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Bully Herbig© spot-on

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Bully: Mein Bernd hat so gehustet

Katja Eichinger (41) präsentierte bei der Münchner Bücherschau am Donnerstagabend zum letzten Mal ihr Buch "BE" (Hoffmann und Campe) über das Leben ihres im Januar 2011 verstorbenen Mannes Bernd Eichinger (1949 - 2011). Unterstützung hätte die Autorin laut Vorankündigung eigentlich von Regisseur Til Schweiger (48) bekommen sollen.

München. Doch der war offenbar kurzfristig nicht abkömmlich. "Er muss einen Tatort drehen", so die Entschuldigung, die zum Running Gag der Veranstaltung werden sollte: "Mittlerweile ist es besonders, wenn man kein Tatort-Kommissar ist", witzelte Michael "Bully" Herbig (44), der für den absenten Schweiger eingesprungen war, "ich habe meine Arbeit bei SOKO dafür schon unterbrochen".

Auf dem Podium der Münchner Bücherschau also: Autorin und Witwe Katja Eichinger, Herman Weigel (62), der mit Bernd Eichinger an der Filmhochschule studiert und später die Constantin Film mit ihm und Regisseur Uli Edel (65) leitete, sowie Journalist und Moderator Moritz Holfelder - und der von einer Veranstaltung am Vorabend noch etwas abgekämpfte Bully.

Es gäbe viele Bernds, die in dem Buch von Katja Eichinger auch zu entdecken seien, moderierte Holfelder an, welchen Bully denn kennengelernt habe? "Ja, also meiner hat wahnsinnig viel gehustet. Da hat er noch geraucht. Nach 'Erkan und Stefan' (2000) bin ich in die Constantin eingeladen worden. Dort sah es ganz anders aus, als ich es mir vorgestellt hatte. Es war so ein bisschen abgerockt, aber ich war sofort von den vielen goldenen Preisen geblendet. Und in eine totale Stille hinein hat es dann plötzlich gehustet..."

Konventionen durchbrechen

Viel Lob kassierte Autorin und Witwe Katja Eichinger von Eichinger-Freund und -Kollege Herman Weigel für die Tatsache, dass sie keinen klassischen "Witwen-Roman" geschrieben hat, bei dem der verstorbene Gatte auf die positiven Seiten reduziert oder um es mit Katja Eichingers Worten zu sagen "nahezu heiliggesprochen" werde.

Ein markantes Beispiel dazu erzählte wieder Bully: "Nach der Vorführung des Rohschnitts haben wir erst sehr konstruktiv an 'Der Schuh des Manitu' gearbeitet. Dann gingen raus und redeten weiter. Er fragte, ob er mal in den Schnitt kommen solle und als wir im Innenhof der Constantin angekommen waren, hielt er an der Wand und pisst dagegen. Aber so unangekündigt, wir waren ja noch im Gespräch... Später hab ich ihn, seinen großen Charme und seine Manieren besser kennengelernt." Katja Eichinger lachte und ordnete die Geschichte ein: "Ja, dieses Durchbrechen von Konventionen war typisch für ihn."

Typisch für ihn waren seine Einfälle: "Im Schnitt war es dann so, dass er echt gute, aber auch komische Ideen hatte. Im 'Schuh des Manitu' trägt der Häuptling einen weißen Hasen aus dem Wigwam. Bernd fand, dass man den Hasen nicht richtig erkennt: 'Stopp. Da machst jetzt Folgendes, da machst an Zoom drauf, dann machst ein Standbild und schreibst drunter 'für die weitere Handlung extrem wichtiger Hase'. Er hatte aber auch wahnsinnig gute Ideen", so Bully, über den Bernd Eichinger einmal sagte "Ich bin überzeugt, dass dieser Mann alles kann".

Die Zusammenarbeit mit dem großen Produzenten hat den Münchner Filmemacher nachhaltig beeindruckt. Seit dem Rohschnitt-Gucken von 'Schuh des Manitu' hat Bully vor allem einen Eichinger-Satz verinnerlicht: "Plötzlich hieß es nur noch: 'Film steht, Film steht, Film steht...' Damit hat er langweilig gemeint. Die Stelle sollte ich rausnehmen. Heute kann ich gar nicht mehr in einem Film sitzen kann, ohne 'Film steht' zu denken."

Das Finale

Als erster Preisträger des Bernd-Eichinger-Preises haute Bully nicht nur jede Menge witziger Geschichten über den großen Filmemacher heraus, er erfüllte sich am Schluss auch einen Traum: "Bernd hat das immer gemacht und ich habe mich nie getraut. Heute mache ich es", mit diesen Worten griff Bully zu seinem Wasserglas und zerschmetterte es auf der Bühne. Eichinger, Weigel und Holfelder schmissen ihre Gläser hinterher.

Und ganz zum Schluss gab es dann doch noch einen wehmütigen Moment in einer ansonsten sehr unterhaltsamen Veranstaltung: Bernd Eichingers bewegte Dankesrede für den "Deutschen Filmpreis" (2010) war einer der Ausschnitte aus der BR-Doku "Der Bernd", die vorab gezeigt wurden.

Weitere Star-Gäste

Die Münchner Bücherschau findet noch bis 2. Dezember im Gasteig statt. Unter anderem werden dort auch Robert Stadlober, Konstantin Wecker, Alice Schwarzer, Elke Heidenreich, Harry Rowohlt und Luise Kinseher zu Gast sein. spot-on