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Manchmal droht Ärger: Nicht jeder Verkehrssünder ist mit seinem Strafzettel einverstanden.

Manchmal droht Ärger: Nicht jeder Verkehrssünder ist mit seinem Strafzettel einverstanden.© iStockphoto.com/ fredericscheidemann

Politessen

Die unbeliebten Knöllchenverteiler

Bei ihrer oft anstrengenden Arbeit brauchen Politessen viel Fingerspitzengefühl

Leipzig. Ich mach’ ja auch nur meinen Job“ - diesen Satz hat Birgit Menzler schon oft gesagt. Immer, wenn Parksünder mit dem Knöllchen, das sie ihnen unter den Scheibenwischer geklemmt hat, so gar nicht einverstanden waren. Menzlers Aufgabe ist die sogenannte Überwachung des ruhenden Verkehrs. Als Politesse kontrolliert sie im Auftrag der Stadt Bielefeld unter anderem, dass Autofahrer Halte- und Parkverbote beachten, keine Feuerwehrzufahrten blockieren, Parkzeiten nicht überschreiten und Behindertenparkplätze frei halten. 44 Vergehen gibt es. Wen sie ertappt, dem stellt die Politesse einen Strafzettel aus. Mitunter lässt sie ein Fahrzeug auch mal abschleppen.

Wichtigster Arbeitsgegenstand der 52-Jährigen ist ihr mobiles Datenerfassungsgerät. Damit protokolliert sie, wo der Wagen des Falschparkers steht, welches Kennzeichen er hat und was den Verstoß ausmacht. Das Gerät berechnet das Bußgeld automatisch. Menzler kann damit zudem Beweisfotos machen. Ausgedruckt wird das Ticket über einen mobilen Minidrucker. Nach der Schicht werden die erfassten Daten in der Dienststelle auf den Computer überspielt und zur Bußgeldstelle nach Flensburg geschickt. Büroarbeit fällt für Menzler sonst nur an, wenn Parksünder mit dem Ticket nicht einverstanden sind und die Politesse eine schriftliche Stellungnahme verfassen muss. Schwere Fälle landen vor Gericht. Dann tritt Menzler als Zeugin auf.

Ihr Wissen bekommen die Knöllchenschreiber in internen Schulungen vermittelt. „Es gibt für Politessen keine bundeseinheitliche Berufsausbildung“, sagt Helmut Loris, Leiter des Ordnungsamtes in Leipzig. Neu eingestellte Beschäftigte werden von erfahrenen Kollegen eingearbeitet. Weil Städte und Gemeinden die Ausbildungen ihrer Politessen eigenständig handhaben, können Schulungen vier Wochen oder auch bis zu vier Monate dauern. Zudem variieren die Berufsbezeichnungen. In Leipzig gibt es gemeindliche Vollzugsbedienstete, in Lübeck heißen sie Verkehrsüberwacher. Die männliche Berufsbezeichnung lautet Politeur oder Hilfspolizist - im Einsatz sind jedoch vor allem Frauen. „Viele reizt die Teilzeit. Bei uns sind von 31 Stellen zwei Drittel Halbtagsstellen“, sagt Marc Langenteppe, Pressesprecher der Stadt Lübeck. Das Politessengehalt ist dort an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst angelehnt und liegt für Vollzeitbeschäftigte zwischen 1900 und 2500 Euro brutto. In Bielefeld bekommt Menzler zudem Schichtzulage für die Wochenenden. Die dunkelblaue Dienstkleidung mit der Aufschrift „Außendienst“ bezahlt die Stadt.

Einstellungsvoraussetzungen laut Loris: abgeschlossene Berufsausbildung, Führerschein, gute körperliche Verfassung und ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit. Menzler nickt: „Als Politesse braucht man viel Fingerspitzengefühl.“ Denn Beleidigungen und Beschimpfungen gehören zum Berufsalltag. „Wichtig ist es, immer ruhig zu bleiben und nicht etwa zurückzuschreien, wenn das Gegenüber laut und ausfallend wird“, sagt Menzler. Nach Einbruch der Dunkelheit sind Knöllchenverteiler zur Sicherheit stets zu zweit unterwegs. Menzlers Nachtschicht dauert im Sommer bis 1.30 Uhr.

Körperliche Gewalt hat die Politesse bisher noch nicht erfahren. Ihre Kollegin habe ein renitenter Autofahrer aber schon mal unsanft an der Schulter angefasst und geschüttelt. Ein Kollege hat einen Schlag ins Gesicht bekommen. „Das sind aber Gott sei Dank die Ausnahmen“, sagt Menzler. Den Umgang mit aggressiven Autofahrern lernen Politessen in speziellen Deeskalationstrainings. Brenzlige Situationen werden dabei in Rollenspielen durchgespielt, mit der Videokamera aufgenommen und anschließend analysiert.

Trotzdem arbeiten die meisten Politessen laut Loris gern. „Die Beschäftigten sind sich bewusst, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit des Verkehrs und zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer leisten“, sagt der Amtsleiter. Menzler liebt ihre Arbeit auch deshalb, weil sie als Politesse viel Bewegung an der frischen Luft hat und sehr eigenständig arbeiten kann. Zwar gibt es einen Dienstplan, ihre Routen im jeweiligen Einsatzgebiet plant sie jedoch selbst.

Zu schaffen macht der gelernten Reiseverkehrskauffrau hingegen, dass sie als Politesse bei jedem Wetter auf die Straße muss: „Gerade im Winter bin ich trotz dicken Dienstanoraks oft durchgefroren.“ Ein anderer Job kommt für Menzler dennoch nicht infrage. „Wenn es meine Gesundheit zulässt“, sagt sie, „möchte ich bis zur Rente als Politesse arbeiten.“


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