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Melancholischer Synthiepop von Claudia Brücken.

Melancholischer Synthiepop von Claudia Brücken. © Andrew Catlin

Musik

Cover-Kunst von Petra Haden und Claudia Brücken

Hinter einem Album mit Coverversionen verbirgt sich oft kreative Dürre, und allzu selten fügen die Interpretationen den Vorlagen etwas Interessantes hinzu. Ganz anders bei den neuen Platten von Petra Haden und Claudia Brücken.

Berlin. Die gewagtere Unternehmung trägt den vielsagenden Titel "Petra Goes To The Movies" (Anti/Indigo) und besteht überwiegend aus A-capella-Versionen bekannter Soundtrackmelodien. Petra Haden, Tochter des berühmten Jazz-Bassisten Charlie Haden und Schwester von Spain-Mastermind Josh Haden, setzt ihre (vielfach geschichtete und modulierte) Stimme dazu ein, um ganze Orchester nachzuahmen und die epischen Melodiebögen klassischer Filmmusik zu erzeugen.

Wer solch virtuoses Kunsthandwerk als nervtötend empfindet, wird seine Meinung durch dieses ambitionierte Album nicht ändern, für alle anderen klingt es atemberaubend. Oft braucht Petra Haden keine Worte, sondern nur Töne und Halbtöne. Der legendäre "Goldfinger"-Titelsong (im Original von Shirley Bassey), "It Might Be You" (aus "Tootsie") oder die Ballade "Calling You" (aus "Bagdad Cafe") interpretiert sie dann aber doch mit ihrer warmen Singstimme nah am Original, und auch das klingt wunderbar.

Der Papa am Bass, Jazz-Gitarrist Bill Frisell und Klavier-Genius Brad Mehldau sind hier und da als Gäste zu hören, ansonsten aber ist dies Petra Hadens Soloding. "Die Idee, Musik mit meiner Stimme zu interpretieren, kam mir, als ich klein war", erklärt die 41-Jährige, die als Violinistin unter anderem in den Alternative-Rock-Bands That Dog und The Decemberists aktiv war. "Ich hörte Musik im Haus und machte die Instrumente mit meiner Stimme nach. Und ich liebe Kinofilme, aber am wichtigsten waren mir immer die Soundtracks."

Für ihr Filmmusik-Projekt wählte Petra Haden Melodien aus, zu denen sie große emotionale Nähe verspürte, von Ennio Morricone ("Cinema Paradiso", "A Fistful Of Dollars") oder Bernard Herrmann ("Psycho", "Taxi Driver") bis zu John Williams ("Superman"), Pat Metheny ("The Falcon And The Snowman") oder Trent Raznor ("The Social Network"). Am Schluss ließ sich die Sängerin für das CD-Booklet noch in diversen Filmkostümen und -kulissen ablichten. So ist "Petra Goes To The Movies" ein hochsympathisches Cover-Album einer tollen Musikerin und großen Cineastin geworden.

Ganz anders, aber kaum weniger interessant klingt die neue Platte der einstigen "First Lady of Elektropop", Claudia Brücken. Mitte der 80er Jahre wurde sie als Sängerin der deutschen Band Propaganda zumindest in Europa sehr bekannt, war zeitweise Label-Kollegin von Frankie Goes To Hollywood und arbeitete mit Genre-Größen wie Glenn Gregory (Heaven 17), Andy Bell (Erasure) oder Martin Gore (Depeche Mode). Jetzt hat Claudia Brücken mit "The Lost Are Found" (ThereThere Music/Alive) ein spannendes Cover-Album herausgebracht.

Melodischer Elektropop und orchestrale Arrangements prägen auch die elf Song-Interpretationen, die einen weiten Bogen spannen. Von Angelo Badalamenti ("Mysteries Of Love") über David Bowie ("Everyone Says Hi") oder Stephen Duffy ("The Road To Happiness") bis zu den Pet Shop Boys ("King's Cross") und den Folkrock-Legenden von The Band ("Whispering Pines") reicht das Spektrum.

Unter der Regie des versierten Britpop-Produzenten Stephen Hague setzt Claudia Brücken ihre mächtige Diven-Stimme derart wirkungsvoll in Szene, dass man sich bedauernd fragt, warum die 49-Jährige so selten ins Rampenlicht tritt. Die traumverlorene Ballade "One Summer Dream" (Jeff Lynne/Electric Light Orchestra) etwa zeigt Brücken als sensible Interpretin, die beiden Lieder der Schweden-Elfe Stina Nordenstam sind ebenfalls nichts für Angsthasen.

Das düstere Albumcover lässt bereits ahnen, dass man es hier mit einer gedämpft-melancholischen Platte zu tun hat. Und in der Tat: "The Lost Are Found" ist ein sehr schönes, dezent schwermütiges Synthiepop-Album voller nicht allzu naheliegender Coverversionen, mit dem Claudia Brücken ihren etwas verblassten Stern wieder kräftig aufpoliert.

dpa