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Gezielte Förderung: Wo sie in inklusiven Schulen gelingt, bringt sie Jungen und Mädchen mit Handicap voran.

Gezielte Förderung: Wo sie in inklusiven Schulen gelingt, bringt sie Jungen und Mädchen mit Handicap voran.© Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen

Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen

Jede Menge Luft nach oben

Der Paritätische Wohlfahrtsverband niedersachsen will Inklusion als Prozess vorantreiben.

Hannover. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen e. V. und die Lebenshilfe Landesverband Niedersachsen e. V. begrüßen die Anstrengungen des Landes zur schulischen Inklusion. „Das geht im Grundsatz in die richtige Richtung“, sagt Birgit Eckhardt, Vorsitzende des Paritätischen Landesverbands. „Aber die Qualität stimmt noch lange nicht.“ Holger Stolz, Geschäftsführer der Lebenshilfe, ergänzt: „Da ist noch jede Menge Luft nach oben.“

Zahlen bei den Erstklässlern kaum gestiegen

Nach den aktuelle Zahlen ist die Inklusionsquote seit 2013 von 44,9 auf 61,4 Prozent angestiegen. Das heißt: Drei von fünf Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf der Klassenstufen eins bis acht besuchen eine allgemeinbildende inklusive Schule. Die anderen Kinder gehen weiterhin zur Förderschule. Allerdings: „Die Zahlen bei den Erstklässlern sind kaum gestiegen“, sagt Birgit Eckhardt. „Und dieser leichte Anstieg lässt sich dadurch erklären, dass das Land die Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen nach und nach abschafft.“

In der Statistik nicht vermerkt hat das Land die Quote von Förderschülern in den Klassen zwei bis vier – dort ist die Quote aber schon immer am höchsten gewesen. So auch in der Statistik zum laufenden Schuljahr: Mit 58,2 Prozent in der zweiten Klasse, 73,6 in der dritten und 76,4 in der vierten Klasse treiben diese Jahrgänge die Gesamtquote nach oben. Nach dem Übergang in die Sekundarstufe sinken die Zahlen wieder deutlich. „Dann besuchen die Kinder eben später die Förderschule“, sagt Stolz. „Das spricht nicht gerade für den Erfolg der inklusiven Schule.“

Individuelle Förderung kommt noch zu kurz

In absoluten Zahlen besuchen heute annähernd noch genauso viele Kinder eine Förderschule wie vor vier Jahren. „Viele Eltern überlegen sehr genau, ob sie ihre Kinder angesichts der Rahmenbedingungen auf eine Regelschule geben“, sagt Stolz. „Sie finden, ihre Kinder sind auf einer Förderschule besser aufgehoben.“

Birgit Eckhardt sieht das ähnlich: „Die Förderung kommt in den inklusiven Schulen einfach zu kurz. Das Stundenkontingent für Sonderpädagogen ist nach wie vor viel zu klein, die Jungen und Mädchen werden oft nur betreut, nicht gefördert. Und manchmal nicht mal das.“

Inklusion als Prozess vorantreiben

Eine der zentralen Forderungen des Paritätischen Niedersachsen und der Lebenshilfe Niedersachsen lautet: Inklusion in allen Bereichen umsetzen. „Die Politik ist in der Vergangenheit schon einige wichtige Schritte in die richtige Richtung gegangen, jetzt dürfen wir nicht stehen bleiben“, sagt Birgit Eckhardt, „Inklusion ist ein fortlaufender Prozess, in den die Gesellschaft einbezogen werden muss. Eine Pause darf es nicht geben.“ Zur Fortführung dieses Prozesses bedarf es finanzieller Unterstützung und ausreichender sachlicher sowie personeller Ausstattung. Inklusion in den Kitas und Schulen sind wesentliche Grundpfeiler für eine umfängliche Teilhabe in allen Lebensbereichen, denn Inklusion muss von klein auf und in allen Bereichen (vor)gelebt werden.


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