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Foto: Kreative Lösungen für den Spagat zwischen Familie und Beruf: Tagesmutter Brigitte Trofenik bietet jungen Eltern an, sich einen Betreuungsplatz zu teilen.

Kreative Lösungen für den Spagat zwischen Familie und Beruf: Tagesmutter Brigitte Trofenik bietet jungen Eltern an, sich einen Betreuungsplatz zu teilen.© Katja Fels

Beruflicher Wiedereinstieg

Kein Kitaplatz und trotzdem arbeiten?

Das Statistische Bundesamt meldete im März 2012, dass 220.000 Kitaplätze fehlen. Eltern müssen kreativ werden. Von Tagespflege, Betriebsplatz, bis Homeoffice: Wer wieder arbeiten will, hat viele Möglichkeiten.

Hannover. Die Zeit der Absagen ist gekommen: Trotz des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige ab August bekommen viele Eltern für ihr Kind keinen Platz. Im März 2012 vermeldete das Statistische Bundesamt die letzten Zahlen: 220.000 Plätze fehlen, um das politische Ziel zu erreichen, für jedes dritte Kleinkind unter drei Jahren ab August einen Betreuungsplatz zur Verfügung zu stellen. Wer trotz rechtzeitiger Kitabewerbung nun ohne Platz dasteht, sollte dennoch nicht verzweifeln. Schließlich haben nicht nur Arbeitnehmer ein Interesse daran, schnell wieder in den Job zurückzukehren.

„Jedes Unternehmen steckt viel Geld in die Ausbildung guter Leute. Das aufzugeben, weil jemand nach einigen Jahren im Unternehmen eine Familie gründet, wäre richtig teuer und daher kaum sinnvoll“, sagt Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Dortmund. Er rät daher Müttern und Vätern ohne Betreuungsplatz, möglichst schnell das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen. Oft gebe es in Unternehmen bereits Möglichkeiten, die Arbeitszeiten zu flexibilisieren, sei es über Homeoffice oder Gleitzeiten. „Es muss natürlich in den Betriebsablauf passen“, betont Ehrich. Aber oft lasse sich der Betrieb auf mehr Wünsche ein, als Eltern zunächst denken.

Häufig können auch Mischlösungen gefunden werden

Tagesmutter Brigitte Trofenik beobachtet die Kreativität von Eltern beim Spagat zwischen Familie und Beruf seit Jahren. In ihrer Gruppe teilen sich mehrere Eltern einen Platz. Auch das kann für junge Eltern eine Möglichkeit sein. „Viele Firmen haben es lieber, wenn Teilzeitkräfte zweieinhalb volle anstatt fünf halbe Tage arbeiten“, sagt sie. Sie bietet deshalb Platz-Sharing für Teilzeitkräfte an. Ein Kind kommt von Montag bis Mittwoch, der Nachwuchs der anderen Eltern Donnerstag und Freitag. Dabei habe es bei den Eltern nie Probleme mit der Abstimmung gegeben. Die Arbeitgeber seien wegen des Mangels an Betreuungsplätzen auch oft verständnisvoll.

Für die Vermittlung eines passenden Tagesvaters oder einer Tagesmutter können sich Eltern an das Jugendamt ihrer Stadt wenden. Öffentlich unterstützte Tagespflege ist neben klassischen Kitaplätzen die zweite Säule zur Erfüllung des Rechtsanspruchs ab August. Trotz des kommunalen Zuschusses für einen Platz bei einer qualifizierten Tagesmutter müssen sich Eltern dabei allerdings auf weitaus höhere Kosten als für einen Kitaplatz einstellen. Auch hier lohnt sich für Eltern ein Gespräch mit dem Chef, sagt Wulf-Christian Ehrich. Übernimmt dieser die Kinderbetreuungskosten, kann er zumindest für nicht schulpflichtige Kinder das Geld steuerfrei auszahlen. So kommt er eventuell günstiger weg, als wenn er eine Gehaltserhöhung gewährt.

Die Zahl der Betriebskitas steigt seit Jahren

Immer mehr Unternehmen engagieren sich sogar noch stärker im Bereich der familienfreundlichen Personalpolitik. Die Zahl der Betriebskitas steigt seit Jahren, im März 2012 lag sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 586. „Bei uns im Krankenhaus machen wir seit 39 Jahren mit unserer Kindertagesstätte die besten Erfahrungen“, sagt Ulrich Mickley, Leiterder Betriebskita der Evangelischen Kliniken Bonn. Die Mitarbeiter hätten das Gefühl, der Arbeitgeber tue etwas für sie und ihre Kinder - und sind in der Folge bereit, viel zurückzugeben.

Dass der Einsatz der Wirtschaft aus der Kitaplatz-Misere helfen kann, hat auch der Bund entdeckt und zwei große Förderprogramme aufgelegt. So können Unternehmen im Rahmen des Programms „Betriebliche Kinderbetreuung“ eine Anschubfinanzierung für bis zu zwei Jahre beantragen, wenn sie zusätzliche betriebliche Kinderbetreuungsplätze einrichten. Das Bundesfamilienministerium unterstützt jeden neu geschaffenen Ganztagsbetreuungsplatz mit 400 Euro im Monat.

Bedingung ist, dass sich der Arbeitgeber selbst mit mindestens 250 Euro monatlich an den Betriebskosten beteiligt. Bei der Anfangsinvestition ist eine Kofinanzierung von Ländern und Kommunen möglich. Dafür stellt seit Februar die KfW-Kreditanstalt zinsgünstige Förderkredite zur Verfügung.

Katja Fels


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