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17:45 25.01.2010

Ob in Fleesensee an der Müritz, im Salzkammergut in Österreich oder auf Bali – viele Niedersachsen machen 2009 wieder Urlaub in einem Ferienclub. In den Resorts von Robinson, Aldiana, Club Med und anderen Reiseanbietern kümmern sich Animateure, Köche und Golflehrer um die Gäste. Der Job in der Sonne ist für viele junge Menschen Sprungbrett ins Berufsleben. Personalchefs und -berater wissen warum: Wer als Animateur gearbeitet hat, ist belastbar und flexibel, kann motivieren, improvisieren und sich durchsetzen – Fähigkeiten, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.

Eine wertvolle Erfahrung

Heiko Janßen arbeitete zwischen 2002 und 2005 als Fachmann für Licht und Musik in den Robinson Clubs in der Schweiz, Türkei und auf Fuerteventura. Danach ging er zum Radiosender ffn, heute ist er als Veranstaltungstechniker beim Staatstheater Hannover. Im Rückblick beschreibt er seine Zeit mit Feriengästen am Pool, auf dem Tennisplatz und auf der Bühne als „eine wertvolle Erfahrung, aus der ich sehr viel mitgenommen habe und die für mich unersetzlich ist“. Heiko Janßen ist kein Einzelfall: Thomas Holtrop, jahrelang Organisator im Club Med, schaffte es bis in die Bel Etage von American Express, T-Online und Thomas Cook. Steffen Weidemann, ebenfalls in jungen Jahren Gästebetreuer im Club Med, machte Karriere bei Hugo Boss, Ogilvy & Mather und Accor Dorint. Heute ist er bei Roland Berger Strategy. Den Job im Club beschreibt er als „Crashkursus in Sprachen“ – rund um die Uhr musste er zwischen Französisch, Italienisch, Deutsch und Englisch springen.

Othmar Gsteu, seit 15 Jahren Animateur, Fitness- und Wellnessexperte im Tourismus, warnt vor allzu großen Illusionen: „In einem Ferienclub zu arbeiten, bedeutet nicht nur Spaß, sondern auch viel, viel Einsatz“. Es sei oft „knüppelhart“ 13 bis 18 Stunden täglich für seine Gäste da zu sein: „Aber man lernt, Dienstleister zu sein.“ Der 39-Jährige ist seit 1998 im berühmten Club Landskron am Ossiacher See in Kärnten und findet, „einen schöneren Arbeitsplatz gibt es nicht.“ Das sei der Grund, warum er Abwerbungsversuchen von TV-Produktions- und Fitnessunternehmen bisher widerstanden habe. Aldiana-Geschäftsführer Bernd Terhuven hat festgestellt, dass viele Personalchefs den Job in einem renommierten Ferienclub im Lebenslauf „mittlerweile als positiven Abschnitt bewerten“.

Die Stärken der Leute erkennen

Chefanimateur Gsteu hat 14 Mitarbeiter: „Die Kunst ist, die Stärken der Leute zu erkennen und richtig auszuspielen.“ „Otti“, wie ihn im ClubLandskron alle nennen, hat in seinen ersten Jahren mit Urlaubern „alles Neue aufgesaugt wie ein Schwamm“, sich dann theoretisches Wissen angelesen und notwendige Zertifikate und Scheine gemacht: „Lust auf Entertainment aber muss man im Blut haben.“

Robinson (24 Clubs) stellt jährlich etwa 500 deutschsprachige Mitarbeiter ein. „Die meisten starten mit der Idee einer kurzen Auszeit, um Berufs- und Lebenserfahrung im Ausland zu sammeln“, sagt Personalleiterin Martina Fuhrmann. Einige bleiben auch im Club, machen Karriere als Küchenchef, Verwaltungs- oder Clubdirektor. Benötigt werden in jeder Saison etwa 100 neue Leute – vor allem für die Bereiche Sport, Entertainment und Kinderbetreuung. Voraussetzungen: mittlere Reife, ein paar Semester Studium oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Club Med (80 Resorts) sucht jährlich sogar bis zu 4000 Leute. Im vergangenen Jahr waren darunter 150 aus Deutschland. „Wir könnten aber 500 brauchen“, konstatiert Eric Georges. Bezahlung: 1472 Euro brutto monatlich. Club-Landskron-Chef Rudi Besiak stellt klar: „Wer Millionär werden will, sollte lieber Investmentbanker werden. Aber wer Spaß haben und Erfahrungen für sein späteres Berufsleben sammeln will, der ist in einem Ferienclub goldrichtig.“

Von Anja Steinbuch

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