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Musik

CD-Tipp: The Knife - Shaking The Habital

Das schwedische Duo The Knife war schon immer ein bisschen anders: Masken zur Wahrung der Anonymität, Protestaktionen in Gorilla-Kostümen auf Preisverleihungen, ambitionierter Electro-Pop als Kampfmittel und Kunstform.

1999 begann das Geschwisterpaar Karin Dreijer Andersson und Olof Dreijer mit der Musik. Seitdem ist viel passiert, fünf Alben zwischen düster und tanzbar, die Clubhits "Heartbeats" und "Pass This On", das erfolgreiche Nebenprojekt Fever Rey, der sehr experimentelle Soundtrack einer Darwin-Oper, etliche Lobhuldigungen in der Fachpresse - kurz: die stilvolle Unterwanderung des Mainstreams.

Als Anfang des Jahres die ersten Tourdaten bekannt gegeben wurden, waren die Karten in 24 Stunden auch schon restlos ausverkauft. Was die auserwählten Besucher auf den Konzerten im April und Mai erwartet, gibt es ab dem heutigen Freitag in Albumform zu hören: "Shaking The Habital" heißt das erste Lebenszeichen der Schweden seit sieben Jahren - nimmt man die experimentelle Darwin-Oper "Tomorrow, In A Year" mal aus. Was man allerdings nicht tun sollte, denn genau in diese Richtung geht auch das neue Werk.

Das erste Studioalbum seit "Silent Shout" ist vor allem sperrig und mehr Sound als Song. Höchstens vier Lieder auf "Shaking The Habital" würde man überhaupt als solche erkennen. Die Songs ziehen sich teilweise bis zu 19 Minuten hin - ohne dass viel mehr passiert als manische Rhythmen, die gegeneinander arbeiten und durch eine vermeintliche Electro-Jamsession gepusht werden. Viele Tracks kommen sogar ohne Karins Stimme aus und sind wunderbar für die musikalische Unterlegung einer Ufo-Landung bei "Akte X" geeignet. Das ist ungewohnt, anstrengend, birgt überraschende Melodie-Momente und ein ganz spezielles Feeling - nichts anderes hätte man von The Knife erwartet. Nur kann man jetzt beim besten Willen nicht mehr dazu tanzen.

(mia/spot)