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Fernsehen

„Der Trottel tut mir leid“: Mr. T vom „A-Team“ wird 65

Schwere Goldketten, schwerere Fäuste, Irokesenschnitt: Der schroffe Mr. T machte im „A-Team“ und gegenüber Rocky Balboa harte Ansagen. Als Marke wanderte er vom TV-Bildschirm bis zur Cornflakes-Packung und zurück. Das gutes Gewissen hat der Haudrauf-Junge stets erhalten.

Los Angeles. „Vor einigen Jahren wurden vier Männer einer militärischen Spezialeinheit wegen eines Verbrechens verurteilt, das sie nicht begangen hatten.“ Mit diesem Satz begann im deutschen Fernsehen 1987 der Serien-Knaller, der auch Halbstarke und Dreikäsehochs in Entzückung versetzte. Zu der eingängigen Titelmelodie fielen bald die Worte: „Also wenn Sie mal ein Problem haben und nicht mehr weiter wissen, suchen Sie doch das A-Team!“

Fans werden sich gut an die vier Ex-Soldaten erinnern, die mit schweren Waffen und coolen Sprüchen Folge um Folge Menschen helfen, die - in welcher Form auch immer - in Not geraten waren. Kräftigster Bursche im Quartett neben „Face“, „Hannibal“ und Murdoch: Bosco „B. A.“ Baracus, abseits des Sets besser bekannt als Mr. T. Am 21. Mai feiert der stämmige Goldketten-Träger seinen 65. Geburtstag.

Offenbar war es die harte Kindheit in einem der ärmsten Viertel Chicagos, die aus dem afroamerikanischen „Boy“, der bürgerlich Lawrence Tureaud heißt, im Spitznamen einen „Mister“ machte. „Ich habe mich selbst Mr. T getauft, damit das erste Wort aus jedem Mund "Mister" ist. Das ist ein Zeichen von Respekt, den mein Vater und mein Bruder und meine Mutter nicht bekommen haben“, soll Tureaud laut seiner Biografie bei der Filmdatenbank IMDb gesagt haben.

Sicher ist, dass Tureaud es als zweitjüngstes von zwölf Kindern nicht leicht hatte. Sein Vater verließ die Familie früh, die Mutter schlug sich mit einer Sozialhilfe in Höhe von 87 Dollar monatlich in einer Drei-Zimmer-Wohnung durch. In der Schule machte sich Tureaud in der Football-Mannschaft, im Kampfsport und im Wrestling einen Namen. Nach dem College arbeitete er als Militärpolizist und versuchte sich 1972 kurz im Profi-Football.

Es war die Arbeit als Bodyguard für Stars wie Michael Jackson, Steve McQueen, Diana Ross und Profi-Boxer Muhammad Ali, die Tureaud erste Blicke ins Showgeschäft verschaffte. Als Türsteher in Chicagos Club Dingbat's kam er bald zum Auftritt in der NBC-Show „The World's Toughest Bouncer“, wo ihn Sylvester Stallone entdeckte. Die Rolle als Clubber Lang in „Rocky III - Das Auge des Tigers“ (1982) blieb zusammen mit der „A-Team“-Figur des „B. A.“ - mit „bad attitude“ eine Anspielung auf sein schlechtes Benehmen - Tureauds bekannteste.

Der Irokesen-Haarschnitt war da bereits zu seinem Markenzeichen geworden, den soll Tureauds in einem Beitrag des „National Geographic“ über das westafrikanische Mandinka-Volk entdeckt haben. Mit schweren Goldketten, schwer fliegenden Fäusten und seinem schroffen Auftreten hatte er auch über die Grenzen der USA viele Fans. Im Profi-Wrestling war Tureauds vor allem Ende der 1980er Jahre an der Seite von Hulk Hogan zu sehen, stieg aber bald wieder aus.

Seiner Vorbildfunktion war sich Tureaud, der laut eigener Aussage die Finger von Alkohol, Zigaretten und Drogen ließ, durchaus bewusst. Rollen, die ihn als Bösewicht oder als zu sexy darstellten, lehnte er ab. So handeln auch seine - ziemlich erfolglosen - Rap-Alben „Mr. T's Commandments“ (Mr. T's Gebote) und „Be Somebody“ vor allem vom Respekt zwischen Kindern und Eltern. Ein Titel auf dem zweiten Album heißt: „Treat Your Mother Right“ (Behandle Deine Mutter richtig).

Die Kombination aus Blingbling, Haudrauf-Junge mit Bart und gutem Gewissen ließ Mr. T in den USA zur Marke für Kids werden - bald gab es ihn auch als Cartoon- und Comic-Figur. Er machte Werbung für Schokoriegel, Eistee, Computerspiele, gab Gastauftritte bei den „Simpsons“ und „Inspektor Gadget“ und hatte einige Zeit sogar eine eigene Cornflakes-Sorte. Dass er eine 1995 diagnostizierte Krebserkrankung 2001 im Alter von 49 Jahren besiegte, festigte nicht nur seinen Glauben, sondern erhielt auch sein Image eines Kämpfers.

Schauspielerisch ist es ruhig geworden um Tureaud, seine 2006 gestartete Sendung „I Pity the Fool“ (Der Trottel tut mir leid) überlebte nur sechs Folgen. Den Titel hatte er von seinem bekannten Satz aus „Rocky III“ abgeleitet und diesen schon vorher zu seinem Marken-Spruch gemacht. In der Show zieht Mr. T durchs Land, gibt Tipps fürs Leben und vollbringt gute Taten. Nach all den verprügelten Jungs aus den „A-Team“-Folgen vielleicht gar keine so schlechte Idee.

Von Von Johannes Schmitt-Tegge