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17:52 25.01.2010
„Den Kopf eines Tieres zu machen ist für mich die schönste Arbeit“: Ruth Ilka Nüß präpariert im Bremer Übersee-Museum eine Nyala-Antilope. Quelle: David Hecker/ddp
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Zufrieden lächelnd blickt Ruth Ilka Nüß auf die Nyala-Antilope. Über ein halbes Jahr hat sie mit einer aufwendigen Methode an dem im Zoo Hannover gestorbenen Tier gearbeitet. Nüß hat einen seltenen Beruf. Sie ist Präparatorin im Bremer Übersee-Museum. „Den Kopf eines Tieres zu machen ist für mich die schönste Arbeit“, sagt die 47-jährige Bremerin. Mit leicht geneigtem Haupt und glänzenden Augen sieht die Antilope fast wieder lebendig aus. Beim Kopf müsse man das Aussehen so hinbekommen, als wenn das Tier lächele, sagt Nüß.

Etwa 800 bis 1000 Präparatoren, von denen rund 300 in Museen arbeiten, gibt es laut Verband der deutschen Präparatoren in Deutschland. „Im öffentlichen Bereich fehlen die Stellen, in der Privatwirtschaft fehlt den Präparatoren aufgrund des Artenschutzes die Geschäftsgrundlage“, schildert Peter Mildner vom Verband deutscher Präparatoren die Situation des Berufszweiges.

Mehr als „nur Tiere ausstopfen“

Nüß hat sich schon als kleines Mädchen entschieden, beruflich diesen Weg einzuschlagen. „Das war, als ich mit meinen Eltern in Jütland Ferien machte und in einem Museum ein Diorama mit einem Storchennest sah“, sagt sie. Weil ihr Interesse für die Natur und für alles, was sich in ihr bewegte, auch während ihrer Jugendzeit anhielt, machte sie in Deutschlands einziger Präparatorenschule in Bochum ihre Ausbildung.

„Der Tierfilm am Abend gehört für mich noch heute dazu“, sagt Nüß. Zwölf Jahre arbeitete sie zunächst bei einem privaten Präparator. Tausende Trophäen von Füchsen, Mardern und Vögeln präparierte sie dort. „Ich bekam richtig viel Material in die Hand“, sagt Nüß, die aber irgendwann naturnäher arbeiten wollte. Im Berliner Museum für Naturkunde machte sie deshalb ein selbstfinanziertes Praktikum, um sich zu qualifizieren. Seit zehn Jahren nun ist sie im Bremer Übersee-Museum tätig.

„Viele Leute denken, wir stopfen nur Tiere aus“, sagt Nüß. „Tatsächlich ist die Arbeit wesentlich vielseitiger“, sagt sie und zeigt während eines Rundgangs auf die Präparate in den Vitrinen. Sie hat Steine aus Gips, tropische Großfische aus Glasfaserlaminat und Frösche aus Kunstharz geformt. Frösche könne man beispielsweise gar nicht mit der Originalhaut aufbereiten. „Dafür ist sie viel zu schwammig“, erklärt sie. Deshalb müsse man sich immer wieder neue Techniken ausdenken.

Die fertigen Präparate sind hingegen keineswegs ausgedacht. Alles ist der Natur exakt nachgebildet. Für den Nachbau der größten Einzelblüte der Welt, der Rafflesia, die in den Regenwäldern Südostasiens wächst, hat Nüß Dutzende von wissenschaftlichen Büchern gewälzt. Eines war 150 Jahre alt. „Letztendlich musste ich aus den Beschreibungen und den unterschiedlichen Abbildungen einen Kompromiss erarbeiten, um ein genaues und wissenschaftlich korrektes Modell zu bauen“, sagt sie.

Ein Wüstenteufel, ein aus Australien stammendes, rund 15 Zentimeter langes stacheliges und dorniges Reptil, war das erste Tier von Nüß, das vor zehn Jahren in die Ausstellung kam. Sie formte es aus Kunstharz und kolorierte es. Um an die genauen Maße und das Aussehen zu kommen, lieh das Übersee-Museum ein Originaltier aus einem Frankfurter Museum aus. „Aus Australien dürfte man es gar nicht ausführen, es steht unter Schutz“, sagt sie.

Umgekehrte Maßschneiderei

Die Nyala-Antilope wird ihren Platz in naher Zukunft in der Afrika-Abteilung des Übersee-Museums finden. Nüß hat sie nach der sogenannten dermoplastischen Methode aufgearbeitet. Das Tier wurde gehäutet, sein Körper genau vermessen und sein Skelett freigelegt. Mithilfe eines Profilbretts setzte die Präparatorin das Skelett wieder zusammen. So konnte sie die natürliche Haltung und die Proportionen exakt rekonstruieren. Sie formte die Muskeln des Tieres aus Ton nach und stellte dann eine Gipsform her. Diese Negativformen setzte sie wieder zusammen und füllte den Hohlraum mit Hartschaum auf. Danach zog sie der nachgebauten Antilope ihr inzwischen gegerbtes Fell über.

„Wir Präparatoren machen umgekehrte Maßschneiderei“, sagt Nüß und fügt hinzu: „Wir haben die Jacken und machen dazu die passenden Körper.“

Claudia Kuzaj

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