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Studium & Beruf Männer gehen immer noch selten in Elternzeit
Mehr Studium & Beruf Männer gehen immer noch selten in Elternzeit
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17:25 25.01.2010
Pionierarbeit gefragt: Die Elternzeit für Väter ist noch immer keine Selbstverständlichkeit in Deutschland. Quelle: ddp

„Viele möchten gerne, trauen sich aber nicht“, vermutet Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg. Tatsächlich werde es in Betrieben oft immer noch nicht allzu gerne gesehen, wenn Väter Elternzeit beantragen. „Vorgesetzte sind häufig hauptsächlich genervt bei dem Gedanken, welchen Organisationsaufwand die Vätermonate für sie mit sich bringen“, sagt Hofert.

„Aller Anfang ist schwer“, sagt auch Eberhard Schäfer, der als Leiter des Väterzentrums Berlin täglich mit Männern zu tun hat, die sich im Spagat zwischen Kind und Karriere üben. Er empfiehlt Vätern jedoch, das Thema Elternzeit offen und mutig anzugehen. „Viele haben schon gedacht, das ginge in ihrem Betrieb auf keinen Fall – und haben dann gestaunt“, berichtet er. Oft breche der Elternzeitpionier in einer Firma das Eis und finde plötzlich viele Nachahmer.

Chef beim Planen helfen

Am besten tastet man sich langsam an das Thema Elternzeit heran. „Man sollte sich Gedanken machen, wie der Betrieb und vor allem der Chef ticken, ob die Stimmung allgemein familien- und väterfreundlich ist“, sagt Eberhard Schäfer. Dazu könne es auch hilfreich sein, mit Kollegen und Führungskräften über Kinder, Familie und Beruf zu sprechen und so deren Haltung herauszufinden.

„Auch für Chefs ist die Situation nicht einfach, wenn einer ihrer Mitarbeiter für mehrere Monate ausfällt“, betont Schäfer. Wenn man den Vorgesetzten von dem Elternzeitantrag unterrichtet, sollte man am besten Ideen parat haben, wie der Ausfall bewältigt werden kann. „Vielleicht kann man schon einen Plan präsentieren, welche Kollegen Teile der eigenen Aufgaben übernehmen könnten“, schlägt Schäfer vor. Svenja Hofert ergänzt: „Möglicherweise kann sich der Arbeitnehmer auch vorab informieren, ob seine Abwesenheit durch einen Zeitarbeiter ausgeglichen werden könnte.“ Eine gute Alternative zum kompletten Ausstieg sei außerdem, nach einer Frist in Teilzeit zurückzukehren.

Nicht immer ernten moderne Väter Verständnis mit ihrem Anliegen. „Manche Vorgesetzte denken immer noch in alten Rollenmustern. Es kommt ihnen gar nicht in den Sinn, dass ein Mann ernsthaft Elternzeit nehmen will“, sagt Eberhard Schäfer. Häufig vermuteten solche Chefs deshalb, dass der Angestellte überfordert sei und „Babyurlaub“ nehmen wolle, um sich auszuruhen. „Dabei nutzen die Väter diese Zeit, um für ihr Kind da zu sein – das hat mit dem Beruf gar nichts zu tun.“ Sei der Vorgesetzte selbst Vater kleiner Kinder, habe man hingegen oft gute Chancen, verstanden zu werden.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor sei aber auch die Haltung, die der Arbeitnehmer selbst zeige. Viele Väter trauten sich nicht, für ihr Anliegen einzustehen, weil sie Nachteile befürchteten. „Wenn ein Mann dagegen selbstbewusst mit dem Thema Elternzeit umgeht und deutlich macht, dass es ihm wichtig ist, gewinnt er Anerkennung“, sagt Schäfer.

Den Anschluss behalten

Um durch die Elternzeit den Anschluss im Job nicht zu verlieren, müssen sich Männer genauso anstrengen wie ihre Kolleginnen. „Wichtig ist, dass man einen möglichst konkreten Plan hat, wie man seinen Wiedereinstieg gestalten möchte“, sagt Karriereexpertin Hofert. Schäfer empfiehlt, während der Vätermonate Kontakt zu Chefs und Kollegen zu halten, um am Ball zu bleiben.

Eine Garantie, dass die Elternzeit im Betrieb nicht nachteilig ausgelegt wird, hat man trotzdem nicht. „Wird man beispielsweise nach Rückkehr aus der Elternzeit degradiert oder von den Kollegen belächelt, ist möglicherweise die Suche nach einem besseren Job sinnvoll“, sagt Eberhard Schäfer. „Der Verzicht auf die Vätermonate bedeutet außerdem keine Jobgarantie“, sagt Hofert.

Maria Hilt

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