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Christian Kohlund: "Verdammt nochmal, war das ein schöner Abend"

Als Hotel-Chef ordnet Christian Kohlund (62) heute Abend im "Traumhotel" wieder die Welt. Diesmal ist es die Welt von Hardy Krüger jr., Esther Schweins, Sky du Mont und einer angenehm selbstironischen Christine Neubauer, im südostasiatischen Myanmar.

Entspannte Unterhaltung mit Witz und vielen deutschen TV-Stars, wie es sich für dieses Format eben gehört. Der Schweizer Künstler mit der beeindruckend kraftvollen Stimme sprach mit der Nachrichtenagentur spot on news über gottgleiche Hotel-Chefs, talentierte Kritiker und das Land der "zauberhaften, hilfsbereiten und lieben Menschen".

Traumhotel vs. Traumschiff, ist das eine harte Konkurrenz?

Nein, das ist überhaupt keine Konkurrenz. Wolfgang Rademann hat dieses Format damals ins Leben gerufen, es ist eine Institution geworden, festgemauert in der deutschen Fernsehlandschaft. Es spricht zwar die gleiche Zielgruppe an, aber das Traumschiff hat die besseren Sendetermine.

Wie finden Sie es, dass jetzt auch beim "Traumschiff" ein ehemaliger Star aus der "Schwarzwaldklinik" die Identifikationsfigur übernimmt?

Ich finde, das ist die beste Entscheidung, die sie treffen konnten. Ich mag den Sascha sehr. Und irgendwie passt er wirklich wie die Faust aufs Auge. Damals ist er vom Schiff gesprungen und jetzt kommt er als Kapitän zurück. Ich hätte keinen besseren gewusst. Und ich wünsche ihm wirklich alles Gute, dass er viel Spaß hat und dass es auch beim Publikum sehr gut ankommt.

Vielleicht gibt es ja irgendwann ein Crossover?

Ja, aber da stehen wahrscheinlich doch die Sender dazwischen.

Die Gesellschaft und damit auch das Publikum werden immer älter. Daher müsste es eigentlich auch mehr und interessantere Filme und Rollen für Schauspieler 50plus geben. Ist das so?

Meist wird schon noch für Menschen zwischen 20 und 45 geschrieben, weil sich in dieser Lebensphase, in der Energie, Erotik und vieles andere zusammenkommen, einfach am meisten tut. Aber es hat sich ja auch gezeigt, dass generationenübergreifende Filme wie dieser hinreißende "Ziemlich beste Freunde" wahnsinnig toll sein können. Ja, es gibt tolle Rollen. Für mich stellt sich eigentlich nur die Frage: Bekomme ich eine davon?

Eine sehr wichtige Rolle in der Fernsehunterhaltung haben Sie ja, die des Chefs der "Traumhotel"-Kette. Dieser Markus Winter ist ja quasi ein perfekter Mensch. Wünschen Sie sich manchmal ein paar Ecken und Kanten?

Oh ja, das absolut. Als Schauspieler wünscht man sich Figuren, die fehlbar sind und damit menschlich. Markus Winter ist anders. Er ist so ein Deus ex machina, er mildert ab, er fängt auf, er löst auf. Ein bisschen ist er auch ein Engel, der alles hat, alles kann, Helikopter fliegen genauso wie Motorboot fahren. Und manchmal ist er wirklich sehr, sehr verständnisvoll. Ich versuche trotzdem, immer einen Menschen daraus zu machen. Manchmal sind aber einfach andere Dinge wichtiger.

Frustriert wirken Sie aber nicht?

Nein. Es ist eine wundervolle Arbeit und ich werde dieser Figur auch nie in den Rücken fallen. Dank ihr habe ich 19 Länder gesehen. All die Eindrücke, mit denen du in dein eigenes kleines, meistens viel zu kurzes Leben zurückkehrst, machen einen so viel reicher. Außerdem suche ich mir einfach meine beruflichen Kontrapunkte selbst, wie die Rolle des Clarence Darrow in dem Bühnenstück "Im Zweifel für den Angeklagten", in dessen zweistündigem Monolog es ums Eingemachte im Leben geht.

Die Quote gibt Ihnen und dem "Traumhotel" ja auch recht.

Ja, unsere Geschichten entspannen und belasten nicht. Unsere Zuschauer sehen das gerne. Und das haben sie ja auch verdient, sie zahlen Gebühren. Jetzt einfach nur alles auf jung zu trimmen, weil das die Wirtschaft sagt, ist schwierig.

Fehlt es da an Toleranz?

Ja. Mit ARD und ZDF haben wir einige der besten Sender der Welt. Und innerhalb dieser tollen Programme, politisch, wissenschaftlich, unterhaltend, gibt es einfach auch solche Filme, weil es so vielen Menschen gefällt. Da sollte man einfach tolerant sein.

Sollten Künstler die Kritiken gar nicht mehr lesen, weil ja ohnehin vieles tendenziell schlecht geschrieben wird? Sogar die TV-Institution "Tatort" ist längst nicht mehr unterhalb des Kritiker-Radars.

Das muss dir einfach irgendwann egal sein. Ist es einem zwar nie. Aber du kannst es nicht allen recht machen. Und die Kritiker haben oft vergessen, dass Kritik auch etwas Positives sein kann. Man könnte einfach mal schrieben: "Verdammt nochmal, war das ein schöner Abend!"

Die Kommunikation ist ja auch sehr einseitig. Was würden Sie den Kritikern gerne mal sagen?

Es gibt Fernsehkritiker, bei denen weiß man von vorneherein, in welche Richtung der Text gehen wird. Trotzdem frage ich mich, wenn jemand über 30 Jahre lang solche Formate verachtet, warum schreibt er dann trotzdem jedes Mal wieder schlecht darüber. Und das dann auch noch gut und witzig formuliert. Da würde ich manchmal schon gerne sagen: "Warum beglückst Du uns nicht mit einem witzigen Buch, wenn du schon so gut schreiben kannst?"

Diesmal steht das "Traumhotel" in Myanmar, einem Land, das von einer Militärregierung kontrolliert wird. Wie viel Kritik darf sich ein Unterhaltungsformat wie dieses erlauben?

Es ist ein Reisebilderbuch mit emotionalen Geschichten. Um Kritik anzubringen, muss man andere Filme machen. Ganz blauäugig blöd sind wir aber natürlich nicht. Nur finden Sie heute ja von Südafrika bis Myanmar, von Saudi Arabien bis Brasilien so viele Missstände, dass man eigentlich in keinem Land mehr drehen dürfte, auch in Deutschland nicht.

Wie hat Ihnen Myanmar gefallen?

Es ist für mich sicher eines der aufregendsten Länder, das ich je gesehen habe. Die Landschaft ist geradezu unwirklich in ihrer Fülle. Diese kleinen Tempel und goldenen Pagoden. Gerade auf dem Land trifft man auf ganz zauberhafte, hilfsbereite, liebe Menschen. Leider waren wir in einer Jahreszeit da, in der man nicht hinfahren soll. Es war unbeschreiblich heiß. Und weil da ja sehr hart gearbeitet wird in relativ kurzer Zeit, war das fürs Team unglaublich anstrengend, vielleicht das Härteste, was wir bis dahin gemacht hatten. Bei 45 Grad aufwärts bist du einfach irgendwann Matsch in der Birne. Trotzdem kann ich jedem nur empfehlen, da mal hinzufahren.

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