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Konzert

10.000 feiern La Lopez

Hollywood ist angekommen, das zeigt sich schon in den ersten Sekunden. Acht Tänzer, Frack und Zylinder, singen wie ein Barbershop-Chor das schönste Mädchen herbei, erfolgreich. Der Vorhang fällt und Jennifer Lopez fährt aus dem Boden. "Wollt ihr heute Tanzen, Berlin?" schreit sie. Und zeigt die folgenden 90 Minuten, wie das mit dem Tanzen eigenlich geht. Es ist ihr erstes Deutschlandkonzert überhaupt.

Berlin. 10000 Zuschauer haben sich in die O2-World begeben, um Showgirl Lopez zu sehen - überraschend wenig Teenies. "JLo", selbst schon 43 Jahre alt, ist nichts mehr für die Bravo-Generation, die Justin Bieber verehrt und Rihanna. Muss die in New York geborene Lopez aber auch gar nicht sein. Seit 1999 ihr Debüt-Album "On the 6" erschien produzierte sie eine beeindruckende Hit-Sammlung - und verkaufte damit 70 Millionen Platten.

Lopez' Karriere liest sich ein wenig wie ein Märchen. Ihre Eltern kamen aus Puerto Rico in die USA, lebten eher schlicht in der Bronx. Tochter Lopez zogen die Lichter des New Yorker Broadways magisch an, sie wurde Profi-Tänzerin, dann bekam sie kleine Schaupielrollen, wurde dann erste Latina, die mehr als eine Million Dollar Gage bekam, später Hollywood-Hausnummer. Das renommierte US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" wählte sie just zur einflussreichsten Künstlerin, Klatsch-Pendant "People" vergangenes Jahr mal wieder zur schönsten Frau der Welt.

Auf der Bühne verschmilzt das alles zu einer Hochglanz-Show. Lopez trägt grundsätzlich hauteng - ihr Hintern ist der wohl berühmteste der Welt. Die Kostüme sehen aus, als wäre hinter der Bühne eine Swarowski-Fabrik explodiert, es funkelt alles unerlässlich. Sie wälzt sich über den Boden, schwingt ihre Hüften zu "Love don't cost a Thing", "Waiting for tonight", "Get Right". Sie tanzt, als ginge es um ihr Leben. Dabei sieht sie immer aus, als würde sie sich gerade nicht völlig verausgaben, sondern ein Fotoshooting für "Elle" machen. Auch, wenn Stimme hinter Stimmung gelegentlich zurücktreten muss. Die Windmaschine auf Hochtouren, der Pyrotechniker immer am Abzug, Konfettiregen Ehrensache. Und immer: ein unglaublich entwaffnendes Lächeln, die Aura des "Ganz großer Glamour"-Hollywoods.

Fast simpel für eine Arena-Tour ist dagegen das Bühnenbild. Eine große Treppe, Monitore an jeder Stufe, acht hochgezüchtete Tänzer, die zu gern ihr T-Shirt vergessen, das war es eigentlich schon. Zwischendurch wird ein Boxring aufgebaut, dann Maschendrahtzaun, wenn Lopez mit "Jenny from the Block" und diversen Rapper-Kollaborationen an ihre Vergangenheit in der Bronx erinnert. Eher spärlich ist das, Lady Gaga tourt mit eigener Burg, Rihanna schießt Fan-Artikel mit einem pinken Panzer in die Masse. Superstar Lopez dagegen setzt darauf, dass sie selbst Dekoration genug ist. Und genau an den richtigen Stellen Brüche, wenn die Inszenierung gerade trotz unerschöpflich scheinender Hit-Auswahl langweilig zu werden droht. "Ich glaube an Liebe", erklärt sie dann, "auch, wenn es ein paar Mal daneben ging" (drei Scheidungen), um dann in Liedform ihren Zwillingen zu erklären, dass sie der Sinn ihres Lebens sind.  Oder um mit einer Akustikversion ihrer Debüt-Single "If you had my Love" zu zeigen, dass sie nicht zufällig auch als Sängerin Erfolg hat. Vielleicht nicht die größte Stimme, aber eine schöne, stets sofort wiedererkennbare. Berlin hat sie in der Tasche, als sie dann auch noch erzählt, dass ihre erste Tour als Tänzerin sie vor Jahrzehnten in die Stadt führte, sie die Mauer fallen sah. "Ich lieb es hier."

Am Ende wirds dann nochmal heftig, "On The Floor", immerhin erfolgreichster Song Europas 2011, und "Dance Again" verwandeln die O2-World in eine Großraumdisko. JLo macht das lebendige Klatschmagazin, wenn sie mit ihrem 18 Jahre jüngeren Freund Casper Smart ein Solo tanzt. Nochmal ganz viel Feuerwerk, dann ist Lopez weg. Es funkelt nur noch das silberne Konfetti auf dem Hallenboden. Ob sie nach dieser ersten Welttournee noch einmal kommen wird, ist ungewiss. Leider. 

In Deutschland tritt JLo noch in München (25.10.), Hamburg (28.10.) und Oberhausen (31.10.) auf.

Sebastian Scherer