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17:39 25.01.2010
Fernstudium mit digitalen Mitteln Quelle: ddp/Patrick Fox

Mathematik- oder Informatikstudenten an der Universität Osnabrück könnten zum Lernen rein theoretisch auch zu Hause bleiben. Dort gibt es die Vorlesungen von Informatikprofessor Oliver Vornberger auch per Podcast im Internet. Er sei einfach „serviceorientiert“, sagt Vornberger und fügt hinzu: „Ich versuche meine Kunden, also die Studenten, glücklich zu machen, indem sie gut studieren können.“

Für sein Engagement erhielt der als niedersächsischer E-Learning-Pionier geltende Vornberger erst kürzlich den mit 50 000 Euro dotierten Ars-legendi-Preis für herausragende Leistungen in der Hochschullehre. Die Einstellung zu seinen Studenten sei jedoch nicht abhängig gewesen von der Entwicklung des Internets, sagt der 58-Jährige. „Ich habe immer die Lehre und die Studierenden in den Mittelpunkt gesetzt. Das ist früher belächelt worden.“

Gleichwohl ist er davon überzeugt, dass seine internetbasierten Vorlesungen inzwischen ein Qualitätsmerkmal für die Lehre an der Osnabrücker Universität darstellen. Die Vorbereitungen auf diese seien zwar aufwendiger geworden, dafür seien sie aber auch besser strukturiert, sagt er.

Zwei Kameras im Hörsaal

Seine Vorlesungen zeichnet Vornberger mit der von ihm entwickelten Software „VirtPresenter“ auf. Im Hörsaal stehen dazu zwei Kameras, die von einem Mitarbeiter im Regieraum gesteuert werden. Anschließend werden die Aufzeichnungen bearbeitet und in ein Dateiformat gebracht, das sich aus dem Internet herunterladen lässt. Die Software vermag auch, Dateien aus einer Power-Point-Präsentation automatisch mit in die Aufzeichnung einzubinden. Gegebenenfalls könne er den „VirtPresenter“ auch ohne fremde Hilfe allein von einem Laptop am Rednerpult bedienen, sagt Vornberger.

Zusätzlich zu den Filmen sind im Internet auch die Skripte der Vorlesungen abrufbar. Das sei ein Zusatzangebot für die Präsenzstudenten, sagt Vornberger, der zugleich auch einen Nachteil der Internetvorlesungen ausmacht. „Durch die kostenfreien Podcasts kommen 30 bis 40 Prozent weniger Studenten in die Hörsäle“, sagt der Informatikprofessor. Das Publikum sei aber wichtig, um eine Vorlesung lebendig zu gestalten.

Einer, der gleichermaßen die Vornberger-Podcasts und die Vorlesungen nutzt, ist Nicolas Neubauer. Speziell um sich auf Klausuren vorzubereiten, greife er auf das Internetangebot zurück, sagt der 22-jährige Mathematik- und Informatikstudent. Da sich die Vorlesung jederzeit nachhören lasse, könne er sich im Hörsaal voll auf den Vortrag konzentrieren, ohne abgelenkt zu werden, weil er sich Notizen machen müsse. Und noch etwas schätzt Neubauer an dem Professor, unabhängig ob original oder virtuell. „Er hat das Talent, Vorlesungen so zu gestalten, dass auch dröger Stoff mit Witz vermittelt wird“, sagt er.

Interesse bei Kollegen wächst

Zwar weist Vornberger alle Ähnlichkeiten mit Showmastern von sich. Dennoch gesteht er ein, dass seine Vorlesungen einen gewissen Unterhaltungswert besitzen, um „die Leute bei der Stange zu halten“. Gleichwohl rangiere „der Informationswert an erster Stelle“, sagt er.

Den weiß auch Klaus Rosenfeld zu schätzen. „Die Podcasts haben mich bei der Vorbereitung für meine Diplom-Arbeit unterstützt“, sagt der Informatiker, der an der Universität Hamburg studiert hat. „Sachverhalte, die ich bereits zuvor in einem Buch gelesen habe, wurden nochmals durch diese andere Art der Präsentation vertieft“, betont er. Auf die Podcasts sei er bei der Recherche im Internet gestoßen. Der unterhaltsame Vortragsstil habe ihn fasziniert.

Professoren aus anderen Fachbereichen würden langsam neugierig, sagt Vornberger. Sie freundeten sich immer mehr mit dem Gedanken an, ebenfalls Podcasts für das Internet zu produzieren. Eine Zusatzqualifikation als Showmaster bräuchten sie nicht, sagt Vornberger lachend. Man müsse sich nur trauen und sich selbst nicht allzu ernst nehmen.

Thomas Wübker /ddp

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