nicht in Italien versteuert.

Der Trick, so die Ermittlungsbehörden, war laut "Süddeutscher Zeitung" folgender: Wurden Lizenzverträge mit anderen Unternehmen geschlossen - wenn zum Beispiel einer Firma erlaubt wurde, ein Parfum unter dem Label Dolce & Gabbana zu verkaufen - entrichtete die Gado für solche Einnahmen brav die in Luxemburg fällige Steuer, was freilich nur ein Zehntel der italienischen Steuersätze ausmachte.

Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Dolce und Gabbana in den Jahren 2005 und 2006 insgesamt Einkünfte von rund 832 Millionen Euro unterschlagen haben. Dazu addieren die Ermittler noch weitere 200 Millionen Euro, die angeblich auf das Konto der Aktiengesellschaft gegangen seien. In Italien haben die beiden Designer für das Jahr 2005 Einkünfte in Höhe von 29,7 Millionen angegeben. Im Jahr 2010/11 setzte D&G 1,4 Milliarden Euro um.

Beide Designer haben bereits Einspruch gegen die Anklage erhoben. Mitte Dezember entschied jedoch ein Mailänder Gericht unter Vorsitz der Richterin Antonella Brambilla, dass der Prozess wegen Steuerhinterziehung fortgesetzt werde. Die nächste Anhörung findet am 30. Januar 2013 statt.

Die Firma Gado wurde inzwischen nach Italien verlagert, aus Imagegründen, wie es heißt. Und die italienischen Boulevardmedien, die inzwischen durch die politische und finanzielle Krise im Land entsprechend sensibilisiert sind und sich auf einem Kampfkurs befinden, sehen beide Designer am liebsten hinter Gittern. Theoretisch drohen ihnen bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug, doch seriöse Beobachter glauben nicht an eine solche strafrechtliche Konsequenz.

Wie dem auch sei: In einem Interview mit der "Financial Times" wähnte sich Stefano Gabbana bereits im Knast. Sie beide würden so viel arbeiten, dass man ihr Büro in Mailand als Gefängnis bezeichnen könnte. Da nickte Domenico Gabbana und pflichtete seinem Kompagnon bei: "Es ist ein goldenes Gefängnis."

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