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Südstadtschule

Eine Familie lebt ohne Plastik

Mia, Martha und Lara, Klasse M5, Südstadtschule

Interview mit Anette Rust am 15.03.2017

Warum lebt ihr eigentlich ohne Plastik?

Anette:

Und zwar war Inger unsere Tochter ein Jahr alt. Da haben wir einen ganz langen Zeitungsartikel in unserer Zeitung gelesen über eine Familie in Österreich, die ohne Plastik gelebt hat. Die hatten einen Film gesehen, wo es um die Auswirkungen von Plastik ging. Über die Stoffe, die Plastik ausdünstet, die dann ins Essen gelangen. Über den Müll, den Plastik verursacht. Und die haben dann dieses Projekt begonnen, plastikfrei zu leben. Ich fand diesen Artikel so toll, dass ich dann zu Eckhardt gesagt habe: „Das finde ich ja spannend.“

Viele haben gesagt, nein, das funktioniert nicht und die haben`s dann probiert. Und da waren wir aber noch nicht so weit. Eckardt sagte: „Ach ne.“Und dann gab es eine Dokumentation im NDR „Experiment Leben ohne Plastik“. Da ging es nämlich um die gesundheitlichen Auswirkungen der Stoffe, die im Plastik sind. Diese Weichmacher, Naphthalate und wie das alles heißt. Man konnte messen im Körper, dass das im Urin nachweisbar war. Nachdem die Familie vier Wochen ohne Plastik gelebt hat, waren diese Werte deutlich reduziert. Das hat uns sehr nachdrücklich beeindruckt.       

Und die Gründe sind: einmal für Eckhardt eher der gesundheitliche Aspekt. Er möchte gerne Lebensmittel essen, die eigentlich nicht belastet sind mit diesen ganzen Stoffen. Wobei auch das schwierig ist. Selbst wenn man Dinge im Glas kauft, können aus dieser Gummierung im Deckel Stoffe austreten. Aber das ist für Eckhardt hauptsächlich der Grund gewesen, diese gesundheitlichen Dinge. Und für mich ist es auch Müll, Müllvermeidung. Also das steht für mich eher noch im Vordergrund als das gesundheitliche.

Wie lange lebt ihr schon ohne Plastik?

Anette: Ja, ich glaube jetzt im August sind das vier Jahre.

Was ist besonders toll, was ist besonders schwer?

Annette:

Also, besonders toll finde ich, dass ich keine Plastiksachen mehr in der Küche habe. Diese ganzen Brotdosen, Tupperdosen, diese ganzen Klickboxen. Alles was es da gab. Plastikteller, Plastikbecher, sowas. Das haben wir ja alles nicht mehr. Und das finde ich schön, weil das Sachen waren, die doch häufig auch mit der Zeit spröde geworden sind. So dass man dann dachte, kommt da jetzt was von ins Essen? Oder das hat dann auch nicht mehr so funktioniert. Diese vielen schönen Alternativen, die wir haben, die teilweise ganz simpel waren.

Was nicht so schön ist, ist einfach, dass es viele Dinge nicht ohne Plastik gibt. Das sind jetzt gar nicht solche Sachen wie der Computer oder das Telefon, oder das Handy oder die Kaffeemaschine, oder bestimmte Küchengeräte, das sind einfach einige Lebensmittel. Wenn man nicht nach Hannover fährt, um in einem Extraladen dafür einzukaufen, kriegt man Kaffee nur in Plastik. Bestimmte Müsli kriegt man nur in Plastik und meistens auch Reis oder Linsen. Es gibt bestimmte Lebensmittel, da ist es ganz schwierig, die in einer anderen Verpackung zu bekommen.

Habt ihr noch Tipps für andere Leute, die auch ohne Plastik leben wollen?

Annette:

Ja, an der Fleischtheke ganz lange rumnerven.Also, wir haben am Anfang ganz viel auf dem Markt eingekauft. Wir bekommen eine Gemüsekiste einmal die Woche. Da haben wir gesagt: „Wir möchten alles ohne Plastik haben.“ Das heißt, wir bekommen das Gemüse unverpackt in einem Karton. Und das finde ich auch völlig in Ordnung, auch wenn der Salat da so drin liegt. Ich wickel ihn dann in ein Tuch und lege ihn in den Kühlschrank.                                                                                  

Auch auf dem Markt kann man alles unverpackt bekommen. Da habe ich einen Käsestand, wo ich mein eigenes Papier mitbringen kann. Da habe ich einen Wurststand, der noch dieses alte Fettpapier hat. Oder der Schlachter, der bei uns im Dorf ist, hat auch dieses Papier noch. Es ist also da auch viel möglich.                                                                                             

Ich finde, in den großen Supermärkten muss man immer fragen, wenn man da an der Bedientheke steht. Damals waren wir die einzigen. Da waren die Verkäuferinnen schrecklich genervt. Aber mittlerweile haben wir mitgekriegt, dass viele Menschen dort sagen: „Nein, ich möchte es gerne in Papier eingepackt haben.“ Und die haben dann da so weißes Pergamentpapier liegen und auch Papiertüten. Und je mehr Menschen das machen und auch einfach fragen und einfach hartnäckig bleiben und sagen: „Ich möchte aber nicht und ich möchte auch nicht diskutieren, warum nun die Verkäuferin meint, das wäre in Plastik besser eingepackt.“ Dann wird sich etwas verändern.                                                               

Ansonsten kann man sehr viel im Internet recherchieren. Es gibt dort ganz viele Seiten, ganz viele Blogs, ganz viele Tipps und Foren, wo Menschen sich austauschen, die ohne Plastik leben. Und da kann man ganz viel gucken. Und diese Familie aus Österreich, von der ich erzählt habe, die Frau hat mittlerweile, glaube ich, sogar einen Orden bekommen, weil sie das auch politisch sehr voran treibt. Das ist Familie Krautwaschel. Die haben das auch mit ihren Kindern durchgezogen. Die haben sogar bis in die Kinderzimmer Plastik entfernt. Das ist bei uns nicht.

 Gibt es vielleicht einen ganz einfachen Tipp für Einsteiger, womit man ganz einfach einsteigen kann?

Annette:

Ja, man kann sich zum Beispiel bei einem Bio-Discounter (Denns) kleine Einkaufsnetze, die man zuziehen kann, besorgen. Damit kann man sehr gut einkaufen gehen, um zum Beispiel das Gemüse aus der Gemüseabteilung hineinzutun, damit es abgewogen werden kann. Ich hab mir am Anfang diese kleinen Beutel selber genäht. Mittlerweile kann man die auch kaufen. Das wäre ein super Tipp für Einsteiger, weil man dann in der Gemüseabteilung diese ganzen kleinen, dünnen Tütchen, die man da umsonst kriegt überhaupt nicht mehr benutzt. Und immer seinen Beutel oder Korb zum Einkaufen mitnehmen. Das ist mein Einsteiger-Tipp, damit kann man schon ganz viel vermeiden.  

Dürfen wir jetzt ein paar Dinge sehen, die du statt Plastik benutzt?

Annette:

Ja, also zum Beispiel kann ich das ja auch noch kurz erzählen, weil viele sagen: „Oh, wie ist denn das? Ist das nicht besonders teuer, weil man dann doch nicht beim Discounter einkaufen kann? Man muss viel frisch kaufen, beim Fleischer kaufen oder so.“ Also, es ist schon so, da wir zum Beispiel nicht mehr diese abgepackten Wurstsachen kaufen oder Käse, werfen wir weniger weg. Das ist schon so. Also wir haben dann natürlich auch nicht mehr vier oder fünf verschiedene Sorten gleichzeitig offen. Wir kaufen eben dann sehr gezielt kleinere Mengen und die werden dann auch immer aufgegessen.                  

Diese ganzen Aufbewahrungssachen da kann man zum Beispiel eben auch auf Schraubgläser zurückgreifen. Ich hab am Anfang ganz viel von großen Gemüseschraubgläsern aufgehoben. Da tue ich dann zum Beispiel auch Essensreste rein, die ich dann in den Kühlschrank stelle. Das sind dann so Sachen, die kosten gar nicht unbedingt etwas. Vieles habe ich auf dem Flohmarkt gekauft oder bei so Haushaltsauflöseladen, wo das dann wenig kostet.Das ist ein bisschen so, wie bei Uroma in der Küche.


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