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Angehende Mediziner

Lernen am lebenden Objekt: Im Trainingszentrum STÄPS üben angehende Mediziner an ihren Kommilitonen, wie man Blut abnimmt.© ddp

Medizinstudium

Angehende Mediziner üben an der Uni für die Praxis

Blut abnehmen, Ultraschalluntersuchungen und Anamnese - im neuen Trainingszentrum STÄPS der Uni-Klinik Göttingen bereiten sich angehende Mediziner auf die Praxis vor.

Medizinstudentin Sarah-Lisa Sperling krempelt sich den Ärmel hoch. Dann legt ihr Nils Schweingruber den Stauschlauch an ihrem Oberarm an und desinfiziert die Innenseite vom Ellenbogen. „Nun schnell stechen“, sagt Sperling. „Wenn du langsam stichst, tut es weh“, erklärt sie ihm. Dann fließt das Blut in die Kanüle. Sperling und Schweingruber sind zwei von rund 3800 angehenden Medizinern an der Universität Göttingen. Beide belegen gerade den Kurs für „Medizinische Basisfähigkeiten“.

Und der findet im neu errichteten Studentischen Trainingszentrum für Ärztliche Praxis und Simulation (STÄPS) im Uni-Klinikum statt. Eröffnet wurde das Zentrum, das eines der größten seiner Art in ganz Deutschland ist, im Oktober. „Im STÄPS lernen wir schon im Studium viele praktische Fertigkeiten“, sagt Sperling. „Neben dem Blutabnehmen werden wir erste chirurgische Eingriffe üben.“ Auch Röntgen und Ultraschalluntersuchungen stünden auf dem Plan, sagt die künftige Medizinerin.

Früher praktische Erfahrung sammeln

Die medizinische Lehre in Göttingen sei bereits 2004 reformiert und stärker auf die Praxis ausgerichtet worden, berichtet Oberärztin Anne Simmenroth, die das STÄPS leitet. Das Problem sei früher gewesen, „dass angehende Mediziner erst im praktischen Jahr oder noch später Erfahrungen sammeln konnten“, sagt sie. Allerdings habe sich die reformierte Lehre vor der Eröffnung des STÄPS nur schwer umsetzen lassen: „Uns fehlten die entsprechenden Räume.“

Erst auf Initiative des Studierendenvertreters der medizinischen Fakultät, Christopher Spering, wurde das Trainingszentrum für Ärztliche Praxis und Simulation schließlich gebaut. „Eine moderne Ausbildung in der Medizin muss so realitätsnah wie möglich sein“, sagt Spering, der das Zentrum auch inhaltlich konzipierte. Das beginne im Unterricht und ende mit einer realitätsnahen Prüfung. Neben der theoretischen Lehre werden die Studierenden jetzt auch in den praktischen Kursen geprüft.

Das STÄPS umfasst acht Themenräume unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen. In der Chirurgie gibt es beispielsweise Simulationspuppen mit einer Software, auf der verschiedene Krankheitsbilder gespeichert sind. „Die Bilder stammen von realen Menschen. Durch den Kontakt mit einem Ultraschall- oder Röntgengerät an der Puppe werden sie aktiviert und auf einem Monitor dargestellt“, erläutert Simmenroth. Die Studenten könnten sie dann interpretieren.

Im HNO-Raum wiederum befindet sich ein komplett eingerichteter Untersuchungsstuhl samt Instrumenten für gegenseitige Übungen. In einem weiteren Seminarraum steht moderne Videotechnik zur Verfügung. „Hier können wir Studierende filmen, wenn sie sich gegenseitig untersuchen, und die Aufnahmen besprechen“, sagt Simmenroth.

Neben regulären Kursen ist das sogenannte Peer-Teaching – in diesem Fall also das Unterrichten von Studierenden durch Studierende – ein weiteres Element des STÄPS. Oberärzte schulen hierfür 24 Studierende in fortgeschrittenen Semestern zu Tutoren. „Sie sollen eine festgelegte praktische Fertigkeit, beispielsweise das Interpretieren eines EKG, selber auf hohem Niveau beherrschen und dann an jüngere Studierende weitergeben“, sagt Simmenroth. Das Tutorium „Nähen am Schweinefuß“ beispielsweise beinhalte verschiedene Nahttechniken und die Lokalanästhesie. Außerdem lernen die Studenten die chirurgischen Instrumente kennen, sagt Simmenroth.

Ein ganz wichtiger Aspekt ist aus Simmenroths Sicht eine angstfreie Arbeitsbeziehung zwischen Arzt und Patient. Deshalb werde in Rollenspielen oder mit Patientendarstellern ein Arzt-Patienten-Gespräch simuliert, sagt sie. Dabei werde auch die Übermittlung unangenehmer Botschaften an den Patienten geübt oder die Anamnese, bei der es die Vorgeschichte eines Patienten in Bezug auf seine aktuelle Erkrankung zu ermitteln gilt.

Motivation für die Studenten

„Es ist schon nicht so leicht, einen Patienten zu fragen, ob er raucht“, sagt Sarah-Lisa Sperling über eine soeben durchgespielte Situation. Bei Herzerkrankungen etwa sei die Frage unerlässlich, „aber sie sollte nicht vorwurfsvoll gestellt werden“, sagt sie. Die Rollenspiele findet Sperling jedenfalls „sehr gut“. Und STÄPS-Leiterin Simmenroth ist sich sicher: Die praktische Lehre insgesamt wirke „sehr motivierend“ auf die Studierenden.

www.med.uni-goettingen.de

von Kirsten Schiekiera


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