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Boulevard Binoche: „Gegen Weinstein war ich gewappnet“
Menschen Boulevard Binoche: „Gegen Weinstein war ich gewappnet“
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22:00 11.12.2017
Juliette Binoche Quelle: Jasin Boland
Paris

Madame Binoche, um den Titel Ihres neuen Films zu zitieren: Was tun Sie, um Ihre innere Sonne zu finden?

Wenn ich spiele, leuchtet meine innere Sonne sowieso. Ich fühle mich verletzlich, finde aber gleichzeitig etwas Neues in mir, von dem ich gar nicht wusste, dass es existiert. Ich spüre die Verbindung mit den anderen im Filmteam und fühle mich weniger allein. Ein reines Glücksgefühl! Im wirklichen Leben ist es schwieriger mit der Sonne. Ich arbeite zu viel, gerade habe ich drei Filme am Stück abgedreht, einen davon in Japan, ich bin erst vor drei Tagen zurückgekommen.

Klingt eher nach innerer Bewölkung.

Ich versuche vor allem, für meinen Sohn und meine Tochter die bestmögliche Mutter zu sein. Ich bin nicht immer da, aber das kann sogar gut sein: So müssen die beiden Verantwortung für sich übernehmen. Aber manchmal empfinde ich all diese gleichzeitigen Ansprüche erdrückend. Ich will jetzt auch unbedingt etwas daran ändern. Aber das sagt man ja immer, wenn man müde ist. Dann vergisst man es wieder und dreht neue Filme.

Sie haben in vielen Liebesgeschichten gespielt, die berühmteste war Ihr Oscar-Film „Der englische Patient“: Sind Sie zur Expertin in Beziehungsfragen gereift?

Zumindest verstehe ich, wie Menschen ticken. Schauspieler sind praktische Philosophen: Wir erspüren das Leben über unsere Körper. Wir durchleben Emotionen, und die müssen sich wahrhaftig anfühlen.

Okay, dann legen wir mal los: Die Isabelle in Ihrem Film sucht die Liebe und erlebt eine Enttäuschung nach der anderen. Ist Liebe notwendigerweise mit Frust verbunden?

Frustrierend wird es für den, der das Glück außerhalb von sich selbst sucht. Man muss es in sich selbst finden. Vielleicht findet man dabei auch noch einen anderen Menschen. Es geht aber nicht darum, etwas zu haben, sondern darum, etwas zu sein.

Ist Kompromissbereitschaft notwendig in der Liebe?

Ich würde zwischen Kompromiss und Toleranz unterscheiden. Ein Kompromiss könnte bedeuten, dich selbst zu manipulieren, um etwas okay zu finden. Toleranz bedeutet zu akzeptieren, dass du jemanden nicht ändern kannst und dass er vielleicht nicht der ist, den du dir immer so schön ausgemalt hast. Es kommt dabei nicht auf die Alltagsdinge an, also ob du dein Curry schärfer oder weniger scharf magst. Aber um dich mit jemandem verbunden zu fühlen, muss es auf einer tiefen Ebene Übereinstimmung geben.

Ist es schwieriger, sich zu verlieben, wenn man älter wird und schon manche Curry-Macke entwickelt hat?

Hängt davon ab, wie verzweifelt man ist (lacht laut). Ist die Verzweiflung groß genug, ist das Curry egal. Jedenfalls für eine Weile. Dann kommt es wieder auf den Tisch. Und dann machst du eine Therapie und kapierst, dass du mit dir selbst ins Reine kommen musst.

Würden Sie selbst übers Internet einen Partner suchen?

Mir persönlich ist das fremd. Da würde ich ausrasten. Bei manchen Menschen scheint es aber zu funktionieren.

In Ihrem aktuellen Film sind die Männer ziemliche Unsympathen. Es könnten einem all die gerade publik gewordenen Übergriffe im Kinogeschäft in den Sinn kommen.

Ich bin froh, dass das jetzt alles auf den Tisch kommt. Es bleibt noch viel zu tun in der Beziehung zwischen Männern und Frauen.

Wie gut kennen Sie Harvey Weinstein?

Ich habe mit ihm bei „Der englische Patient“ und „Chocolat“ zusammengearbeitet. Seine Persönlichkeit hat viele Facetten. Ein Teil von mir empfindet Mitgefühl für ihn, ich mag ihn. Gleichzeitig sehe ich, wie zerstörerisch die animalische Seite in ihm sein kann. Er hatte viel Macht und ist rein körperlich dominierend. Ich war aber schon vor Harvey in Situationen, in denen ich sexuell bedrängt wurde und in denen ich klar Nein sagen musste, schon als Kind. Ich war gewappnet und mir der Gefahr bewusst. Wohl jede junge Schauspielerin sieht sich irgendwann Situationen ausgesetzt, mit denen sie nie gerechnet hätte.

Wird die Me-Too-Bewegung die Machtverhältnisse im Filmgeschäft ändern?

Zuallererst hoffe ich mal, dass diese Bewegung unser Bewusstsein verändert. Deshalb müssen all diese Geschichten ans Licht. Und wir sollten Jungen und Mädchen anders erziehen, als wir es momentan tun.

Zurück zur wahren Liebe: In Ihrem Film sieht man den Eiffelturm in der Nacht glitzern. Haben Sie je da oben geküsst?

Eine Pariserin tut das nicht! Das ist so eine Postkartenidee von Touristen, die ein romantisches Wochenende verbringen wollen. Zumindest kann ich Ihnen aber versichern: Ich habe in Paris geküsst.

Von Stefan Stosch / RND

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