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Boulevard 90. Oscar-Verleihung: Von der Mini-Party zum Riesen-Event
Menschen Boulevard 90. Oscar-Verleihung: Von der Mini-Party zum Riesen-Event
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11:35 28.02.2018
Eine Oscar-Statue steht im Ballsaal anlässlich eines Mittagessens mit Nominierten der 90. Verleihung der Academy Awards. Quelle: Danny Moloshok/Invision/dpa
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Hollywood

Gerade einmal 15 Minuten dauerte die Preisverleihung. Dann waren die ersten Academy Awards auch schon wieder vorbei. Nur 270 Gäste waren zu dem Bankett in das Roosevelt Hotel am Hollywood Boulevard gekommen. Das war im Jahr 1929. Damals ahnte wohl auch kaum jemand, dass diese Awards in Los Angeles den Grundstein für den wichtigsten Filmpreis der Welt legen würden: die Oscars. In wenigen Tagen ist es wieder soweit. Am Sonntag (4.3.) werden die Auszeichnungen bereits zum 90. Mal verliehen, weltweit schalten Millionen Menschen die Übertragung von Hollywoods glamourösester Gala ein.

Mit dem allerersten Preis wurde 1929 Emil Jannings geehrt. Der Deutsche erhielt die Auszeichnung als bester Schauspieler für die beiden in den USA gedrehten Stummfilme „Sein letzter Befehl“ und „Der Weg allen Fleisches“ - es ist bis heute der einzige Academy Award für einen deutschen Hauptdarsteller. Damals war der Preis für Jannings allerdings keine große Überraschung: Alle Gewinner standen schon Monate vor der Verleihung fest, so auch die Trophäe für den besten Film. Die ging an den Kriegsfilm „Flügel aus Stahl“ von William A. Wellman.

Seit dieser Feier hat sich einiges verändert. Fand die erste Preisvergabe noch im Mai statt (am 16.5.1929), wurde die Gala mittlerweile auf Ende Februar oder Anfang März vorgezogen. Auch der Name wandelte sich. Schon zu Anfang war die Trophäe zwar ein Ritter, der auf einer Filmspule steht und sich auf ein Schwert stützt. Doch erst 1939 ließ die Akademie den Spitznamen „Oscar“ zu. Angeblich geht er auf eine Bibliothekarin der Akademie zurück, die meinte, dass die Statue ihrem Onkel Oscar ähnlich sehe.

Außerdem wurden die Medien jahrelang vorab über die Gewinner informiert. Doch als dann eine Zeitung die Preisträger noch vor Gala-Beginn verkündete, änderte man diese Praxis. Deswegen gibt es seit 1941 verschlossene Briefumschläge, die erst zur Verkündung geöffnet werden. Das ging lange gut - bis im vergangenen Jahr ein falscher Umschlag ausgehändigt und zunächst „La La Land“ als bester Film bekanntgegeben wurde, bevor schließlich das Team von „Moonlight“ den Haupt-Oscar überreicht bekam.

Viele Zuschauer werden sich auch noch erinnern können, dass früher die Gewinner mit den Worten „And the winner is...“ verkündet wurden. 1989 aber entschied sich die Akademie für eine Formulierung, die weder Gewinner noch Verlierer impliziert - seitdem heißt es neutraler „And the Oscar goes to...“.

Mittlerweile ist die Gala eines der wichtigsten TV-Entertainment-Events geworden, das nach der Ausstrahlung verlässlich für Gesprächsstoff sorgt. Egal, ob es das seltsam abgespreizte Bein von Angelina Jolie auf dem roten Teppich ist, der euphorische Tanz des italienischen „Das Leben ist schön“-Regisseurs Roberto Benigni oder das Selfie von Moderatorin Ellen DeGeneres mit zahlreichen Promis, das innerhalb kürzester Zeit millionenfach bei Twitter verbreitet wurde.

Doch auch wenn sich Hollywood mit diesem Abend selbst feiern will, so gerieten die Awards auch immer wieder wegen politischer und gesellschaftlicher Konflikte in die Schlagzeilen. 1940 etwa erhielt Hattie McDaniel als erste Schwarze eine Auszeichnung als beste Nebendarstellerin in „Vom Winde verweht“ - wegen der Segregation in den USA wurde Hattie aber von ihren weißen Filmkollegen getrennt an einen Extra-Tisch gesetzt. Und 1973 weigerte sich Marlon Brando aus Protest gegen die Unterdrückung der Indianer, seinen Oscar als bester Hauptdarsteller für „Der Pate“ anzunehmen.

Debatten wie diese halten bis heute an. Noch immer wird die Akademie zum Beispiel dafür kritisiert, dass besonders viele weiße Filmschaffende und verhältnismäßig wenige Vertreter von Minderheiten für Preise nominiert werden. Vor drei Jahren gipfelte das in Protesten, die im Internet unter dem Stichwort #OscarsSoWhite zusammengefasst wurden. Und 2018? Da deutet vieles darauf hin, dass die Oscars nach den Missbrauchsvorwürfen und der MeToo-Debatte kämpferischer als sonst ausfallen - was möglicherweise sogar die Preisträger etwas in den Schatten stellen könnte.

Von dpa

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