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Interview

Anke Engelke zum neuen Film: „Kein Märchenfilm“

Der TV-Thriller „Tödliche Geheimnisse“ erzählt auch in seinem zweiten Teil von der abenteuerlichen Suche nach der Wahrheit beim Kampf um Gerechtigkeit.

Hamburg/Berlin. Anke Engelke (51) ist durch ihre kreative Vielseitigkeit einem breiten Publikum bekannt geworden. In letzter Zeit tritt sie immer öfter als Schauspielerin in Erscheinung - jetzt auch im zweiten Teil des Thrillers „Tödliche Geheimnisse“ mit dem Zusatztitel „Jagd in Kapstadt“, am Samstag (20.15 Uhr) im Ersten. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur spricht sie über ihre Filmrolle, über starke Frauen und warum sie keinen Unterschied zwischen Comedy und Spielfilm macht.

Frage: Der Film zeigt erneut die Machenschaften hinter den Kulissen, wo es um Geld und Macht geht. Blicken Sie da eigentlich noch durch?

Antwort: Mal mehr, mal weniger, aber das ist ja auch schwierig. Der Film zeigt Menschen im Hintergrund, die dort scheinbar unbeobachtet die Fäden ziehen. Er will erzählen, was hinter den Kulissen passiert, was in der Konsequenz uns doch aber alle betrifft: Was wir kaufen, konsumieren, anziehen, essen und so weiter. Die Menschen sind einfach überfordert, das ist das Problem. Nur weil einer hierzulande brav sein Bio-Müsli isst oder auf einer Demo mitläuft, gibt man doch damit nicht seine Verantwortung für sein ganzes Verhalten ab. Das alles ist ein viel komplizierteres Geflecht, als ich dachte. Täuscht mein Eindruck, oder hat gerade niemand hier Lust, etwas zu kaufen, was ihm schadet? Hier wollen doch alle wissen, welche Inhaltsstoffe in Medikamenten sind, oder? Doch im Grunde weiß man wenig bis nichts.

Frage: Sie sprechen im Originalfilm ja englisch, wie alle Figuren. Das war sicher so gewollt.

Antwort: Ja klar. Wir leben in einer Zeit, in der man kaum jemandem vermitteln kann, dass man da nicht englisch spricht, wenn eine Handlung in Kapstadt spielt. Aber die Dialoge sind ja untertitelt. Wir haben im ersten Teil mit der TTIP-Thematik eher zufällig an die Tagespolitik angedockt, weil wir während der Dreharbeiten die Trump-Wahl gar nicht auf dem Schirm hatten. Aber der Zeitpunkt der Ausstrahlung war einfach genial und hat dem Film einen enormen Aktualitätsschub beschert. Es ist gut, dass der erste Teil jetzt wiederholt wird, so dass der Zuschauer wieder gut in die etwas entfernten Handlungsstränge hineinfindet. Das ist sicher eine Herausforderung, aber wir wollten ja keinen Märchenfilm drehen.

Frage: Ein Märchen ist der Film nun wirklich nicht.

Antwort: Nein, aber das war auch nicht gewollt. Richtig. Ich bin ein großer Freund der Irritation und möchte selber von Filmen gerne mal ordentlich durchgerüttelt werden. Dann denke ich oft: „Puh, wann hört das denn mal auf, man hat doch in der Schule gelernt und studiert - und ständig kommen neue Themen“. Da wünscht man sich doch Menschen in der Politik, die uns vermitteln: Was ist denn eigentlich die Wahrheit? Beides gibt es aber nicht. Das ist alles ungeheuer schwierig und spiegelt sich in der Zerrissenheit dieser Figur, die ich auch zeigen muss. Das kann dann auch mal unfreiwillig komisch sein, denn während ich da kniete als Karin Berger vor Nina Kunzendorfs Figur der Rommy, da dachte ich mir: „Was mache ich hier eigentlich?“ Aber diese Entschuldigung von Karin bei ihrer Freundin, auch wenn sie tragikomisch rüberkommt, war dringend notwendig.

Frage: Ihre Figur könnte man als starke Frau bezeichnen. Oder klingt das zu sehr nach Klischee?

Antwort: Tja - warum spricht man in der Kunst, in den Medien so oft von starken Frauen? Wenn sie von starken Männern reden würden, wäre das seltsam, oder? Ist das denn immer noch ein Thema? Die drei Frauen in diesem Film - Rommy, Lilian und Karin - sind sich ihrer Position bewusst und haben ihren Weg auch bewusst gewählt. Keine der drei Frauen sieht sich als Opfer, da spielt es keine Rolle, ob es eine Journalistin oder eine Konzernchefin ist. Der Druck, den sie in ihrem Beruf spüren, ist bei vollem Bewusstsein in Kauf genommen worden. Da kann man das Adjektiv stark gleich streichen.

Frage: Wie stehen Sie zum Thema Frauenquote?

Antwort: Ich glaube, dass man die Frauenquote braucht, gerade im Bereich Regie. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Arbeit hinter der Kamera finde ich in Ordnung, wenn sie transparent bleiben. Was gibt es für Ansprüche, was für Bedingungen - wenn Frauen da etwas mehr Zeit brauchen bis zu einer Entscheidung, dann muss man doch nicht gleich einem Mann den Vorzug geben, nur weil der sofort Ja sagt.

Frage: In Genres oder Rubriken wie Haupt- und Nebenrollen denken Sie offenbar nicht.

Antwort: Nein. Ich nehme jede Figur ernst, auch wenn ich sie nur wenige Sekunden oder Minuten lang spiele - da habe ich stets dieselbe Haltung: So zu spielen, dass man der Figur glaubt und folgt. Ich komme ja nicht von einer Schauspielschule, sondern vom geschriebenen und gesprochenen Wort, aus der Redaktion, der Moderation. Ich muss auch nicht immer in der ersten Reihe spielen. Kürzlich war ich für eine erwachsene Hauptrolle in einem Kinderfilm angefragt, aber ich habe mich dann für eine kleinere Rolle entschieden. Das mag ich: Wenn Figuren so notwendig sind für eine Geschichte, dass man ihre Bedeutung und Präsenz mit Hilfe der anderen Figuren oder der Handlung spürt.

Frage: Stichwort Moderation - muss die Berlinale künftig ohne Sie auskommen?

Antwort: Dieter Kosslick und ich haben ja diese schöne Verabredung, ein bisschen wie bei Brüderlein und Schwesterlein: Wir möchten nicht getrennt sein. Also freu' ich mich auf die Eröffnung der Berlinale 2018 - und dann schauen wir weiter.

ZUR PERSON: Anke Engelke (51) wurde am 21. Dezember 1965 in Montreal (Kanada) geboren. Sie arbeitet als Komikerin („Ladykracher“), Entertainerin, Sängerin, Synchronsprecherin („Findet Dorie“), Moderatorin („Berlinale“) und zunehmend als Schauspielerin. Zuletzt trat sie in „Frau Müller muss weg!“ (2015, Kino) oder „Wellness für Paare“ (2016, ARD) auf. Außerdem spielt sie regelmäßig in der Krimi-Reihe „Kommissarin Lucas“ (ZDF) mit. Anke Engelke lebt in Köln.

Von Interview: Klaus Braeuer, dpa


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