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13:42 19.08.2010
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Deutschlands Finanzwirtschaft hat die große Krise überwunden, die meisten Institute melden bereits wieder Gewinne in Millionen- oder Milliardenhöhe. „Ausgerechnet die Erholung aus der Krise versüßen sich Fondsgesellschaften mit Erfolgsgebühren“, kritisierte Stiftung Warentest, und in einer aktuellen Studie stellte die Berliner Quirin-Bank fest, dass Finanzinstitute bei vielen Geldanlagen überaus hohe Gebühren und Provisionen vereinnahmen. Bei Zertifikaten, fondsgebundenen Rentenversicherungen und Lebensversicherungen sind die Gebühren der Studie zufolge im Schnitt so hoch, dass sie die Hälfte der erwarteten Rendite aufzehren.

Die hohen Gebühren bei gemanagten Fondsprodukten beispielsweise kommen laut Quirin-Bank-Chef Karl Matthäus Schmidt dadurch zustande, dass die Gesellschaften gleich mehrfach zugreifen. Der auffälligste Kostenfaktor bei Investmentfonds ist der sogenannte Ausgabeaufschlag. Dieser kann bei Aktienfonds in der Regel bis zu fünf Prozent betragen, d.h. ein Anleger, der 10.000 Euro in einen Fonds investiert, legt effektiv nur 9.500 Euro an. Die Differenz von 500 Euro muss erst einmal wieder in Form einer Kurssteigerung des Fondsanteils hereingeholt werden. Mit diesem Aufschlag finanzieren die Fondsgesellschaften die Vertriebs- und Marketingkosten.

Tipp: Diese Ausgabe können Anleger sparen, wenn sie die Fonds über einen Fondsvermittler im Internet kaufen, auch bei Direktbanken ist der Ausgabeaufschlag in der Regel stark ermäßigt oder entfällt völlig.

Während Geldanleger diesen Zusatzkosten noch entgehen können, haben sie keinen Einfluss auf die regelmäßigen Verwaltungskosten oder Managementgebühren, die ihnen direkt von der Fondsgesellschaft in Rechnung gestellt werden. Für die Verwaltung von Aktienfonds beispielsweise werden jährlich meistens zwischen ein und drei Prozent berechnet. Das Tückische ist bei den Verwaltungskosten, dass Anleger oftmals gar nicht merken, welche hohen Gebühren ihnen in Rechnung gestellt werden.

Vorsicht: Selbst auf die in der Branche übliche Gesamtkostenquote (TER für Total Expense Ratio) können sich Anleger nicht verlassen. Wenn zum Beispiel ein Fondsmanager durch ständiges Kaufen und Verkaufen von Wertpapieren Kosten für den Fonds (und Zusatzeinnahmen für die Depotbank) produziert, ist davon in der TER nichts zu sehen.

Noch größer wird die Gebühren-Trickserei der Fondsgesellschaften durch die sogenannten Erfolgsprämien oder –gebühren. Sie orientieren sich am Erfolg des Fonds, eine „Performance Fee“ kassiert der Anbieter, wenn sein Produkt eine selbst gewählte Hürde übertroffen hat. Die Fondsgesellschaften rechtfertigen ihre Erfolgsgebühr regelmäßig mit dem Argument, auch der Anleger würde davon profitieren, wenn die Fondsmanager zu höheren Leistungen motiviert werden. Bei einer Überprüfung der Fonds mit Erfolgsgebühr kam Stiftung Warentest allerdings zu einem vernichtenden Urteil: „Einen systematischen Renditevorsprung für Fonds mit Erfolgsgebühr konnten wir nicht feststellen.“ Allerdings stellten die Verbraucherschützer fest, dass die meisten Fondsanbieter den Anlageerfolg durch Tricks so zurechtbiegen, dass sie kräftig abkassieren können.

So messen viele Fonds ihren Erfolg nicht an einem Aktienindex, sondern an einem festen Prozentsatz. Schon das Überschreiten der Null-Prozent-Linie wird dann als Anlageerfolg ausgewiesen. Bei zahlreichen anderen Fonds wird ein Wertpapierindex als Maßstab herangezogen. Nur wenn ein Fonds diese Benchmark übertrifft, ist er erfolgreich. Stiftung Warentest weist allerdings darauf hin, dass selbst dann eine Erfolgsgebühr fällig werden kann, wenn der Fonds ein dickes Minus erwirtschaftete hat. Wenn sich der Vergleichsindex noch schlechter entwickelt hat, kann vom Fondsmanagement ein Erfolg gefeiert werden – und der Anleger wird zur Kasse gebeten. Mit der Wahl einer niedrigen Hürde steigern Fondsgesellschaften ihre Chancen, sie auch zu übertreffen.

Vorsicht: So warnen Verbraucherschützer vor wenig verbreiteten, weitgehend unbekannten Börsenindizes und schwer durchschaubaren Mischungen aus regionalen Aktienindizes, die als Benchmark angesetzt werden. Rechnet man den Ausgabeaufschlag und die Management-Vergütung als Kosten mit in den Investmentertrag ein, schafft es kaum ein Fonds, mehr Ertrag zu erwirtschaften, als ein Direktinvestment in den Vergleichsindex.

Eine nahezu kostenfreie Alternative zu Investmentfonds mit aktivem Management sind die sogenannten Exchange Traded Funds (ETF). Diese Fonds bilden meist einen Index wie zum Beispiel den DAX eins zu eins ab und erfordern somit kein aktives Management. ETFs können ohne Ausgabeaufschlag an der Börse gekauft und verkauft werden, eine jährliche Gebühr kommt selten vor und bewegt sich, wenn es sie gibt, im Bereich unter einem Prozent.

biallo.de

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