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Familie

Auch Ruheständler brauchen eine Zeitstruktur und soziale Kontakte

Kein Weckerklingeln in der Früh und endlich Zeit für Hobbys: Nach jahrzehntelanger Arbeit ersehnen viele den Abschied vom Berufsleben. Mancher fürchtet danach aber einen Sturz ins "schwarze Loch".

Trier. "Wer sein Selbstwertgefühl hauptsächlich aus der Arbeit gezogen und sich sehr damit identifiziert hat, ist besonders gefährdet", betont Sigrun-Heide Filipp, emeritierte Psychologie-Professorin der Universität Trier. Mit dem Berufsleben verlören Menschen eine straffe Zeitstruktur und nicht selten auch Teile ihres sozialen Netzes. "Und es fehlt plötzlich die Erfahrung der eigenen Wirksamkeit."

Entscheidend sei in dieser Phase, wie gut man sein Leben selbst organisieren könne. Die Psychologin empfiehlt, sich im Ruhestand eine eigene feste Zeitstruktur zu schaffen. Zum Beispiel: Montag Stammtisch, Mittwoch Hallenbad, die restlichen Tage einen ausgiebigen Spaziergang machen unabhängig vom Wetter. Senioren sollten ihre eigenen Interessen erkunden. Für manche käme vielleicht eine ehrenamtliche Tätigkeit infrage. "Das Spektrum an Möglichkeiten ist groß. Die Frage ist nur, wie viel psychische und körperliche Energie der Einzelne hineinstecken will und kann", sagt die Expertin.

Auch ein soziales Netz außerhalb des Berufes könne Frust im Ruhestand vorbeugen: Freunde aus Schulzeiten oder Vereinen, Familienangehörige oder Nachbarn. Wichtig sei, im Alter offen für neue Erfahrungen zu bleiben. Filipp: "Wer einen wachen Geist und ein breites Spektrum an Interessen hat und zudem sozial gut eingebunden ist, der kann den Ruhestand durchaus als Befreiung erleben."

dapd


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