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Wer sein Testament eigenhändig schreibt und unterschreibt, muss auch in der Lage sein, das Geschriebene zu prüfen. Eine Augenkrankheit kann dies unter Umständen verhindern.

Wer sein Testament eigenhändig schreibt und unterschreibt, muss auch in der Lage sein, das Geschriebene zu prüfen. Eine Augenkrankheit kann dies unter Umständen verhindern. © Jens Büttner/dpa/Symbolbild

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Sehschwäche macht Testament nicht immer nichtig

Ein Testament, dass trotz Augenkrankheit selbstständig geschrieben, unterschrieben und überprüft wird, ist gültig. Dabei dürfen auch Hilfsmittel wie eine Lupe eingesetzt werden. Dies zeigt ein aktueller Rechtsstreit.

Neuss. Jeder kann sein Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten. Er muss aber in der Lage sein, selbstständig zu schreiben und das Geschriebene zu überprüfen. Hinreichend ist dabei, wenn er dies mittels Hilfsmitteln bewerkstelligen kann.

In einem Fall am Amtsgericht Neuss hat die Erblasserin mehrere eigenhändig geschriebene und unterschriebene Testamente errichtet. Hierin setzte sie eine entferntere Verwandte zu ihrer Erbin ein. Gleichwohl hielt sich eine nähere Verwandte für die gesetzliche Erbin. Sie wandte ein, dass die Erblasserin aufgrund einer Augenkrankheit zum Errichtungszeitpunkt der Testamente nicht in der Lage gewesen sei, selbst Geschriebenes lesen zu können. Daher hielt sie die Testamente für unwirksam.

Vor Gericht musste daher die Reichweite der Sehfähigkeit der Verstorbenen geprüft werden. Zeugen berichteten, dass ihr ihre Sehschwäche durchaus bewusst gewesen ist. So sei sie in der Lage gewesen, mit einer Lupe große Schrift zu lesen. Sie habe offen über die Schwierigkeiten der Testamentserrichtung vor dem Hintergrund der Einschränkung ihrer Sehkraft gesprochen.

Schließlich habe sie einen dicken Filzschreiber zur Hilfe genommen. Nach Ansicht der Richter zeigt auch die Tatsache, dass sie falsche Wörter in den Testamenten sehr akkurat durchgestrichen habe, dass sie in der Lage war, den Text Korrektur zu lesen. Die Testamente wurden daher für gültig befunden (Az.: 132 VI 46/16). Über den Fall hat die

Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins berichtet.

dpa


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