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Im neuen Job schrauben viele die Erwartungen an sich selbst zu hoch.

Im neuen Job schrauben viele die Erwartungen an sich selbst zu hoch.© www.iStockphoto.com/logoff

Arbeit

Stress im neuen Job

Statistiken zufolge wird in Deutschland jedem fünften Arbeitnehmer in der Probezeit gekündigt. Um dies zu umgehen, müssen die Arbeitnehmer zu Beginn eines neuen Jobs einige Regeln beachten.

Hannover. Das Vorstellungsgespräch lief prima, der Arbeitsvertrag ist schon unterschrieben. Eigentlich könnten jetzt die Sektkorken knallen. Experten warnen jedoch. Denn bevor der neue Job wirklich in trockenen Tüchern ist, gilt es erst noch, die Probezeit zu überstehen. Diese ist entweder im Arbeitsvertrag festgelegt oder mit einem Tarifvertrag geregelt und darf im unbefristeten Arbeitsverhältnis nicht länger als sechs Monate betragen.

Frühzeitige Kündigungen

Dass Neulingen in dieser Zeit gekündigt wird, kommt Statistiken zufolge in Deutschland bei jedem fünften Arbeitsverhältnis vor. „Begründen muss der Chef das nicht“, sagt Claudia Petri-Kramer, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Hannover. Gekündigt werde aber vor allem für häufiges Zuspätkommen, schlechte Arbeitsqualität und fürs Kranksein. Die wenigsten Arbeitnehmer wüssten zudem, dass sie bei Krankheit in den ersten vier Wochen der Probezeit zwar ihren Anspruch auf Krankengeldzahlung bei der gesetzlichen Krankenkasse geltend machen können, jedoch während der Zeit der Krankheit keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung gegenüber dem Arbeitgeber haben, betont die Anwältin.

Darüber hinaus mache es generell einen schlechten Eindruck, wenn man sich in der Probezeit krankmelde. „Schließlich erwartet der Chef, dass sich der neue Mitarbeiter in dieser Zeit bewährt und den positiven Eindruck aus dem Vorstellungsgespräch im Arbeitsalltag bestätigt“, sagt Petri-Kramer. Ein gutes Verhältnis zu den neuen Kollegen sei dabei nicht zu unterschätzen. „Chefs fragen bei ihren Mitarbeitern gern mal nach, wie es sich mit dem Neuen zusammenarbeiten lässt“, sagt Petri-Kramer.

In das Team integrieren

Punkten können frisch Eingestellte am besten, wenn sie selbstständig arbeiten und sich gut ins bestehende Team integrieren. „Als Neuling geht es darum, die Unternehmensstruktur zu checken: Wer hat was zu sagen? Wo bekomme ich Informationen her? Welche internen Regeln gelten?“, sagt Tom Diesbrock, Karrierecoach und Psychologe aus Hamburg. Weil man gerade in den ersten Wochen mit neuen Informationen geradezu befeuert werde, rät er, sich Notizen zu machen. „Und das nicht nur über Kunden und Arbeitsabläufe, sondern auch über Privates, wie etwa den Urlaubsort des Chefs oder die Geburtstage der Mitarbeiter“, sagt Diesbrock. Abends könne man mit den Notizen dann eine Art Manöverkritik betreiben – am besten zu zweit, etwa mit dem Partner oder der Freundin: Was ist mir heute im Betrieb besonders aufgefallen? Worüber bin ich gestolpert? „Je genauer man sein neues Arbeitsumfeld kennt, desto besser“, betont Diesbrock.

Frisch Eingestellten rät er zudem zu einem eher bescheidenen Auftakt: „Nicht zu forsch auftreten, nicht gleich vorpreschen und sich überall einmischen, sondern den Ball erst mal flach halten und ein aufmerksamer Beobachter in der zweiten Reihe sein.“ Kompetenz zu zeigen sei zwar wichtig, aber mit Besserwisserei und Angebertum bugsiere man sich schnell ins Abseits. „Wer schon am ersten Tag seine persönliche Duftmarke setzt, ständig erzählt, wie toll er ist, oder zu viel Kritik raushaut, macht sich schnell Feinde“, sagt Diesbrock.

Die anfängliche Zurückhaltung würde vor allem Hochschulabsolventen oft fehlen, sagt Karriereberater Kurt Schaffner aus Düsseldorf. Wer frisch von der Uni komme, müsse sich darüber im Klaren sein, dass er im Unternehmen zunächst das schwächste Glied in der Kette sei. Schaffner empfiehlt Neulingen daher, auf keinen Fall auf ihren akademischen Titel zu pochen und sich auch mit hochtrabenden theoretischen Fachbegriffen lieber zurückzuhalten. „Wichtig ist es, die Sprache zu sprechen, die auch im Unternehmen gesprochen wird“, betont Schaffner.

„Private Details sollten privat bleiben“

Im Umgang mit den neuen Kollegen warnt er jedoch vor zu viel Vertraulichkeit. „Freundlich sein, offen auf die neuen Kollegen zugehen, aktiv zuhören, Fragen stellen, um Hilfe bitten, auch mal das persönliche Gespräch suchen – all das ist gut und zeigt Teamfähigkeit“, sagt Schaffner. Private Details sollten jedoch privat bleiben. „Schließlich weiß man ja am Anfang noch nicht, wer im Unternehmen mein Freund und wer eventuell der sprichwörtliche Feind mit dem Dolch im Gewande sein könnte.“ Aus internen Lästereien sollte man sich laut Schaffner daher tunlichst heraushalten.

Ein erfolgreicher Einstieg hängt laut Psychologe Diesbrock nicht zuletzt auch von der inneren Einstellung ab. „Wer die Erwartungen an den neuen Job und sich selbst zu hoch schraubt, baut damit nur unnötig Selbstdruck auf. Enttäuschungen sind dann häufig programmiert.“

Katja Eggers


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