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Versicherer müssen bei extremen Kursschwankungen Berichte zu ihrer Finanzlage veröffentlichen.

Versicherer müssen bei extremen Kursschwankungen Berichte zu ihrer Finanzlage veröffentlichen. © Oliver Berg/dpa

Verbraucher

Versicherer überschütten Kunden und Anleger mit Infos

Europas Versicherer müssen die Öffentlichkeit erstmals darüber informieren, wie gut sie für Krisen gerüstet sind. Die ersten Berichte liegen jetzt vor - mit eher durchwachsener Resonanz.

München. Schwere Kost für Versicherungskunden: Nachdem die ersten Unternehmen ihre Berichte zur Finanzlage und Krisenfestigkeit vorgelegt haben, sehen Verbraucherschützer in den Veröffentlichungen bisher relativ wenig Gewinn für Kunden.

"Der direkte Nutzen ist nicht sehr groß", sagte Versicherungsexperte Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Europas Versicherer müssen die Öffentlichkeit erstmals darüber informieren, ob sie Extremereignissen wie massiven Kursturbulenzen an den Kapitalmärkten oder dramatischen Naturkatastrophen gewachsen sind. Bis spätestens zum 22. Mai müssen die sogenannten Solvenzberichte im Internet veröffentlicht werden.

Die ersten Unternehmen legten schon vor dem Wochenende umfangreiches Material vor. Die Huk-Coburg etwa legte für jede ihrer Töchter mehr als 100 Seiten vor. Ähnlich umfassend war das Werk der Ergo Leben. Die LVM Lebensversicherungs-AG kam mit 61 Seiten aus.

Die Veröffentlichungen sollen Aufsichtsbehörden, Maklern, Aktionären und Verbrauchern einen besseren Einblick in die Finanzlage und die Widerstandskraft der Unternehmen geben. "Selbst wenn ich mich als Verbraucher interessiere, müsste ich für einen Vergleich mehrere Berichte lesen", meinte Grieble. Das dürften die wenigsten machen.

Ein zentraler Punkt sind die sogenannten Solvenzquoten. Sie geben Aufschluss darüber, wie ein Versicherer extreme Ereignisse verkraften würde, wie sie statistisch gesehen nur alle 200 Jahre zu erwarten sind. Eine Quote von unter 100 Prozent gilt als kritisch.

Allerdings gibt es unterschiedliche Berechnungsgrundlagen - darunter Übergangsregeln, die die Unternehmen noch bis zum Jahr 2031 anwenden dürfen. Ein Vergleich ist daher schwierig. "Verbraucher sollten sich nicht ausschließlich auf eine Zahl stützen", empfahl Grieble.

So lagen die zum Munich-Re-Konzern gehörenden Versicherer Ergo Leben und Victoria Leben Ende 2016 einschließlich Übergangsmaßnahmen um ein Vielfaches über der kritischen Marke. Die Ergo Leben kam auf 328 Prozent, die Victoria sogar auf 683 Prozent. Ohne Übergangsregeln hätte die Ergo Leben 100 Prozent erreicht. Die Huk Leben kam auf 282 Prozent, ohne die mildernden Vorschriften läge sie bei 109 Prozent.

"Die Fachöffentlichkeit kann durchaus mit den Berichten arbeiten", sagte Henning Kühl, Chefversicherungsmathematiker Policen-Direkt-Gruppe, die bestehende Policen ankauft. In Einzelfällen könne man sogar erkennen, dass die Unternehmen eine breitere Öffentlichkeit erreichen wollten.

Allein in Deutschland müssen rund 350 Assekuranzen, die unter die strengeren europäischen Regeln (

"Solvency II") fallen, entsprechende Informationen veröffentlichen. Die Branche kritisiert den aus ihrer Sicht hohen Aufwand, der mit der Erstellung der künftig jährlichen Berichte verbunden sei.

dpa


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