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Erlebnissommer Hey, kommst du gleich zu uns rein?
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15:16 04.05.2018
Von Sigrid Krings
Lächeln bitte: „Ist der nicht gefährlich?“, fragt Sigrid Krings etwas zaghaft. Es gelingt ihr ganz gut, sich gemeinsam mit Baghira zu entspannen. Quelle: Ruben Liedtke
Eschede

Sie sind ja so unglaublich süß.Wie sie da so stehen und gucken. Dann wieder geschäftig an ihren Sandhöhlen bauen. Buddeln, rennen. Und wieder stehen und gucken. Stundenlang könnte ich die Erdmännchen beobachten. Üblicherweise ist die Zeit immer zu knapp. Doch heute? Heute kann ich gucken, solange ich möchte. Na ja, nicht ganz. Aber so lange, bis der Filmtierpark und Zoo Eschede seine Türen abschließen möchte und mich Geschäftsführer Ruben Liedtke, mit dem ich bei den Erdmännchen stehe, mit einem netten Lächeln hinausbittet. Oder sogar der Zoodirektor selbst, Joe Bodemann. Heute darf ich sogar noch mehr: Die vier munteren Gesellen Lilly, Timon, Peter und Paul ahnen, was kommt. Neugierig strecken sie mir ihre schwarzen spitzen Näschen entgegen. Sie scheinen sagen zu wollen: Hey du, kommst du gleich zu uns rein? Und bringst du uns auch was mit? Ja, na klar! Deswegen bin ich doch hier und habe mich schon den ganzen Tag darauf gefreut: Ich habe beim Filmtierpark eine Privataudienz mit den vier niedlichen Tierchen gebucht. Schon vielfach hatte ich geüberlesen, dass es so etwas gibt. Ganz private Treffen mit vielen unterschiedlichen Tierarten. Und vor allem: Nicht nur mit den großen, spektakulären Tieren wie Tiger und Co. Auch mit Erdmännchen, meinen Lieblingstieren. Jetzt ist es also so weit. „Wenn wir gleich reingehen: Bitte die Beine beim Sitzen zusammenhalten und die Hände auf dem Schoß zu einer Schale formen“, weist der Geschäftsführer mich freundlich an. Er, gelernter Bürokaufmann, ist viel selbst im Zoo unterwegs und beschäftigt sich eigentlich lieber mit den Tieren als mit der Bürokratie. Seit Gründung des Parks vor 15 Jahren ist er dabei, mit ganzem Herzblut. Aber die Verwaltung muss halt auch sein, sonst hätte der Filmtierpark zum Beispiel nicht kürzlich die Anerkennung als Zoo bekommen, ein wichtiger Schritt. „Jetzt können wir den Tiere größere Gehege bauen“, erklärt er mir.

Knackige Mehlwürmer sind eine Delikatesse

Durch die kühlen Hinterräume geht es zur Tür, die zu Lilly und ihren Kumpels hineinführt. Liedtke schnappt sich eine sandfarbene Decke, die am Haken hängt, und ein Mitarbeiter füllt eine Metallschüssel mit Mehlwürmern. Nicht meine Leibspeise – aber das ist ja schließlich Geschmackssache. Erdmännchen lieben die knackigen Würmchen als leckeren Snack. Während wir uns noch vorbereiten, kratzt und schabt es an der Tür. Wir werden hörbar erwartet. Mit einem „ks ks ks“ öffnet Ruben Liedtke die Tür und schiebt sich breit in Richtung Sandberg, damit keiner durch die offene Tür entw ischt. Auf dem Berg platziert er die Decke und ich darf mich daraufsetzen. Beine zusammen, ein Griff in die Metallschüssel und schon habe ich alle vier Kerlchen auf und unter mir. Lilly hat das Sagen, sie ist die Chefin des kleinen Familienclans. Sie sitzt oben an der Schüssel, die anderen dürfen unten die Reste zusammenschaben, die sie herunterfallen lässt. Sie knuspern und rascheln, es ist ein Riesenvergnügen. Wie weich ihr Fell ist! Wie schön ist es, mitten zwischen ihnen zu sitzen!

Und dann: Joe Bodemann, seit Jahrzehnten bekannter Tiertrainer für Film- und Fotoaufnahmen, schlägt mir etwas vor. Der junge schwarze Panther Baghira könnte mit mir auf dem gelben Sofa posieren. Ups. „Ist der nicht gefährlich?“, frage ich etwas zurückhaltend. „Nein, Baghira kann das, der ist ganz lieb. Nur nicht am Kopf streicheln, das mag er nicht“, beruhigt mich Bodemann. Also: Raus bei den Erdmännchen, auf bald! Und auf zu Baghira.

Joe Bodemann hält die Leine fest in der Hand

Der wartet schon. Ganz schön groß, finde ich. Er trägt ein Halsband, die Leine hält Bodemann fest in der Hand. Ich setze mich mutig aufs Sofa. Und schon springt auch Baghira hinauf. Innerlich halte ich den Atem an. Ein Biss an der richtigen Stelle – und das war es dann, geht mir durch den Kopf. Aber ich vertraue den Experten. Die wissen ja, was sie tun. Der schwarze Panther dreht sich weg – um sich sofort rückwärts auf die dicke Decke auf meinem Schoß zu schieben. Da sitzt er also. Huch, ist der schwer. Hinter der Kamera machen die Mitarbeiter sofort ein Riesengetöse. Baghira soll gebannt zu ihnen gucken, damit ein schönes Foto entsteht. Lächeln! Ehrlich? Ich bin froh, als Bodemann sagt: „Es reicht.“ Baghira hat genug, für ihn ist jetzt Kuscheln mit Herrchen angesagt. „Das Vertrauen zwischen ihm und mir ist das Wichtigste überhaupt“, erklärt er mir. Er dürfe seine Raubkatzen niemals überfordern, denn das sei gefährlich. Leuchtet mir total ein, denke ich als erfahrene Hundehalterin. Und überlege beim anschließenden entspannenden Rundgang durch den Park: Ob ich wohl beim nächsten Besuch mal neben dem weißen Tiger sitzen möchte? Hm. Lieber noch mal Erdmännchen...

Weitere Informationen unter

www.filmtierpark.de

www.joebodemann.de