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Restauranttests Steuerndieb
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12:16 23.02.2011
Edel: Das Lokal „Steuerndieb” in Groß Buchholz glänzt durch sein elegantes Ambiente. Quelle: Brigitte Krehe

Ambiente
Das Traditionshaus am Nordrand der Eilenriede war einmal ein Wachturm gegen Holzdiebe, daher auch der Name „Steuerndieb”. Seit dem 19. Jahrhundert ist es ein Ausflugslokal, eines mit Anspruch dazu. Das macht sich bis heute auch bei der Einrichtung bemerkbar. Der Gast sitzt in schwarzen 70er-Jahre-Schalen, in durchweg Rot-Weiß-Schwarz gehaltener Umgebung. Selbst Details wie die kunstvoll gefalteten Leinenservietten wirken edel. Durch die großen Fensterscheiben hat man einen Blick in das Atrium, das auch im Winter zur Behaglichkeit beiträgt, aber vor allem im Sommer mit seinen Bepflanzungen herrlich anzuschauen ist. Dann hat die stilvoll-rustikale Waldgaststätte auch eine viel genutzte Gartenterrasse.

Publikum
Das „Steuerndieb” ist eigentlich jedem Hannoveraner bekannt, beliebt ist es vor allem bei älteren Gästen wegen seiner langjährigen Tradition als Ausflugslokal in Eilenriede-Nähe. An den Wochenenden kehren viele Stammgäste gerne zu Kaffee und Kuchen hier ein. Wir bleiben an diesem Abend allerdings weitgehend unter uns. Am Nachbartisch hören wir, wie ein Sohn seine Eltern zum Abendessen einlädt, weil er am nächsten Morgen beruflich für längere Zeit nach London muss.

Service
Die Kellner sind galant und höflich und tragen, passend zur Einrichtung, schwarze Kleidung mit roter Krawatte und roter Schürze. Elegant geht das Auftragen der Speisen vonstatten: Wurden die Vorspeisen noch per Hand serviert, so kommt das Hauptgericht auf einem Wagen angerollt; mit Schwung wird danach die silberne Servierglocke entfernt. Schade nur, dass die aufkeimende festliche Stimmung den ganzen Abend über durch permanente Klappergeräusche und das Rauschen der Spülmaschine aus der Küche nebenan empfindlich gestört wird.

Essen & Trinken
Das „Steuerndieb” wirbt auf seiner Internetseite mit feiner regionaler und internationaler Küche - und die hat ihren Preis. Ein Thunfisch-Tartar als Vorspeise kostet zum Beispiel 14,50 Euro, die Jacobsmuscheln als Hauptgang schlagen mit 18,50 Euro zu Buche, ein Hasenrücken sogar mit 22,50 Euro. Man merkt schon bei der Lektüre der Speisekarte, dass die Köche den Ehrgeiz haben, Überdurchschnittliches zu leisten.
Wir entscheiden uns zum Auftakt für eine Rahmsuppe mit dreierlei Pilzen (6,50 Euro), die ganz passabel schmeckt, uns aber nicht lange in Erinnerung bleibt. Zu fade. Schade. Beim Feldsalat mit Pfifferlingen, Sellerie, Quitte und ausreichend Himbeeressig-Dressing für 9,50 Euro ist das allerdings schon anders. Alles ist korrekt zubereitet, die gebraten Speckstreifen sind schön kross. Das Himbeeressig-Dressing ragt geschmacklich erfreulich heraus.
Der Vornehmheit des Restaurants entsprechend kalkuliert ist die Größe der beiden Hauptspeisen. Sie reichen zwar zum Sattwerden - aber nur mit Hilfe der Vorspeisen. Das Sellerieschnitzel für 16,50 Euro ist dafür tadellos mit Mandeln paniert. Ihm liegen ein Gemüsebukett, Spinatrahm und Rosmarinkartoffeln bei.

Zufriedenheit stellt sich auch bei der Wildente ein, die 19,50 Euro kostet und hervorragend gelungen ist: angenehm knusprig die Haut, schön zart das Fleisch. Sie liegt in einer Pfeffer-Quitten-Sauce. Dazu gibt es gebratene Serviettenknödel und Spitzkohl mit Möhren - sehr gut, allerdings hat die Küche auch hier etwas mit dem Fleisch gegeizt.

Die Weinkarte des „Steuerndiebs” ist wohl sortiert, wir nehmen zwei Gläser trockenen Frankenweins (5,80 Euro das Glas) und sind mit seiner markanten fruchtig-aromatischen Art sehr zufrieden.

Ist es das Geld wert?
Hier gibt es gutes Essen jenseits der Grenze zur Hausmannskost. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Eine Gesamtrechnung von knapp 70 Euro fällt da einfach zu üppig aus.

Fazit
Das Restaurant „Steuerndieb” ist ein Ort für Ästheten, die entzückt feststellen, dass sie gut gegessen haben - und reichlich Geld dafür ausgegeben haben.

Besonderheiten

  • Für Kinder geeignet
  • Hunde willkommen
  • Behindertengrecht
  • Raucherzimmer
  • Zahlung in bar, per EC und mit allen Kreditkarten möglich

Das Restaurant „Steuerndieb” in Groß-Buchholz im Branchenführer