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Wieder auf Tour: Deichkind© spot-on

NP-Interview

Deichkind geht wieder auf Tour

Deichkind sind prollig und melancholisch, nicht ernst zu nehmen, aber manchmal doch sehr, in Müllsäcke gekleidet, Hip-Hop, Elektro und Chartwunder zugleich. Am heutigen Mittwoch startet ihre Tour. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt Deichkind-Ältester Philipp Grütering wie es in der Band zugeht - und da kann es schon mal wild werden.

Berlin. Wie war euer Festival-Sommer?
Wir haben viele tolle Bands kennengelernt, die Beatsteaks, Jan Delay, Seeed. Uns ist aufgefallen, dass wir jetzt auch so eine Band sind, die ganz oben mitspielt. Als Headliner und mit Lightshow, wie man sich das vorstellt. Und danach gab es auch immer Partys im Backstage. Aber manchmal war ich auch müde und bin ins Bett gegangen.

Die Redewendung "Leider geil" hat sich mittlerweile verselbstständigt.
Das fand ich auch erstaunlich.

Nervt das?
Ja, mit dem Internet hat das ein bisschen überhandgenommen. Da hat jeder plötzlich kommentiert "Leider geil". Obwohl das gar nicht "Leider geil" war. Die haben das gar nicht verstanden. Aber das bringt so ein Hit eben mit sich. Aber wir sind so professionell, dass wir die Nummer trotzdem immer noch spielen. "Remmidemmi" auch, obwohl es uns zum Hals raushängt.

Wie bringt ihr euch vor der Show in Stimmung?
Indem wir dreimal hochspringen, uns während des dritten Sprungs im Kreis drehen, dann in die Knie gehen und dann einen Sonnengruß machen. Und dann können wir ausflippen.

Und wenn du mal gar nicht so extrovertiert drauf bist?
Das Gute ist, dass man das mittlerweile anschalten kann. Das hat mit der persönlichen Motivation unmittelbar vor der Show gar nichts mehr zu tun. Eigentlich hab ich vorher nie Bock und will viel lieber zuhause sein. Aber dann geht man auf die Bühne und dann klappt das. Das macht ja auch Spaß da oben zu stehen.

War dir schon mal etwas peinlich bei Deichkind?
Ja, viele Dinge. Der erste peinliche Moment war als wir angefangen haben, Techno-Beats zu machen, weil wir uns von der Hip-Hop-Szene verabschieden wollten. Da dacht ich mir "Oh gott, was ist das für Musik? Ich will das alles eigentlich gar nicht..." Oder als wir die Plastikmüllsäcke angezogen haben, dacht ich mir "Boah nee, was soll das, ich fühl mich total unwohl... ". Deswegen maskieren wir uns ja auch, weil wir eigentlich vor Scham im Erdboden versinken wollen.

Seid ihr eine demokratische Band?
Es gibt keine demokratischen Bands. Da kommen Menschen zusammen und der eine ist in seiner Argumentation immer stärker als der andere.

Warum fahren die Feuilletons mittlerweile so auf euch ab?
Weil wir so prollig sind.

War das so geplant?
Wir haben mal ein Interview mit einer Band gesehen in dem die Sängerin geredet hat und ringsum saß die Band und man hat an den Gesichtern gesehen, dass die sich dachten "Wovon redet die Alte eigentlich?". Unser Leitfaden ist, dass wir das nicht so machen. Dass wir unsere Konflikte nach außen tragen.  Was es auch spannend macht. Weil man einfach mehr ins Gespräch kommt, als wenn man immer nur an einen Strang zieht. Das wäre uns zu langweilig.

Klingt anstrengend. Gibt es auch richtige Streits?
Ja, auf jeden Fall.

Wie sieht das dann aus?
"Ich reise ab!" Meistens kracht es bei Promosachen. Ob wir ins Fernsehen wollen oder nicht, ob man das machen kann, oder ob das scheiße oder uncool ist. Da gibt es oft Knatsch.

Auf eurem neuen Album geht es um Erfolgsdruck, Burnout... Was würdest du einem hart arbeitenden Menschen raten, wie er damit klar kommt?
Der Trick ist die Work-Life-Balance. Man lädt sich auf sein iPad eine Mindmap runter und macht sich Gedanken: Was ist mir wichtig, was will ich vom Leben und von der Arbeit haben. Familie, Freundeskreis oder Hobbys? Und dann siehst du in welche Richtung du willst. Der Rest ist Zeitmanagement, Struktur, Orientierung. Und Urlaub planen ist wichtig.

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Mit dem Song „Bon Voyage“ hatte die Hamburger Band Deichkind ihren Durchbruch. Am Dienstag, 20. November, ist die Kombo in der AWD-Hall zu Gast. Beginn 20.15 Uhr. Karten kosten 35.30 Euro.
Mit etwas Glück kommen NP-Leser kostenlos hinein. Wir verlosen fünfmal zwei Karten! Wir haben Donnerstag das Gewinn-Telefon mit der Nummer
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