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10:00 23.01.2010
Sich gegen die Uni zu entscheiden, muss nicht gleich das Karriereaus bedeuten. Quelle: fotolia
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Es sollte nicht das Ende, es sollte der Anfang sein. Florian Breithaupt aus Berlin studierte mehrere Semester Lehramt, er konnte sich aber nie mit dem Gedanken anfreunden, irgendwann einmal als Lehrer zu arbeiten. Breithaupt orientierte sich während seines Studiums um, machte Praktika im journalistischen Bereich. „Ich bekam schließlich einen Volontariatsplatz angeboten“, sagt Breithaupt. Warum sollte er ablehnen? Breithaupt brach das Studium ab, heute ist er Fernsehredakteur.

Der Studienabbruch ist nicht unbedingt das Ende vom Karriereanfang. Bislang kamen Studien des Hochschulinformationssystems (HIS) in Hannover zu dem Schluss, dass Studenten in der Regel ihr Studium nicht ins Leere abbrechen, sondern erst, wenn sich eine gute Alternative auftut. Das galt zumindest für die alten Diplom- und Magisterstudiengänge. Neuere Erkenntnisse zeigen: „Für die Bachelorstudiengänge gibt es erste Indizien, dass die Alternativen heute nicht mehr ganz so einfach sind. Es gibt aufgrund der veränderten Studienbedingungen kaum mehr die Möglichkeit, mit dem Studienabbruch so lange zu warten, bis man sich Alternativen erarbeitet hat“, sagt Ulrich Heublein von HIS.

Studenten brechen heute früher ab

Die meisten frühzeitig exmatrikulierten Studenten suchen sich Arbeit oder beginnen eine Ausbildung, sagt Ulrich Heublein weiter. Das habe sich aller Voraussicht nach auch durch die neuen Bachelorstudiengänge nicht großartig geändert. Florian Breithaupt kann sich noch genau daran erinnern. Eines Tages packte es ihn, er schmiss alles hin. „Das Studium hat mich einfach nicht mehr angesprochen“, sagt er. Breithaupt beendete es nach sechs Semestern. Das war bei den alten Diplom- und Magisterstudenten generell so: Studenten exmatrikulierten sich relativ spät, wenn sie abbrachen – im Schnitt nach siebeneinhalb Hochschulsemestern. Bachelorstudenten verabschieden sich bereits nach durchschnittlich 2,3 Fachsemestern von der Hochschule.

Die höchsten Abbrecherquoten an den Universitäten gibt es im Bereich der Mathematik und Naturwissenschaften mit 28 Prozent, gefolgt von der Fächergruppe Sprach-, Kulturwissenschaften und Sport mit 27 Prozent. Auch in den Ingenieurwissenschaften sind die Abbruchsquoten mit 25 Prozent hoch.

Warum überhaupt das Studium vorzeitig beenden? Zum ersten Mal liegen mit einer neuen Studie der HIS repräsentative Daten zu Ursachen und Motiven des Studienabbruchs in den Bachelorstudiengängen vor. Drei Motive stehen momentan im Vordergrund: 20 Prozent aller befragten Studienabbrecher geben Leistungsprobleme als Grund für den Studienabbruch an – insgesamt sind 31 Prozent der Studienabbrecher an Überforderung gescheitert. Das bedeutet einen Anstieg von elf Prozent im Vergleich zum Studienjahr 2000. Finanzierungsprobleme führten wiederum für 19 Prozent der Befragten zum Studienabbruch. Ähnlich häufig ist mit 18 Prozent mangelnde Studienmotivation. Viele Studierende haben sich mit falschen Erwartungen immatrikuliert.

Das war auch bei Florian Breithaupt so. Überfordert sei er nicht gewesen, sagt er. Aber das Studium habe einfach nicht seinen Erwartungen entsprochen. Seine Entscheidung bereut er nicht. So wie Breithaupt stehen Studienabbrecher anschließend gar nicht schlecht da. Sie sind nach bisherigen Erkenntnissen in der Regel ein halbes Jahr nach ihrer Exmatrikulation nicht zu einem wesentlich höheren Anteil arbeitslos als Universitätsabsolventen – wenngleich es auch keine genauen Erkenntnisse darüber gibt, wie sich die Karriereverläufe nach mehreren Jahren entwickeln.

Abschluss dennoch bessere Alternative

Das Studium abzuschließen ist dennoch besser. Zwar haben es Til Schweiger, Johannes B. Kerner oder auch Wolfgang Joop ohne Uni-Zertifikat weit gebracht. Noch immer ist eine gute Bildung aber die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosenquote bei Akademikern liegt seit Langem unter fünf Prozent. Gleichwohl zählt die Persönlichkeit immer mehr. So erklären die Autorinnen Christine Öttl und Gitte Härter („Studienabbruch, na und!“), dass in Unternehmen heute keineswegs nur auf Abschlüsse und Noten geschaut werde und sich fachliche Defizite leichter als persönliche ausgleichen lassen. Ein Allheilmittel ist das aber nicht.

Jens Thomas

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