Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Studium & Beruf Die Akte Ich
Mehr Studium & Beruf Die Akte Ich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:49 25.01.2010

Jetzt bereut sie es. Michaela M. bastelte eine Internetseite, auf der sie sich als Unternehmensberaterin ausgab – inklusive Auszeichnungen und Referenzen. Die BWL-Absolventin aus Mannheim wollte ihren Freundinnen beweisen: Einen guten Eindruck machen und sich als erfolgreich zu profilieren, das kann doch jeder. Aber die Freude währte nicht lange, denn M. musste sich bewerben. Sie löschte die Seite zuvor, doch die Daten waren noch bei Google gespeichert und wurde weiterhin angezeigt. Firmen, die sich über Michaela M. informierten, vermuteten eine engagierte Berufsanfängerin, und sie stand als Lügner da. Sie suchte fast ein Jahr einen neuen Job, bis sich eine kleine Firma im Ruhrgebiet fand.

Viele Personaler nutzen das Web

Das Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie Leichtsinn im Internet Bewerbern zum Verhängnis werden kann. Das Problem dabei: Das Internet vergisst nichts. Auch alte, eventuell ungültige Einträge werden in Suchmaschinen noch angezeigt und beschädigen die digitale Identität. Selbst wenn diese gelöscht werden, können sie auf anderen Seiten wieder auftauchen, da sie kopiert wurden. Außerdem kann es verheerend sein, wenn sich Personen in Internetforen, Blogs oder Gästebüchern unter eigenem Namen äußern. Extreme politische Meinungen können zum Hindernis werden, wenn sich Bewerber bei potenziellen Arbeitgebern vorstellen, die ihre Bewerber überprüfen.

Und das tun einige: Laut einer Studie des Bundesverbands der Unternehmensberater (BDU) nutzen 70 Prozent der Personalberater das Internet, um Bewerber für eine eventuelle Weiterempfehlung abzutasten. 26 Prozent gaben dabei an, sich aufgrund eines negativen Resultats gegen einen Kandidaten entschieden zu haben. Hannoversche Unternehmen sehen das unterschiedlich: „Pro Jahr haben wir bis zu 80000 Bewerbungen. Wir sind froh, wenn wir den Ansturm bewältigen können“, erklärt Stephan-Thomas Klose, Sprecher der Rossmann-Gruppe. Man hole keine Informationen im Internet über Bewerber ein, da das zu aufwendig sei. Auch Alexa Hüner, Sprecherin von TUI, betont, man nutze „hauptsächlich den klassischen Weg, um Bewerber kennenzulernen“.

Dabei muss der schlechte Eindruck gar nicht durch den Bewerber selbst entstanden sein, sondern kann durch Verwandte oder Bekannte kommen: etwa durch einen Sportkumpel, der den betrunkenen Bewerber auf Fotos von Vereinsfeiern verlinkt, oder im Fall von absichtlich böswilliger Verleumdung aus Neid oder Rache.

Ein Münchener Unternehmen setzt genau hier zur Gegenwehr an: MyonID bietet „Reputationsmanagement“ an, also die Kontrolle und das positive Beeinflussen des eigenen Rufs im Internet. „Heutzutage muss sich jeder um seinen guten Ruf im Internet kümmern“, warnt Gründer Mario Grobholz. Denn der sei durch frühere unüberlegte Äußerungen, alte Einträge und zufällige Namensgleichheiten in Gefahr. „Besitzen Sie Ihren Namen!“, rät Grobholz. Das Unternehmen bietet eine Suche des eigenen Namens und eine gezielte Überwachung der Fundstellen. Auch Sybille Hauf, Sprecherin des Suchdienstes WebReputation, erklärt, für Firmen Dinge richtigzustellen. „Wir ändern aber nur Falschinformationen, kritische Einträge löschen wir nicht. Wir machen keine Westen sauber: Was wahr ist, muss wahr bleiben.“ MyonID bevorzugt eine Verdrängung negativer Einträge durch Schaffung neuer, die positiv sind. Mittels Suchmaschinenoptimierung soll erreicht werden, dass die positiven, gewünschten Einträge in der Suchmaschinenanzeige ganz vorn stehen. Die Nutzung des Dienstes ist noch kostenlos.

Im Internet ist alles öffentlich

„Schützen Sie den Ruf Ihres Kindes“, wirbt die Firma ReputationDefender. Das scheint beinahe paranoid, ist es jedoch nach Einschätzung von Experten nicht. Die heutigen Schüler- und StudiVZ-Nutzer sind bis zu zehn Jahre im Internet unterwegs, bevor sie ins Berufsleben einsteigen. Wer bis dahin Unerwünschtes produziere, könne das praktisch nicht mehr rückgängig machen, warnen Datenschützer. Aber ist das nicht übertriebene Vorsicht? „Keineswegs“, sagt Axel Kossel vom Computermagazin „c’t“. „Sie müssen bedenken, dass all Ihre Daten in die Hände nicht autorisierter Personen gelangen. Da hilft nur Datensparsamkeit.“ Deshalb gilt: Schreibe nichts ins Netz, was du später bereuen kannst!

Von Sabrina Mazzola

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Oliver Vornberger von der Universität Osnabrück gilt in Niedersachsen als E-Learning-Pionier.

25.01.2010

Mehrere deutsche Hochschulen wollen das aus den USA stammende „Service Learning“ fördern.

25.01.2010

Präparator ist ein seltener Beruf mit besonderen Aufgaben.

25.01.2010