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Die Zeit danach Wenn die Worte fehlen ...
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17:00 02.04.2015
Beim Ausdrucksmalen kann jeder den Bogen Papier so gestalten, wie er möchte. Quelle: Brinckmeier

Wenn die Worte fehlen, kann es helfen, seine Gefühle in einem Bild auszudrücken. „Man merkt anhand dessen, was man produziert hat, in welcher Stimmung man ist“, sagt Bärbel Froriep. Die 67-Jährige hat ihren Mann verloren und besucht nun schon den zweiten Kursus für das Ausdrucksmalen im Evangelischen Jugendzentrum in Linden-Mitte. Dort kann sie mit Gleichgesinnten ihre Trauer verarbeiten und ihre Gefühle aufs Papier bringen. „Oft gehe ich danach leichter wieder weg, als ich gekommen bin“, sagt Bärbel Froriep.

Seit 2011 bietet der Stadtverband Hannover des Diakonischen Werks in Zusammenarbeit mit der Religionspädagogin und Ausdrucksmalleiterin Dorothea Brinckmeier diese spezielle Art des Malens an. Dabei steht jeder der maximal acht Teilnehmer vor einem großen Blatt Papier und malt ohne jegliche Vorgabe. Es gehe beim Ausdrucksmalen nicht darum, ob ein Bild schön oder hässlich sei, sagt Brinckmeier. Vielmehr stehe der Prozess des Malens selbst im Vordergrund. Ziel sei es, sich selbst zuzuhören.

Sich nicht aufgeben

Viele Teilnehmer spürten erst, wenn sie etwas auf Papier brächten, welche Wertschätzung sie sich entgegenbringen. „Dabei geht es nicht nur um das Sterben und Trauern“, betont die Malleiterin. „Es geht auch um Fragen des Weiterlebens und darum, sich auf der Spur zu bleiben.“

Hedda Beißner, Sozialpädagogin beim Diakonischen Werk, ist eine erfahrene Trauerbegleiterin. Sie hat gemeinsam mit Brinckmeier die Kurse im Ausdrucksmalen für Trauernde ins Leben gerufen. Es gebe viele trauernde Menschen, die alleine nicht zurechtkämen und professionelle Unterstützung benötigten, sagt Beißner. Da die Trauer den Menschen in seiner Ganzheit erfasse, biete das Ausdrucksmalen eine Möglichkeit, ihn neben der sprachlichen auch auf der kreativen und körperlichen Ebene anzusprechen.

Die Bilder, die beim Ausdrucksmalen entstehen, sind denn auch so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Abstrakt und figürlich, dunkel und hell, schwarz-weiß und bunt. „Alles, was ist, ist in Ordnung“, betont Brinckmeier. Im Gesprächskreis vor und nach dem Malen könne dann jeder über seine Gefühle sprechen.

„Ich fühle mich in der liebevollen Atmosphäre geborgen“, sagt Bärbel Froriep. Anfangs habe sie nur mit dunklen Farben gemalt. „Inzwischen traue ich mich auch an hellere Farben heran“, sagt sie.

Die Teilnahme an einem Schnuppernachmittag sowie acht Malnachmittagen kostet 150 Euro (mit Material). Auskünfte gibt Hedda Beißner unter Telefon (05 11) 36 87–1 19.