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Barbara Wussow: "Meine Arbeit ist wie Therapie!"

Auch wenn Barbara Wussow bereits unzählige Filme gedreht hat, die Rolle der Lernschwester Elke aus der Schwarzwaldklinik wird ihr ewig anhaften. Zum einen, weil die Serie damals regelmäßig von über 20 Millionen Zuschauer gesehen wurde, und zum anderen, weil sie an der Seite ihres berühmten Vaters Klausjürgen Wussow spielte - an den sie übrigens nicht nur schöne Erinnerungen hat, wie sie der Nachrichtenagentur spot on news verrät.

War Ihr beruflicher Werdegang durch die schauspielenden Eltern früh vorgegeben?

Barbara Wussow: Ich verbrachte zwar viel Zeit am Wiener Burgtheater, aber dass ich mal Schauspielerin werden würde, war lange nicht vorstellbar. Ich war nämlich eine furchtbar schüchterne und verklemmte Klosterschülerin. Wenn ich damals einer meiner Klassenkameradinnen gesagt hätte, dass ich mal Schauspielerin werde, dann hätten die mich ausgelacht und gesagt: "Ausgerechnet die kleine Bärbel!" Wo ich doch schon schwitznass wurde, wenn ich nur an die Tafel gerufen wurde oder irgendwas sagen musste.

Wie war Ihre Pubertät?

Wussow: Ich war kein Sorgenkind. Ich habe mich bis zum 18. Lebensjahr nicht geschminkt, habe nie geraucht, meinen ersten Freund hatte ich mit 19 und mein erstes Glas Alkohol mit 22. Das war zusammen mit meinem Mann Albert, gegen die Aufregung beim ersten Date. Der Arme hat sehr viel Geduld aufbringen müssen, um mich rumzukriegen. Denn ich habe damals keine zehn Worte in drei Stunden rausgebracht.

Mit was hat er Sie beeindruckt?

Wussow: Mal abgesehen von seiner Geduld und seinen guten Manieren, fand ich ihn einfach sehr fesch. Obwohl ich bis dahin eher von Typen á la Alain Delon geschwärmt habe, fand ich seinen Robert-Redford-Look sehr ansprechend. Außerdem fühlte ich mich von Anfang an gut aufgehoben, da er so reif und erfahren war.

Ihr Resümee nach über 30 Jahren?

Wussow: Er war die richtige Wahl. Es funktioniert so gut, weil wir nicht deckungsgleich sind. Wir sind zwar gleich was Lebensformen, ethisch-moralische Begriffe und Kindererziehung angeht, aber wir sind sehr verschieden was unsere Charaktere betrifft. Ich bin etwas impulsiver und Albert etwas entspannter und pragmatischer. Er gibt mir das Gefühl von Sicherheit wie ich es aus meiner Kindheit kenne.

Was war das schönste an Ihrer Kindheit?

Wussow: Das Gefühl der Geborgenheit und von Urvertrauen, dass mir nichts passieren kann. Auch, dass sie nicht weggehen und dass ich mein Elternhaus nicht verliere. Das war in meiner Kindheit und Jugend sehr wichtig, später ist es dann ja leider doch passiert.

Und es folgten viele unschöne öffentliche Geschichten...

Wussow: ...die mir teilweise sehr wehgetan haben. Zwei Wochen vor dem Tod meines Vaters habe ich aufgehört, Zeitung zu lesen. Es lebt sich viel leichter, wenn man nicht alles weiß, oder wie meine Mutter alles in sich hineinfrisst. Geprägt durch diese Erfahrung bin ich stets bemüht, meine Familie und mich zu schützen. Ich lebe ein relativ normales Leben. Und hin und wieder breche ich mal aus, wenn ich zu Dreharbeiten fahre.

Sind Sie beim Dreh eine andere Frau?

Wussow: Auf jeden Fall, allein schon weil ich viel extrovertierter bin. Ich liebe Scheinwerferlicht, egal ob das zwei Augen oder Kamerascheinwerfer sind. Wenn ich beim Dreh unter Menschen bin, dann bin ich ganz anders als Zuhause - lustiger, zugänglicher, ausgelassener, und ich komme mit noch weniger Schlaf aus, als Zuhause. Da kann ich mich voll austoben. Das ist wie auftanken.

Bekommen Sie Zuhause nicht genug Sonne?

Wussow: Das ist eine andere Sonne. Zuhause saugen immer alle an mir und ich muss immer selber strahlen, was mir auch Spaß macht, aber ab und zu muss ich einfach mal wieder auftanken. Das ist wie ein Sonnenkollektor, der aufgetankt gehört, damit er Wärme spenden kann. Arbeiten ist für mich wie Therapie.

Was machen Sie heute anders als Ihre Eltern früher?

Wussow: Ich bin viel weniger streng als meine Eltern. Mein Bruder und ich sind sehr streng erzogen worden und haben nie gewagt zu widersprechen. Meine Kinder dagegen diskutieren endlos mit mir, um Recht zu haben. Der Albert muss bei mir schon gegensteuern, denn alleine wäre ich bis zur Standpunktlosigkeit nachgiebig. Wenn meine Kinder mich nur anschauen, dann fließe ich dahin. Ich bringe viel zu viele Geschenke von überall mit und verwöhne sie viel zu sehr. Das ist zwar auch nicht gut, aber finde, die oberste Pflicht einer Mami ist, lieb haben. Das ist das Wichtigste, danach kommt dann lange nichts und dann erst kommen brav sein und Disziplin. Ein Punkt, bei dem Albert und ich uns nie einig sind.

Bei was noch?

Wussow: Bei seinem Ordnungswahn und seiner Vorliebe für Computer. Ich bin leicht chaotisch und als Blumenmädchen habe ich nicht viel Interesse an Computern. Albert führt Video-Tagebücher, ich schreibe mein Tagebuch noch mit der Hand.

Was steht da drin?

Wussow: Das verrate ich nicht. Das weiß nicht mal Albert. Ich finde jede Frau braucht ein paar kleine Geheimnisse. Das hält die Spannung aufrecht.

(ali/spot)