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Kino

Christoph Waltz, der Oscar-Favorit

Er ist kein schöner Mann und wirklich kein Hollywood-Beau. Doch er hat das interessanteste Gesicht der Filmbranche. Tiefgründige Augen, die verschmitzt ein Unheil ankündigen.

Und ein breites Lächeln, das überaus gewinnend bis diabolisch sein kann, vor allem wenn er die Zähne zeigt. Dass es dann meist gefährlich wird, signalisiert auch seine Stimme. Je sanfter sie wird, umso krasser handelt die Typ, den Christoph Waltz gerade verkörpert. Das war so in "Inglourious Bastards", wo Waltz für die Darstellung des abgrundtief bösen SS-Standartenführers Hans Landa mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Und das ist so in "Django Unchained", in dem er den deutschstämmigen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz mimt, der lächelnd sein Schießeisen zieht. Für diese Rolle wurde Christoph Waltz (56) für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Sollte er am Abend des 24. Februar den Academy Award erhalten, wäre es nach 2010 sein zweiter Oscar - Rekord für einen deutschsprachigen Schauspieler.

Christoph Waltz wurde in Wien in eine Theaterfamilie hineingeboren. Seine Großeltern mütterlicherseits, Maria Mayen und Emmerich Reimers, waren Schauspieler am Burgtheater, der bedeutendsten deutschsprachigen Bühne, sein aus Hamburg stammender Urgroßvater Georg Reimers war ebenfalls Schauspieler, und die Eltern Elisabeth Urbancic und Johannes Waltz arbeiteten als bekannte Kostüm- und Bühnenbildner fürs Theater. Mit diesen Genen im Blut war es klar, dass auch der junge Christoph Waltz nach dem Abitur und der Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien sowie am Lee Strasberg Theatre Institute in New York Schauspieler wurde.

Er hatte rasch Erfolg und wurde neben zahlreichen Bühnenengagements in Wien, Zürich, Köln, Hamburg, Salzburg und Frankfurt/Main auch mit TV- und Kinorollen einem breiteren Publikum bekannt. So spielte Waltz u.a. in den Krimiserien "Derrick", "Der Alte", "Schimanski", "Kommissar Rex", "Polizeiruf 110", "Rosa Roth", "Unter Verdacht", "Der letzte Zeuge", "Soko Rhein-Main" und "Stolberg" mit. Als Inspektor Passini sollte er sogar die Rolle des Wiener "Tatort"-Ermittlers übernehmen, es blieb jedoch nur bei einem einmaligen Gastspiel.

Neben seiner brillanten Darstellung von leisen Bösewichtern stellte er oft einfühlsame, melancholische Selbstzweifler dar wie einen innerlich zerrissenen Schlagerstar in "Du bist nicht allein - Die Roy Black-Story". Und in "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" sowie in "Dienstreise - Was für eine Nacht" stellte Christoph Waltz sein wunderbares komödiantisches Talent unter Beweis.

Großen Auftrieb gab seiner Karriere die Begegnung mit dem amerikanischen Kultregisseur Quentin Tarantino, mit dem er 2009 "Inglourious Bastards" dreht. Nach der Oscar-Verleihung 2010 bedankte sich Waltz bei Tarantino: "Es fängt alles bei ihm an und hört alles bei ihm auf."

Nach dem höchsten Filmpreis der Welt spielte Waltz in den verschiedensten Hollywood-Produktionen mit, so in "The Green Hornet", "Wasser für die Elefanten", "Die drei Musketiere" und "Der Gott des Gemetzels". 2012 wurde dann, erneut unter der Regie von Tarantino, "Django Unchained" fertiggestellt. Der Regisseur schrieb das Drehbuch genau auf Waltz hin. Für eine Rolle in seinen Filmen hängt er die Messlatte relativ niedrig. Als Schauspieler müsse man zwei Punkte erfüllen, um auf seiner Liste zu sein, sagte er. "Ich muss dich mögen, und du musst am Leben sein."

An der Seite von Christoph Waltz ist Kerry Washington im neuen Tarantino-Film zu sehen. Für ihre Rolle der einst von deutschstämmigen Plantagenbesitzern gehaltenen Sklavin Broomhilda musste sie Deutsch lernen. Dank Waltz war das aber halb so schlimm. Sie sagt, sie habe "den attraktivsten und coolsten Deutschlehrer überhaupt" gehabt. In Deutschland kommt der Film am 17. Januar in die Kinos.

Waltz, der aus einer früheren Ehe mit einer Amerikanerin drei Kinder hat, gegenwärtig mit der Kostümbildnerin Judith Holste liiert ist und in Berlin und London lebt, ist übrigens mit dem österreichischen Regisseur Michael Haneke entfernt verwandt. Der renommierte, in München geborene, Filmemacher kann für seinen Film "Liebe" auf fünf Oscars hoffen, unter anderem in der Kategorie "Beste Regie". Sollten beide Österreicher die Auszeichnung bekommen, bliebe es in der Familie...

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