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Jovan-Gregor Neumann will mit seinen Schwungtüchern die Kommunikation in Teams nach vorn bringen.

Jovan-Gregor Neumann will mit seinen Schwungtüchern die Kommunikation in Teams nach vorn bringen. © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Arbeit

Wilde Hilde und Schwungtücher: Designer aus Halle

Ja, Absolventen der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle können Spielzeuge auch designen. Aber nicht nur das. Ihr Studiengang ist einzigartig in Deutschland.

Halle. Wilde Hilde überschreibt Lukas Schubert seine Kreation. Im täglichen Leben soll der Rollator Hildegard heißen und alten Menschen, die nicht mehr so mobil sind, Bewegungsmöglichkeiten vermitteln und ihnen auch einen Teil ihrer Koordinationsfähigkeit zurückzugeben.

Schubert ist Masterstudent in der Studienrichtung

Spiel- und Lerndesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, kurz "Burg". Gefüllt hat er den mit einer Art Einkaufsnetz ausgestatteten Rollator mit diversen Gegenständen, mit denen Senioren auch im Sitzen Bewegung üben können: Bälle, einen Läufer zum Ausrollen fürs Golfen, ein Angelspiel mit Magneten, wie es Kinder auch lieben. So kann Oma sogar die Wartezeit beim Arzt spielerisch verbringen.

Um diesen Bewegungsparcours für alte Menschen zu entwickeln, untersuchte der 23-Jährige den Tagesablauf seiner Großmutter. "Alte Menschen haben oft Probleme im täglichen Leben. Hildegard ist ein Angebot, wo man anknüpfen kann, um mit Hilfe des Rollators in Bewegung zu bleiben", sagt der gebürtige Dresdner. Mit Spielen aus der Kindheit soll zugleich das Langzeitgedächtnis angekurbelt werden. Nein, seine Entwicklung sei erstmal der Prototyp. Er sei in Kontakt mit Altenheimen, um die Wilde Hilde in der Praxis zu testen, erzählt der Student.

Während Schubert das Motto der Studienaufgabe "bewegt Euch" auf Senioren übertragen hat, will Jovan-Gregor Neumann aus dem 6. Semester mit seinen Schwungtüchern unter dem Namen "Redeschwung" die Kommunikation in Teams nach vorn bringen. Auf den Tüchern balancieren die Mitspieler Bälle - dazu braucht man Bewegung und Zusammenarbeit.

Knapp 40 junge Frauen und Männer studieren derzeit im Spiel- und Lerndesign, wie Professorin Karin Schmidt-Ruhland sagt: "Seit 50 Jahren gibt es diese Studienrichtung in Halle, aber sie hat sich sehr verändert". Hieß es früher Spielmitteldesign, so lautet das Thema heute Spielen und lebenslanges Lernen.

Die Ausbildung habe sich vom einzelnen Produkt zum Raum entwickelt. Sie sei früher kleinteiliger gewesen. Heute gehe es um Spielobjekte, Spielräume und Spielaktionen, aber etwa auch um die Entwicklung von kreativen Konzepten zum lebenslangen Lernen. Mit diesem Konzept sei die Burg einmalig in Deutschland. Laut Hochschule gibt es an mehreren Einrichtungen Studiengänge für Produkt- und Industriedesign. Eine eigene Studienrichtung für Spiel- und Lerndesign sei in Deutschland jedoch einzigartig.

Deshalb seien Altenheime ebenso Studiengegenstand wie Schulen oder Kitas. Seit 2014 etwa gibt es die Burg-Kita. Sie ist Forschungsfeld für die Burg-Studenten. "Dies ist ein Ort für die Studenten, wo sie hingehen können, um zu beobachten, Probleme zu entdecken und Lösungen zu finden", erläutert Schmidt-Ruhland. Auf dem 2000 Quadratmeter großen Spielplatz gebe es zudem Projektwochen, auch zusammen mit anderen Studienrichtungen der Kunsthochschule.

"Wir bilden hier nicht nach Standard aus, wir bilden Individuen heran", sagt die Professorin, die selbst aus der Lehre im Produktdesign kommt und sich speziell mit seniorengerechter Technik im Haushalt befasst hat.

265 Absolventen hat die zu den renommiertesten Kunsthochschulen Deutschlands gehörende Burg im Spieldesign bisher hervorgebracht. Sie sind laut Schmidt-Ruhland vielfältig tätig, in der Regel bei großen Spielzeugherstellern, aber sie werden auch Trickfilmer oder Illustratoren.

Auch die 26-jährige Bianca Elgas hat von Halle aus ihren Weg in die Welt angetreten. Im Februar 2016 wurde sie mit dem Studium fertig. Nach einem Praktikum während der Ausbildung arbeitet sie nun für den Verein NGO KuKuk Kultur mit Sitz in Stuttgart. Sie plant und baut Spielplätze gemeinsam mit Jugendlichen, etwa in Nigeria, Albanien oder Frankreich.

"In Athen wird gerade die erste Waldorfschule gegründet. Wir gestalten den Spielplatz und das Außengelände", erzählt sie. An ihrem Studium schätzt sie, dass die Selbstständigkeit enorm gefördert wurde. "Wir haben sehr viel eigenverantwortlich gemacht. Die Werkzeuge bekam man an die Hand, aber die Lösungen auch in schwierigen Situation musste man selber finden".

Zu Beginn des Studiums habe die Professorin sinngemäß gesagt, "am Anfang kriegt Ihr einen Rucksack auf, wie ihr ihn füllt, müsst Ihr selbst entscheiden"

dpa


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