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© Olaf Rayermann

Musik

Christina Stürmer: "Ich hab eine starke Schulter dabei, der ich alles sagen kann"

Heute erscheint das neue Album "Ich hör auf mein Herz" von Christina Stürmer. Danach ist die Österreicherin auf Tour und versorgt ihre Fans nach mehreren Jahren Pause wieder mit rockiger Live-Musik.

Stürmer hat vorab mit der Nachrichtenagentur spot on news gesprochen und verraten, welche Musik sie zurzeit gerne hört und wie das Leben auf Tour aussieht.

Wie ist das, wenn Sie Promotion machen? Sind Sie dann nicht genervt, wenn Sie immer wieder die gleichen Fragen beantworten müssen?

Stürmer: Es kommt drauf an. Wenn ich viele Interviews hintereinander habe, vergesse ich manchmal, wem ich was schon beantwortet habe, und wundere mich dann, dass sich die Person nicht an meine Antwort erinnern kann, dabei habe ich sie ihr ja noch gar nicht gegeben. Ich brauche da noch einen Löschmodus.

Gibt es Fragen, die Sie gar nicht mehr hören können?

Stürmer: Ich hatte früher immer ein Problem damit, wenn man mich auf die Castingshow angesprochen hat. Da dachte ich meist: "Das ist doch schon so viele Jahre her. Die Show ist doch vorbei, wieso wollen sie ständig darüber reden?" Ich rede da schon gerne drüber, aber irgendwann ist es einfach auch genug. Jetzt nach zehn Jahren ist mir das aber wieder egal und es macht mir nichts mehr.

Sie haben auf Facebook gepostet, dass Sie sich die Alben von Bosse, Laing und Selig gekauft haben. Welches fanden Sie am besten?

Stürmer: Als erstes habe ich mir Laing angehört, die fand ich sehr, sehr cool. Dann habe ich mir Selig angehört, fand ich auch gut, aber Laing hat bei mir jetzt einfach gerade besser gepasst. Dann habe ich mir Bosse angehört und das hat mir richtig gut gefallen. Ich habe ihn in Frankfurt bei einem Radiofestival getroffen. Zuvor hatten wir ein Liveinterview und da hat mich die Moderatorin auch nach den CDs gefragt. Das war mir kurz ein bisschen peinlich. Mir gefällt halt seine Musik richtig gut.

Würden Sie denn gerne mal etwas mit ihm zusammen aufnehmen?

Stürmer: Ich wäre definitiv nicht abgeneigt. Er hat ja auch dieses Duett mit Anna Loos gemacht, das fand ich sehr gut. Ich finde bei so einem Duett muss das halt passen. Ich höre gern seine Musik, aber ich habe keine Ahnung, ob er unsere Musik hört. Für mich persönlich muss sich so eine Zusammenarbeit einfach ergeben und nicht von der Plattenfirma initiiert werden. Wenn man sich leiden kann und musikalisch einen Weg findet, ist das super.

Wenn Sie auf Tour sind, vermissen Sie da Ihre Familie, oder ist die Band ein guter Ersatz?

Stürmer: Ich habe zwei Geschwister. Einen älteren Bruder, der bereits zwei Kinder hat, und eine kleine Schwester. Vielleicht bin ich dadurch auch nie so der Einzelgänger geworden. Meine Band ist wirklich Familienersatz. Schon allein dadurch, dass der Gitarrist mein Freund ist, ist das eigentlich sehr angenehm. Ich habe dann immer eine starke Schulter, an der ich mich ausheulen und der ich viel anvertrauen kann. Er versteht auch immer alles. Ich würde es mir schwieriger vorstellen, wenn man einen Partner hat, der nicht aus dieser Branche ist. Ich muss mich so nie wirklich erklären, wenn ich mal eine Woche weg bin. Da kommt kein: "Jetzt bist du schon wieder weg". Ich bin ja für eine gute Sache unterwegs und er versteht alles. Aber auch die anderen Jungs in der Band, das sind auf eine gewisse Art einfach die besten Freunde.

Also geht Ihnen keiner irgendwann mal auf die Nerven?

Stürmer: Ja, natürlich geht man sich irgendwann mal auf den Keks, aber dann kann man immer in sein eigenes Hotelzimmer gehen oder hat seine eigene Koje im Bus. Oder zur Not geht man einfach mal eine Runde um den Block.

Wie ist das dann eigentlich so als Paar? Haben Sie dann immer zwei verschiedene Kojen?

Stürmer: Ja, das ist schon manchmal doof. Wir hatten einmal einen Nightliner mit einem Doppelbett, und alle aus der Crew haben gleich gesagt: "Na klar, das kriegt ihr zwei", aber das war dann irgendwie unangenehm. Jetzt nicht, weil wir zusammen geschlafen haben. Ich finde im Nightliner sind die Kojen ja nicht sonderlich groß und man hat immer irgendwo eine Wand neben sich und zieht den Vorhang zu und das ist dann wie ein kleines Nest. Das klingt jetzt total dämlich, aber es ist wie ein Hundekorb, und das war ich jahrelang gewöhnt. Und plötzlich hat man im Bus dann ein Doppelbett und da ist nicht rechts und links eine Wand. Das war total komisch. Es sah aus wie ein Hotelzimmer, hat aber ständig gewackelt wie im Bus, das hat mein Hirn irgendwie nicht geschafft, zu verarbeiten. Nach dem Konzert braucht man auch irgendwie diesen Vorhang, den man einfach zuzieht und da alleine drinnen ist, das finde ich total angenehm. Und an anderen Tagen haben mein Freund und ich ja auch wieder genug Zeit füreinander.

Ist das Busreisen generell nicht sehr nervig auf Dauer?

Stürmer: Ich habe lange Zeit vermieden, in Flugzeuge zu steigen. Ich bin dann oft mit dem Nachtzug von Wien nach Hamburg oder Köln gefahren. Da habe ich mir immer Schlafkabinen reserviert. Ich musste so nicht fliegen, das war angenehm, aber ich habe da echt selten viel geschlafen. Das rumpelt ja auch sehr und dann wird gebremst. Ich kann auch größtenteils nur mit offenem Fenster schlafen. Im Nightliner haben wir oft Diskussionen, weil ich immer das Fenster auf haben möchte. Ich kann es nicht haben, wenn es warm ist beim Schlafen, am besten ist es noch, wenn mir die Nase abfriert. Frischluft ist mir immer sehr wichtig. Aber Schlafen mit offenem Fenster in einem Zug, das ist die Hölle. Das quietscht und scheppert, das ist zu laut. Jetzt fliege ich wieder.

Haben Sie Ihre Flugangst überwunden?

Stürmer: Es geht. Ich mag Fliegen noch immer nicht sehr gerne, aber ich habe ein Flugangstseminar gemacht. Das hat mir ein bisschen geholfen. Ich habe für mich gemerkt, dass ich, wenn ich fliege, es mit der Zeit besser wird. Ich habe da dann meine Plätze, wo ich sitzen muss. Bloß nicht Mittelgang. Ich muss am Fenster sitzen und muss raus gucken können. Lieber Tagesflüge als Nachtflüge. Ich komme schon irgendwie von A nach B.

(isi/spot)