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Harry Schwertner hat als kleiner Junge John Lennon getroffen.

Harry Schwertner hat als kleiner Junge John Lennon getroffen. © Focke Strangmann

Musik

Als John Lennon in Verden drehte

Unter Beatles-Fans ist das beschauliche Verden in Niedersachsen längst kein Geheimtipp mehr. Die idyllische Stadt ist ein Pilgerort für Musikfans geworden. Denn: John Lennon hat dort im September 1966 einen Film gedreht.

Verden. Ein Soldat wirft eine Handgranate sechs Mal mit voller Wucht gegen eine Haustür. An diese Filmszene erinnert sich der 64-jährige Harry Schwertner mit einem breiten Grinsen und funkelnden Augen. Er war live dabei. Wenige Sekunden später traf er den Weltstar und sein großes Idol: John Lennon - in seinem Heimatdorf.

Im September 1966 galten die Dreharbeiten für Richard Lesters Antikriegsfilm "How I won the War" (Wie ich den Krieg gewann) in der niedersächsischen Kleinstadt Verden an der Aller als streng geheim. Für den damals 14-jährigen Harry war es reines Glück, trotzdem vom Besuch seines Idols zu erfahren: "Mein Vater arbeitete bei der britischen Rheinarmee. Er war kein Beatles-Fan, sondern hörte Heino. Aber der Dreh sprach sich in der Kaserne rum, und der Name John Lennon fiel bei uns zu Hause."

Danach ging alles ganz schnell. Am 14. September 1966 rannte der Schüler durch eine kleine Straßensperre, sah die Filmcrew und stand dann dem weltberühmten, aber völlig verändert aussehenden John Lennon gegenüber. Mit kürzeren Haaren, Soldatenhelm und dunkler Uniform war das Musik-Idol kaum wiederzuerkennen - er spielte die Rolle des Soldaten Gripweed.

"Ich wollte ein Autogramm von ihm, war aber zu nervös und konnte nicht sprechen. John Lennon sah mich, lachte, zeigte mir dann einen Buckel und signierte den kleinen Zettel auf meinem Rücken", erzählt Schwertner, heute Rentner, schmunzelnd. Er bezeichnet sich als Beatles-Fan seit der ersten Single. Heute kann er über seine zittrigen Hände von damals lachen.

50 Jahre liegt Lennons Besuch in Verden mittlerweile zurück. Das diesjährige Jubiläum feiern Beatles-Stammtische aus Verden und Hannover mit einer Ausstellung im Pferdemuseum. Berühmte Fotographien, Zeitungsartikel, Plastikfiguren sowie CDs und Schallplatten sollen die 1960er Jahre lebendig werden lassen. "Wir erzählen mit der Ausstellung Teile von John Lennons Geschichte. Von seinen Anfängen mit den Beatles bis hin zu seinem Tod", erklären die gelernten Elektriker und Gründer des Beatles-Stammtisches in Verden, Wolfgang Bielfeldt und eben Schwertner.

Eine Pferdestadt ist Verden für Bürgermeister Lutz Brockmann längst nicht mehr: "Es freut mich, dass wir viele Veranstaltungen haben, die authentisch sind und John Lennon sicher gefallen würden. Das ist eine große Bereicherung für unsere Stadt."

Obwohl John Lennon nur wenige Stunden in Verden verbracht hat und während der Dreharbeiten in einem Nachbarort untergebracht war, ist der 26 000-Einwohner-Ort zu einer Pilgerstadt für Beatles-Fans geworden. Das war nicht immer so.

Erst dank eines Zeitungsaufrufs 2002 ist die niedersächsische Stadt aus einem "Dornröschenschlaf", wie es die Beatles-Fans dort nennen, aufgewacht. Das Gerücht, nicht der Weltstar selbst, sondern lediglich ein Double sei 1966 in Verden gewesen, erhitzte die Gemüter. Fans wie Schwertner, die sich als Zeitzeugen verstehen, reagierten und Lennon wurde wieder Gesprächsthema. Er ist es bis heute geblieben.

Am einstigen Drehort steht seit 2008 ein Denkmal für den Weltstar. Umgeben von Pferdewiesen und der Aller erinnert eine stilisierte Grafik an Lennons Besuch und seine tragische Ermordung 1980. Bunte Blumen zieren das Denkmal. Abgebildet ist Lennon auf einer Bronzeplatte - mit Nickelbrille, Friedenstaube und Filmrolle. So soll er den Einwohnern und Touristen der niedersächsischen Stadt in Erinnerung bleiben.

dpa


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