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Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt.

Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt.
© dpa

Fernsehen

„Berlin ist rauer“: Bär und Behrendt über zwei Städte

Seit 20 Jahren ermitteln Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär als „Tatort“-Kommissare Ballauf und Schenk in Köln. Sie kennen sich aber auch in Berlin gut aus und können beiden Städten viel abgewinnen.

Köln/Berlin. Abendlicher Dreh an der Würstchenbude des Kölner „Tatort“-Teams mit Blick auf den Dom. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur äußern sich die Darsteller Klaus J. Behrendt (Max Ballauf) und Dietmar Bär (Freddy Schenk) über ihre Wurzeln in Nordrhein-Westfalen, die Mentalität der Kölner und der Berliner, die rheinische Frohnatur und den rauen Ton in der Bundeshauptstadt.

Die „Tatort“-Würstchenbude dürfte für Fernsehzuschauer mittlerweile einer der markantesten Punkte in NRW sein.

Bär: Weil er fiktiv ist, aber trotzdem real. Das haben Sie schon recherchiert, oder?

Frage: Ich weiß zumindest, dass sie normalerweise nicht hier steht. Werden Sie manchmal auf die Bude angesprochen?

Bär: Haha!

Behrendt: Das ist wohl ein Scherz?

Bär: In allen Städten Deutschlands! Und alle wollen immer wissen: Wo ist denn diese Bude? Das ist wirklich eine Standardfrage, seit wir „Tatort“ drehen. Man kann dann immer sagen: Ja, es gibt sie. Nein, es gibt sie nicht. Jedenfalls nicht an der Stelle, an der man sie im Film sieht.

Frage: Wo steht sie denn wirklich?

Bär: Eine Zeitlang stand sie am Schokoladenmuseum. Dann wurde sie von dort verdrängt durch die Wirren der Marktwirtschaft, sag ich mal, und jetzt hat sie in den Sommermonaten ein neues Heim an der Südbrücke.

Frage: Essen Sie die Wurst wirklich?

Bär: Nein, das ist alles computeranimiert...

Behrendt: Es ist schon real.

Frage: Und wieviele Würstchen essen Sie pro Szene?

Behrendt: Das kommt immer drauf an, wieviele Klappen man hat. Ich sag mal, so zwei. Man teilt sich das ja in kleine Stückchen ein.

Frage: Sie kommen beide ursprünglich aus NRW, leben jetzt aber schon lange in Berlin, oder?

Bär: Ich hab 'ne Wohnung hier. Mein Lebensmittelpunkt ist Köln und Berlin.

Frage: Und Sie, Herr Behrendt?

Behrendt: Mein Lebensmittelpunkt ist Berlin, aber Nordrhein-Westfalen hat einen sehr wichtigen, großen Stellenwert für mich. Nordrhein-Westfalen ist für mich Jugend, hier bin ich aufgewachsen. Es ist immer noch ein großer Teil Zuhause.

Frage: Sie kommen also noch regelmäßig hierhin?

Behrendt: Zunächst mal bin ich natürlich einen großen Teil des Jahres in Köln und Umgebung. Und dann gibt es da eine Stadt , wo ich aufgewachsen bin, da bin ich auch ab und zu.

Frage: Sind Sie nicht irgendwo am Rand des Ruhrgebiets geboren?

Behrendt: Ich bin geboren in Hamm, aber Hamm kenn' ich wirklich nur von meinem Ausweis her, weil mein Vater relativ schnell versetzt worden ist, ins Tecklenburger Land. Das ist auch noch Nordrhein-Westfalen.

Frage: Und bei Ihnen, Herr Bär, ist es Dortmund?

Bär: Ich bin gebürtiger Dortmunder, genau. Und habe schon seit ewigen Zeiten 'ne Wohnung in Köln, weil ich merkte, dass ich doch öfter hier bleibe und immer gerne einen Fuß in NRW habe. Ich bin durch die Heimat, durch meine Familie, durch den Fußball, Theaterspielen in Bochum auf ganz vielfältige Weise mit NRW verquickt. Genau wie Klaus sagt: Man ist hier aufgewachsen. Die Verbindung bleibt ja immer, egal wo man landet.

Frage: Köln hat ja nicht den besten Ruf. Silvesternacht, Archiveinsturz...

Bär: Ich höre unheimlich oft von Leuten, die mal hier waren: Sympathisch, aber das ist ja jetzt keine schöne Stadt. Ich frage dann immer zurück: Wo ist denn die schöne deutsche Stadt, außer Heidelberg und Rothenburg ob der Tauber?

Behrendt: Es ist absolut lebenswert hier. Es sind ganz tolle Menschen hier. Die rheinische Frohnatur, das ist kein Klischee, die gibt's wirklich.

Bär: Es ist eine spezielle Stadt. Ich halte Köln für die toleranteste Stadt Deutschlands. Ich habe ja den Vergleich mit Berlin. Und da wird alles Mögliche versprochen, aber gehalten wird es im Alltag hier in Köln. Allein das große Thema Deutschtürken. Das kocht hier auf 'ner anderen Flamme.

Behrendt: Also, ich glaube, das darf man jetzt nicht in einen Topf werfen.

Bär: Ich schmeiße nichts in einen Topf. Ich will einfach sagen, dass die Toleranz hier eine andere ist.

Behrendt: Berlin ist einfach anders. Berlin hat so viele Stadtteile, und jeder Stadtteil hat wieder einen anderen Charakter.

Bär: Es gibt aber eine Berliner Mentalität, und es gibt eine Kölner Mentalität. Und die ist völlig anders. Hier gilt: Leben und leben lassen.

Behrendt: Berlin ist rauer.

Bär: Ja, es ist der raue Ton, aber es ist auch der Anonymität der Metropole geschuldet. Das ist in anderen Metropolen der Welt genauso. Und trotzdem kann's auch gemütlich sein in Berlin. Wenn man es will.

Behrendt: Ich liebe Berlin sehr.

Frage: Denkt man sich da manchmal: Ach, in Berlin „Tatort“-Kommissar zu sein, wär auch super?

Behrendt: Nein, in Berlin sind ja unsere Kollegen.

Bär: Da könnte ich mich ja jeden Sonntagabend hinsetzen und sagen: Ach, Stuttgart wär auch schön.

Frage: Nein, denn zu Stuttgart haben Sie ja keine Verbindung. Aber zu Berlin und Dortmund schon.

Bär: Ja, aber wir sind ja auch Schauspieler. Wir müssen zu allem eine Verbindung aufbauen.

Frage: Es ist vermutlich wirklich ein abwegiger Gedanke.

Bär: Ja, gut dass Sie es einsehen. Es ist wirklich abwegig. Wir bleiben in Köln.

ZUR PERSON: Klaus J. Behrendt (57) und Dietmar Bär (56) verkörpern seit 20 Jahren das Kölner Ermittler-Duo Max Ballauf und Freddy Schenk. Sie gehören zu den beliebtesten und am häufigsten zu sehenden „Tatort“-Kommissaren. Die meisten Folgen enden mit einer versöhnlichen Feierabend-Szene an der Würtchenbude mit Dom-Blick.

Von Christoph Driessen, dpa