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Arbeiten im Ausland für viele Berufsanfänger oft die einzige Alternative!

Arbeiten im Ausland für viele Berufsanfänger oft die einzige Alternative!

Arbeiten im Ausland

„Mein Land wollte mich nicht“

Deutsche Studenten zieht es nach Holland. Uni-Abschluss verspricht gute Aussichten auf einen Job.

Hoi“, grüßt der schlaksige junge Mann und stellt sein Tablett auf einen Tisch, an dem schon zwei blonde Kommilitoninnen sitzen. „Hallo goeie dag“, grüßen die beiden noch etwas zögerlich in gebrochenem Niederländisch. Der Junge blickt kurz auf und lächelt. Er hat sich offenbar schon daran gewöhnt, dass die Mensa der Universität Nimwegen in letzter Zeit sehr stark von Deutschen besucht wird. An diesem Tag ist es besonders extrem, weil viele niederländische Studenten im Urlaub sind, aber die deutschen Studienanfänger einen Intensivkurs Niederländisch absolvieren.

„Mein Land wollte mich nicht“, sagt Jens von Keitz (18) aus Solingen. Seine Abiturnote war zu schlecht für ein Psychologiestudium, aber nun hat er sich einfach in Nimwegen eingeschrieben. Die einzige Hürde: Er muss erst mal Niederländisch lernen. „Am Anfang wird man schon ziemlich ins kalte Wasser geworfen“, erinnert sich Christopher Rosenthal (22) an seinen Studienbeginn vor zwei Jahren. „Es ist ein gewisser Nervenkitzel hierherzukommen und nichts zu verstehen.“ Aber schon nach dem dreiwöchigen Intensivkurs könne man den Vorlesungen gut folgen.Täglich über die Grenze

Viele der deutschen Studenten in Nimwegen pendeln täglich über die Grenze nach Kalkar oder Kleve am Niederrhein. Nimwegen kooperiert mit der Universität Essen-Duisburg und hat sogar einen Pendelbus dorthin eingerichtet – die Fahrt ins Ruhrgebiet dauert nur eine knappe Stunde. Was Judith Arns von der Beratungsstelle für deutsche Studenten bei einem Besuch in Duisburg allerdings gewundert hat: „Die waren ganz stolz darauf, wie groß ihre Vorlesungssäle sind – ,für 800 Leute‘, haben sie gesagt. Hier sind wir gerade stolz darauf, wie klein die Vorlesungen sind.“ Psychologiestudentin Hannah Nohlen (23) berichtet: „Einmal hatte ich ein Seminar, da kam auf jeden Studenten ein Dozent.“

Die niederländischen Universitäten werben aktiv in Deutschland. Ihr Motiv: Sie bekommen für jeden Studenten 6500 Euro vom niederländischen Staat. Judith Arns betont aber, dass es nicht nur ums Geld gehe: „Die deutschen Studenten stellen eine kulturelle Bereicherung dar und sind auch deshalb willkommen. Sie haben oft einen anderen Blickwinkel, das macht viele Diskussionen interessanter.“

Überall auf dem Campus in Nimwegen liegt zurzeit die neue Ausgabe der Universitätszeitschrift „Vox“ aus, und diesmal ist das Heft ein „Duitsland-Special“ mit der Titelschlagzeile „De Duitsers komen!“. Dazu sieht man ein Gehirn mit einer deutschen Flagge, in dem bestimmte Bereiche mit den Begriffen „gründlicher“, „schneller“ und „besser“ markiert sind. In der Zeitschrift werden die Deutschen den Niederländern als Vorbild in puncto Fleiß und Effizienz empfohlen – und locker seien sie inzwischen auch, so liest man.

Wo ist hier der Haken?

Michael Jäger (25) war mal an der Uni Münster eingeschrieben, aber schon nach zwei Monaten so gefrustet, dass er sich nur noch aufs Partyleben konzentrierte. „Ich saß da in einem Seminar mit 150 Leuten und kannte niemanden. Außerdem war alles unheimlich bürokratisch organisiert.“ Inzwischen studiert er in der niederländischen Stadt Maastricht – so wie 3200 andere Deutsche. Zu ihnen gehörden auch Wiete Eichhorn (23) aus Hennef und Julia Langenohl (20) aus Wuppertal. „Ich dachte am Anfang immer: ,Wo ist hier der Haken?‘ Aber da war keiner“, sagt Wiete. Und die Arbeitsbedingungen sind top: Alle Räume sind mit Laptops und Beamern ausgestattet, „und alles funktioniert – immer“, wie Michael betont. Doch es ist keine Privat-Uni, die Studiengebühren sind niedriger als im benachbarten Nordrhein-Westfalen. Dazu kommen garantierte Auslandsaufenthalte und Seminare mit höchstens 15 Teilnehmern. Wenn man mindestens acht Stunden in der Woche nebenher arbeitet, bekommt man die niederländische Studienfinanzierung, die man nicht zurückzahlen muss.

An der Fachhochschule Fontys in Venlo – 20 Autominuten von Duisburg entfernt – werden manche Studiengänge sogar überwiegend auf Deutsch angeboten. 60 Prozent der etwa 3000 Venloer Studenten sind Deutsche. Die Regierung in Den Haag sieht durchaus einen volkswirtschaftlichen Nutzen – sie erhofft sich qualifizierte Arbeitskräfte für den heimischen Markt: Denn viele Deutsche bleiben anschließend da. Wer an einer niederländischen Fachhochschule studiert hat, bekommt in über 95 Prozent der Fälle in den ersten drei Monaten nach dem Abschluss einen Job.

Aber gibt es denn nicht auch irgendwas, das an den deutschen Unis besser ist? Michael Jäger überlegt kurz. „Doch“, sagt er, „das Partyleben war in Münster besser.“
Von Christoph Driessen


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