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Kino

Belmondo: Ein bewegtes Leben

Eigentlich hat sich kaum was verändert, obwohl er nun - rein offiziell nach Lebensjahren - ein alter Mann ist. Gewiss, sein Haarschopf ist weiß geworden, und die Bewegungen sind längst nicht mehr so geschmeidig wie vor, na sagen wir mal: 30 Jahren.

Doch der treuherzige Blick, das unwiderstehlich-unverschämte Gassenjungengrinsen unterhalb der zerschlagenen Boxernase - das ist nach wie vor "Bebel", wie die Franzosen ihren großen Kinostar Jean-Paul Belmondo liebevoll nennen. Heute feiert er in Paris seinen 80. Geburtstag.

Es gibt nur wenige Schauspieler, die wie Belmondo in ihren Filmen so viel gerannt und geflüchtet sind, so viel gehauen und auf die Fresse bekommen haben. Dazwischen musste er küssen, unvergleichlich genussvoll rauchen, Verbrecher oder Polizisten erschießen, bisweilen auch selbst sterben, was er wie im Kultfilm "Außer Atem" von Jean-Luc Godard so eindrucksvoll tat, dass es in die internationale Kinogeschichte einging: Er grinste bis zum bitteren Ende. Er war der Actionstar schlechthin, und er verstand es wie kein anderer, manchmal aus der Action große Kunst zu machen.

Der Mann, in dessen Gesichtszüge viele die Pariser Unterwelt wiederfinden, entstammt der Bohème. Sein Vater Paul Belmondo (1898-1982) kam als 17-Jähriger aus Sizilien an die Seine und wurde ein berühmter Bildhauer, die Mutter war Balletttänzerin. Bei den Belmondos verkehrten die Pariser Intellektuellen, u.a. auch der Schriftsteller Albert Camus.

Jean-Paul brach früh die Schule ab - und wurde Boxer. Nach einer Krankheit und den anschließenden Erholungsurlaub in der Auvergne beschloss er, Schauspieler zu werden; der Vater vermittelte die entsprechenden Kontakte. Zunächst hielt man ihn für talentfrei, doch dann schaffte er es ans Pariser Konservatorium. Dort traf er Jean Rochefort, Annie Girardot, Jean-Claude Brialy und Jean-Pierre Marielle, alle wurden zu lebenslangen Kollegen und Freunden.

Belmondo begann seine Karriere als Theater- und Tourneeschauspieler und hatte 1957 mit "Außer Atem" sofort einen riesigen Erfolg. Der Film machte ihn berühmt. Es folgten weitere Thriller, in denen er meist entweder einen Polizisten oder Gangster darstellte. Seine berühmtesten Filme: "Eine Frau ist eine Frau", "Der Coup", "Angst über der Stadt", "Der Greifer", "Der Profi", "Der Boss", "Das As der Asse". Und immer wieder bewies er sein komödiantisches Talent.

2001 erlitt Belmondo einen Schlaganfall, Frankreich war geschockt: "Bebel" im Rollstuhl - das war unvorstellbar. Er erholte sich schnell und drehte noch einen Film, "Ein Mann und sein Hund".

Danach machte er nur noch Schlagzeilen mit seiner Liebesgeschichte. Nach zwei Ehen und einer Beziehung mit der Schauspielerin Ursula Andress verliebte er sich in das 40 Jahre jüngere "Playboy"-Model Barbara Gandolfi, dem er 200.000 Euro schenkte. Die junge Frau gab das Geld angeblich an ihren Ex-Ehemann weiter, gegen den die Polizei wegen Zuhälterei und Geldwäsche ermittelte. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt, und "Bebel" und die schöne Barbara sind immer noch ein Paar.

Sogar ein Filmprojekt ist wieder in Planung. Der Regisseur Claude Lelouche hat Jean-Paul Belmondo für die Hauptrolle in einer Gangsterkomödie engagiert. Er soll einen alternden Verbrecher spielen. Mit einem unverschämten Grinsen. Und wie immer auf der Flucht. Aber nicht mehr ganz so schnell.

(ln/spot)