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Familie Zu viele Regeln bringen Stress und Unruhe
Mehr Familie Zu viele Regeln bringen Stress und Unruhe
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07:30 07.03.2013
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Hamburg/Berlin

"Es ist wichtig, dass Regeln dem Kind klargemacht werden", betont der Hamburger Erziehungsexperte und Autor Jan-Uwe Rogge.

Je jünger ein Kind sei, desto häufiger müsse es daran erinnert werden. Bestimmte Regeln sollten immer wieder formuliert werden und nicht erst, wenn sie überschritten wurden, rät er. So könne bereits vorm Einkaufen im Supermarkt das Kind erinnert werden: "Wir haben abgemacht, dass du an meiner Hand bleibst."

Der Experte empfiehlt, bei jüngeren Kindern nur zwei bis drei Regeln aufzustellen, die für den Tagesablauf wichtig sind. "Sonst kommen die Kinder durcheinander." Die Berliner Erziehungswissenschaftlerin und Elterntrainerin Christine Falk-Frühbrodt weist darauf hin, dass zu viele Regeln auf beiden Seiten unnötigen Stress erzeugen, bei den Eltern, die sie überwachen müssen, und bei den Kindern, weil die Wahrscheinlichkeit von Verstößen und Strafen steigt.

Zettel zur Erinnerung

Bricht ein Kind Regeln, sollten Eltern dahinter nicht gleich Absicht oder bösen Willen vermuten, sondern stets ein positives Bild vom Tun des Kindes haben. Um vergessliche Kinder daran zu erinnern, könnten Regeln schriftlich formuliert werden und auf Zetteln an allen zugänglichen Orten hängen. Denn: "Gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht umgesetzt und umgesetzt ist nicht behalten", betont Rogge. Wenn ein schusseliges Grundschulkind abends zum Beispiel ans Zähneputzen denken soll, könne das Bild einer Zahnbürste an gut sichtbarer Stelle hilfreich sein, sagt Falk-Frühbrodt. Durch Bilder oder Schrift visualisierte Regeln hätten eine höhere Verbindlichkeit, weil sie besser in Erinnerung gerufen werden. "Wird eine gemeinsam gefundene Regel zudem nicht nur aufgeschrieben, sondern von allen Beteiligten unterschrieben, so gewinnt sie an Bedeutung und Zugkraft", stellt die Pädagogin klar.

Feste Abmachungen gehörten außerdem immer mal wieder auf den Prüfstand. Häufige Überschreitungen könnten auch ein Zeichen dafür sein, dass die Regel nicht mehr altersgemäß ist, gibt Rogge zu bedenken. Außerdem falle es Kindern leichter, eine Regel zu befolgen, wenn sie aktiv mit eingebunden sind. "Kommt ein Kind nach dem Gute-Nacht-Ritual zum Beispiel immer wieder aus dem Zimmer, können Eltern vereinbaren, dass es noch 15 Minuten das Licht anlassen und es dann selbst ausmachen darf", rät der Erziehungsexperte.

Nach Ursachen für Verstöße forschen

Regelverstöße seien immer eine Botschaft an die Eltern, zu schauen was dahinter steckt. Statt ein Kind dafür zu bestrafen, sollten Erwachsene ihm behilflich dabei sein, die Abmachung einzuhalten, und nach den Ursachen suchen: Will der Sprössling zum Beispiel mehr Aufmerksamkeit? Ist die Regel unsinnig und muss sie durch eine bessere ersetzt werden? Oder: Ist ein Machtkampf im Gange? "Kinder, die alle möglichen Regeln brechen, wollen sich mit ihrem Verhalten eine Extraportion Aufmerksamkeit sichern", erläutert die Erziehungswissenschaftlerin. In dem Fall täten Eltern gut daran, dem Sprössling freiwillig positive Aufmerksamkeit zu schenken.

Eine sinnvolle Idee ist der Expertin zufolge mitunter, Kinder aus den Folgen ihres Verhaltens lernen zu lassen. Zum Beispiel: Wer seinen Spielkameraden beißt, muss eine Weile allein spielen. Wer seine schmutzige Wäsche nicht in den Wäschekorb legt, bekommt sie nicht gewaschen. "Logische Folgen sind sinnvoll, weil Kinder dadurch erfahren können, was ihr eigenes Verhalten bewirkt", sagt Falk-Frühbrodt. Wichtig sei aber, die Konsequenz unaufgeregt folgen zu lassen, ohne den Zeigefinger zu erheben oder boshaft zu wirken. Logische Folgen können als Strafe empfunden werden und unter Umständen einen Machtkampf auslösen, wenn Erwachsene durch Mimik, Tonfall und Worte eine Drohung ausdrücken.

Rogge rät, bei Regelverstößen mit logischen Konsequenzen eher sparsam umzugehen. "Logische Folgen sind nicht unbedingt die Zauberformel und unwirksam, wenn ein Kind tiefere Beweggründe für sein Verhalten hat. Bei Kindern unter vier Jahren sollten Eltern auf logische Konsequenzen verzichten, weil das logische Denken bei den Kleinen noch nicht entwickelt ist", betont der Experte.

dapd

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