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Didacta Digitales Lernen erhöht das Engagement der Schüler
Mehr Studium & Beruf Didacta Digitales Lernen erhöht das Engagement der Schüler
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16:20 13.02.2018
Im Gespräch: Prof. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes, über Digitalisierung in der Bildung. Quelle: Frank Roesner
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Hannover

Computer, Laptop, iPad, Tablet-­PC und Smart­phone - die fortschreitende Digitalisierung macht vor den Schulen nicht halt. Die Chancen digitaler Lernmedien liegen da, wo ein Mehr an Wissen oder Kommunikation entsteht und Schüler beim selbstständigen Lernen unterstützt werden.

Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf den Bildungsbereich sind ein zentrales Thema der didacta 2018. Wie können Kinder auf eine fortschreitend digitalisierte Welt vorbereitet werden?

Das Bildungssystem befindet sich gerade in einem noch nie da gewesenen Transformationsprozess, der durch den „Digital Turn“ ausgelöst wurde, der aber mehr als nur die Digitalisierung umfasst. Um diesen Transformationsprozess erfolgreich zu bewältigen, müssen Veränderungen auf allen Ebenen des Systems eingeleitet werden: Sie betreffen die theoretische Fundierung des kindlichen Lernens, den methodisch-didaktischen Ansatz, die Architektur des Bildungsverlaufs und nicht zuletzt eine Neudefinition der Bildungsziele und der Grundsätze und Prinzipien pädagogischen Handelns. Wenn Sie so möchten, benötigen wir einen neuen Architekten. Was den „Digital Turn“ betrifft, müssen im Bildungssystem bereits in den Kitas die Voraussetzungen für die Stärkung digitaler Kompetenz geschaffen werden: insbesondere die Einbettung der digitalen Kompetenz als transversale Kompetenz in die Bildungspläne. Die Bereitstellung geeigneter und funktionierender Infrastruktur ist ebenso notwendig wie die Professionalisierung der Fachkräfte und die Entwicklung und Umsetzung geeigneter pädagogisch-didaktischer Konzepte. Technologien allein bedingen keinen Lernfortschritt.

Was sind die Mehrwerte digitalen Lernens?

Zahlreiche aktuelle Studien zeigen, dass der Einsatz neuer Technologien in Lernprozessen zu einer Stärkung der Lernmotivation, zu einem höheren Engagement der Schüler und zu höherer Zufriedenheit führen kann. Zudem stärken sie selbst gesteuertes, kooperatives Lernen, problemlösendes und kreatives Verhalten. Schüler entwickeln komplexe und situationsunabhängige Beziehungen zu anderen Schülern, auch aus anderen Ländern. So entwickeln sie die digitale Kompetenz, die heute als eine der vier Kulturtechniken neben Lesen, Schreiben und Rechnen betrachtet wird. Neuere Konzepte erweitern den Lernraum der Schüler, beispielsweise mittels der Augmented Reality (erweiterte Realität): Bildungsräume und -inhalte, die dem Schüler allein über seine Sinne nicht zugänglich, nicht verfügbar oder nicht sichtbar sind. Sie können in den Bildungsprozess eingebettet werden, um den Lernraum zu erweitern, das Verständnis zu stärken und den Schülern einen breiteren Interaktionsraum zu eröffnen.

Was sind die Risiken und Gefahren?

Risiken entstehen bei einem inkompetenten Umgang mit Technologien, vor allem aber mit dem Internet. Neue Technologien begünstigen einen relativ oberflächlichen Umgang mit dem verfügbaren Wissen, verleiten Schüler zur Preisgabe privater Informationen und selbstverständlich gibt es im Internet Inhalte und Handlungen, die alles andere als geeignet für die Schüler sind. Zu lernen, mit solchen Risiken umzugehen, ist eine höchst pädagogische Aufgabe, die Familien und Bildungsinstitutionen, aber auch die Bildungswirtschaft verpflichtet. Der Didacta Verband hat deshalb in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Frauen und Integration ein Dokument der International Communication Unit ins Deutsche übertragen, das Schülern hilft, Orientierung, Schutz und Sicherheit im Umgang mit dem Internet zu erlangen. Ab Mai 2018 wird es frei zur Verfügung stehen.

Digitale Technologien und Medien im Unterricht allein führen nicht automatisch zu besseren Bildungsergebnissen. Worauf ist besonders zu achten?

Auch hier hat die Forschung bereits Erkenntnisse geliefert, die man in vier Punkten zusammenfassen kann: Erstens, die Bereitstellung einer Breitband-Infrastruktur ermöglicht den schnellen Zugang zu Informationen. Wichtig ist hierbei auch der Support, der garantiert, dass die Technik funktioniert und auf dem neuesten Stand bleibt. Zweitens, die Qualifizierung der Fachkräfte, damit sie ihre Vorbehalte abbauen und ihre eigene digitale Kompetenz stärken können. Sie sollten in der Lage sein, in Kooperation mit anderen Fachkräften, geeignete didaktische Einheiten zu entwickeln. Wie eine neue Studie bestätigt, haben lediglich knapp über 9 Prozent der Fachkräfte eine solche Kooperation bereits initiiert. Drittens, und das ist das Wichtigste, wird ein geeignetes pädagogisch-didaktisches Konzept benötigt, das den sinnvollen Einsatz neuer Technologien erst ermöglicht und rechtfertigt. Und schließlich, viertens, wird die Familie eine zentrale Rolle spielen. Deshalb sind hier neue Formen der Kooperation zu etablieren, auch unter Nutzung der neuen Technologien.

Wie sieht Ihrer Einschätzung nach eine digitale Didaktik aus, die den Ansprüchen an zeitgemäßes Lehren und Lernen gerecht wird?

Im Wesentlichen sieht sie nicht anders aus als die Didaktik, die wir bei analogen Lernangeboten anwenden. Die Didaktik an sich muss neu orientiert werden: Wir benötigen ein didaktisch-pädagogisches Konzept, das Lernen nicht nur als individuellen, sondern primär als sozialen Prozess auslegt, der aktiv vom Kind, den Fachkräften, den Eltern und anderen Erwachsenen gestaltet wird. Wir benötigen ein Konzept, das auf modernen Ansätzen aufbaut, die auch den virtuellen Raum miteinbeziehen und somit den Lernprozess erweitern und neue Perspektiven eröffnen. Es ist ein Konzept erforderlich, das Lernprozesse im Höchstmaß individualisiert und dabei die von den neuen Technologien gegebenen Chancen produktiv und kreativ nutzt, ein Konzept, das auf Interaktionen, Dialog und kooperativen Formen des Lernens aufbaut. All das findet man im neuen didaktisch-pädagogischen Konzept der Ko-Konstruktion, das derzeit eine breite Anwendung erfährt. Zentrale Kategorien dieses Konzeptes sind die Interaktion und der Diskurs. In dialogisch organisierten Gesellschaften, wie dies heute der Fall ist, benötigen wir andere Konzepte und die Ko-Konstruktion bietet die Antwort darauf.

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