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Emotionale Zuwendungen sind für Pflegebedürftige äußerst wichtig.

Emotionale Zuwendungen sind für Pflegebedürftige äußerst wichtig.© iStockphoto.com – Alex Raths

Beruf

Auch sich selber pflegen

Durch die steigende Pflegebedürftigkeit vieler Altenheimbewohner erhöht sich gleichzeitig die Belastung für die Mitarbeiter. Damit diese dadurch keinen Burn-Out erleiden, können verschiedene Tipps helfen.

Hannover. Waschen, anziehen, Essen reichen – und das im Minutentakt. Pflegekräfte stehen täglich unter einem enormen Druck. Die Folge: Nach einigen Berufsjahren leiden nicht wenige unter einem Burn-out. Sie fühlen sich kraftlos und ausgebrannt oder haben sogar Angstzustände. Laut einer Studie der Technischen Universität Berlin unter 600 examinierten Pflegekräften bezeichnete die Hälfte ihre Arbeitsumgebung als schlecht oder mäßig – mehr als jeder Dritte (37 Prozent) ist mit der Arbeit unzufrieden. Fast jeder Dritte (30 Prozent) leidet an emotionaler Erschöpfung. Um auch nach einigen Jahren den Beruf noch gerne auszuüben, müssen Pflegekräfte deshalb besonders achtsam mit sich umgehen.

Die Realität des Berufs bringt meistens Ernüchterung

Menschen, die diesen Beruf ergreifen, sind oft voller Enthusiasmus. Sie wollen sich um andere kümmern und ihnen etwas Gutes tun. Doch die Realität verpasse vielen schnell einen Dämpfer, sagt Rolf Höfert vom Deutschen Pflegeverband (DPV) in Neuwied bei Koblenz. Vor allem der ständige Zeitmangel mache vielen Pflegekräften zu schaffen.

„Für fast alle Tätigkeiten gibt es zeitliche Vorgaben, die sich in einem sehr engen Rahmen bewegen“, sagt Höfert. Gerade für Altenpfleger sei diese Situation frustrierend. „Eine Minute für das An- und Ausziehen der Strümpfe, fünf Minuten, um einen pflegebedürftigen Menschen zu füttern – das bedeutet Stress pur.“ Für emotionale Zuwendungen, liebe Worte oder ein kurzes Gespräch bleibe da häufig kaum Zeit.

Steigende Pflegebedürftigkeit

Auch die immer höher werdende Pflegebedürftigkeit der Altenheimbewohner mache Mitarbeitern zu schaffen. „Noch vor 20 Jahren wurden in den Einrichtungen lediglich 20 Prozent Schwerstpflegebedürftige betreut“, so Höfert. Inzwischen seien es 80 Prozent, schätzt er. Die Situation in Krankenhäusern sei ebenfalls alarmierend. In den vergangenen zehn Jahren sei aus Kostengründen die Zahl der Pfleger immer weiter reduziert worden. Nach Schätzungen des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste fehlen bundesweit schon jetzt rund 30.000 Pflegekräfte.

Da sich die Schattenseiten der Pflegeberufe in der Vergangenheit herumgesprochen haben, leidet die Branche zusätzlich unter einem Imageproblem. Bei Jugendlichen stehe eine Ausbildung in diesem Bereich nicht mehr hoch im Kurs, erklärt Höfert. Auch deshalb fehlten den Einrichtungen Fachkräfte. Eine Entwicklung mit Folgen: Die Mitarbeiter sind überlastet, fühlen sich von der Verantwortung erdrückt und haben Angst, etwas falsch zu machen. „Wer diesem Stress täglich ausgesetzt ist, läuft Gefahr, an einem Burn-out zu erkranken“, sagt Markus Classen, der als Coach für Pflegekräfte arbeitet. Sein Rat: auf Erholungsphasen achten. Wer sich im Job hohen Belastungen aussetzt, neige oft dazu, auch im Privatleben stark engagiert zu sein. Zeit zum Krafttanken bleibe kaum. Dabei seien die Ruhephasen zwischen zwei anstrengenden Schichten besonders wichtig.

Methoden um entspannt zu arbeiten

Anstatt auch noch in der Freizeit ständig für andere da zu sein, sollten gerade Menschen in Pflegeberufen lernen, öfter mal Nein zu sagen. Wer zu Hause zur Ruhe komme, könne den kommenden Tag umso motivierter angehen.

Doch auch die stressige Situation am Arbeitsplatz kann positiv beeinflusst werden. Dabei gelte es, mit den Gegebenheiten anders umzugehen, rät Classen. „Man hat nun mal nur fünf Minuten Zeit, den Patienten zu waschen.“ Statt sich darüber zu ärgern, sollten Pflegekräfte besser überlegen, wie sie ihm die Zeit so angenehm wie möglich machen.

Das berufliche Umfeld lasse sich ebenfalls im Sinne des Angestellten verändern, sagt Jens Geißler, der in Berlin eine Burn-out-Selbsthilfegruppe leitet: „Wenn eine Arbeitszeit von 40 Stunden in der Woche vertraglich festgeschrieben ist, kann einen keiner zu Überstunden zwingen.“

Inzwischen suchten viele Pflegeeinrichtungen händeringend nach Personal. Deshalb können qualifizierte Mitarbeiter auf die Einhaltung ihres Arbeitsvertrages pochen, ohne Angst haben zu müssen, sofort gekündigt zu werden. Während der Arbeitszeit rät Geißler zum sogenannten Mono-Tasking, das heißt eins nach dem anderen. „Wenn ich mich um den Menschen kümmere, dann kümmere ich mich um den Menschen und protokolliere nicht noch nebenbei.“

Geißler ist sich sicher: Wer sich daran halte, könne sich besser auf die Arbeit konzentrieren, vermeide Fehler und habe auch noch Zeit für ein nettes Wort.

Manja Gress


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