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Breite berufliche Palette: Im Bereich der Bildenden Kunst eröffnen sich viele Möglichkeiten.

Breite berufliche Palette: Im Bereich der Bildenden Kunst eröffnen sich viele Möglichkeiten.© iStockphoto.com/ ROMAOSLO

Kunstmarkt

Sprung ins kalte Wasser

Künstler müssen oft erst lernen, sich nach dem Studium auf dem freien Markt zu behaupten.

Hannover. Von der eigenen Kunst zu leben bleibt für viele Künstler ein Wunschtraum. Nur wenige bringen es zu Ruhm und Geld. Die Mehrheit sieht stattdessen einer unsicheren Zukunft entgegen. Reguläre Arbeitsverhältnisse sind die Ausnahme. Wer frisch von der Hochschule kommt, hat es besonders schwer. Den Kampf ums Überleben auf dem freien Kunstmarkt kämpft auch Nicole Weingut: 31 Jahre alt, fünf Jahre Kunststudium an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, Diplom, abgeschlossenes Aufbaustudium zur Meisterschülerin. Seit Oktober ist Weingut auf sich selbst gestellt.

Von ihrer Kunst kann sie (noch) nicht leben. Gern würde sie nebenher als Kuratorin oder Kunstpädagogin arbeiten und später vielleicht promovieren. Derzeit hält sich die gebürtige Nordhessin mit einem 400-Euro-Job und Arbeitslosengeld über Wasser. Dass es schwer werden würde, hat Weingut gewusst. „Natürlich träumt jeder davon, sofort nach dem Studium entdeckt zu werden und groß rauszukommen. Dass das unrealistisch ist, ist mir bewusst.“ Die schlechten Aussichten nimmt Weingut aber wie die meisten Kunststudenten billigend in Kauf. „Ich habe Kunst nicht studiert, um reich zu werden, sondern weil mein Herz dran hängt“, sagt die 31-Jährige.

In der Tat fristen die meisten Künstler ein eher karges Dasein. „Nur fünf Prozent leben allein von ihrer Kunst, und gerade mal zwei Prozent können sehr gut davon leben“, sagt Werner Schaub, Bundesvorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK). Die meisten freien Künstler haben mindestens ein weiteres berufliches Standbein. Viele arbeiten in der kulturellen Bildung. Andere haben vor ihrem Studium eine Ausbildung gemacht und arbeiten nebenher als Tischler, Schneider oder Fotograf oder jobben in artfremden Berufen.

Laut Künstlersozialkasse (KSK) betrug das Durchschnittseinkommen von Berufsanfängern im Bereich Bildende Kunst zum Jahresbeginn nur 11 800 Euro im Jahr. Wer sich durchsetzen will, braucht laut Schaub Hartnäckigkeit und eine große Frustrationstoleranz. „Als Künstler darf man nicht aufgeben, auch wenn Galeristen einen ablehnen“, sagt er. Um sich in der Kunstszene einen Namen zu machen, seien Bewerbungen um Stipendien und Kunstpreise für Berufsanfänger das A und O.

Erste Kontakte zum Kunstmarkt können Studenten schon im Studium knüpfen, indem sie sich und ihre Arbeiten bei den „Rundgängen“ ihrer Hochschulen präsentieren. „Neben den Privatbesuchern kommen dann auch Sammler und Galeristen. Das ist ein Schaulaufen, ein großes Speed-Dating“, sagt Tanja Michalsky, Dekanin der Fakultät Bildende Künste an der Universität der Künste (UdK) Berlin.

Viele Kunsthochschulen haben mittlerweile Career Center eingerichtet, in denen sich angehende Künstler über das Thema Existenzgründung und die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt informieren können. „Der Bedarf ist groß“, sagt Karina Börner vom Career & Transfer Service Center (CTC) der UdK Berlin. „Der Sprung ins kalte Wasser ist schwer. Der Kontakt zum Finanzamt, zur KSK, zu Steuerberatern und Rechtsanwälten will gelernt sein. Die Fakultäten vermitteln vor allem fachliche Kompetenzen“, sagt Börner. In der Tat sind die Akademien eine Art Schonraum, in dem sich die Studenten ohne finanziellen Druck künstlerisch ausprobieren können. Welche Marketingstrategien für sie die richtigen sind, wie sie ihr Honorar ermitteln und Preise kalkulieren, Anträge schreiben und Sponsoren finden oder in die KSK kommen, lernen die Absolventen oft erst in Workshops und Beratungsgesprächen.

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg ist laut Börner die Selbstvermarktung. Eine eigene Homepage, Portfolios, Kataloge und Social Media sind heute Standard. Es gilt zudem, Kontakte zu anderen Künstlern, Galeristen, Kuratoren und Presse zu pflegen. „Kommerzieller Erfolg hängt auch vom Kommunikationstalent ab - je breiter die Vernetzung innerhalb der Branche, desto größer die Chance auf Erfolg“, betont Börner. Gefragt ist vor allem Eigeninitiative. Weingut hat ihre ersten Einblicke in den Ausstellungsalltag schon während des Studiums bei einem 400-Euro-Job im Kunstverein Braunschweig erhalten. Derzeit laufen Bewerbungen für Stipendien. Die eigene Homepage ist in Arbeit, auf YouTube präsentiert sich die Künstlerin in einem Film. Eine Galerie hat sie auch schon gefunden: Schinkel & Sehl in Hannover haben Weinguts Fotoarbeiten und Collagen ausgestellt - eine Arbeit ist bereits verkauft.


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