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Restauranttests So schmeckt es im „Zeit für ...“
Mehr Essen & Trinken Restauranttests So schmeckt es im „Zeit für ...“
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19:08 15.05.2018
PLATZ DER GÖTTINGER SIEBEN: Hier befindet sich der Eingang des „Zeit für ...“. Küchenchef Karsten Fricke hat schon in mehreren Sterne-Restaurants gearbeitet. Es steht zwar nicht auf der Karte, aber wenn jemand ein veganes Gericht essen möchte, ist es für ihn und sein Team kein Problem. Quelle: Fotos: Petrow
Hannover

 

Ambiente

Rund 60 Millionen Euro hat der neue Landtag gekostet – auch die Betreiber des „Zeit für ...“ haben bei der Einrichtung ihres Restaurants nicht gespart: Tische aus glattem Naturholz, Stühle in Braun oder aus edlem, schwarzem Holz – alles schick, eingerichtet von Ausstatter Anand Steinhoff. An den Wänden sitzen Gäste auf schwarzen Lederbänken, die auch im Rücken gut gepolstert sind. Für Licht sorgen Strahler, die in die abgehängte Decke eingelassen sind, und edle Hängelampen aus grauem Glas. Der große Raum bietet Platz für 120 Personen. Auf der Terrasse finden bei warmem Wetter weitere 110 Personen Platz. Hier haben die Gäste eine gute Aussicht auf das bunte Treiben am Leinewehr, das mit seinem Wasserrauschen den Autolärm vom Leibnizufer fast übertönt. Während unseres Besuches ist das Publikum gemischt: vom Landtagsabgeordneten über Angestellte aus umliegenden Büros bis zu Touristen speisen im „Zeit für ...“.

Service

Die Mitarbeiter sind wirklich freundlich und bemüht, erkennen aber auch die Realität: Dass wir mittags eine halbe Stunde auf die Vorspeise warten (und nachfragen) mussten und am Ende für den Mittagstisch eines Dreigangmenüs eineinhalb Stunden benötigten, erschien auch unserer Kellnerin als zu lang. Sie entschuldigte sich für die Verzögerungen – dabei lag es sicher nicht an ihr. An dem sonnigen Tag wäre mehr Personal auf der Terrasse nötig gewesen.

Essen & Trinken

Mittags bietet das „Zeit für ...“ auf einer Vesperkarte günstige und einfache Gerichte wie Currywurst mit Kartoffelsalat (6,90 Euro) oder Pannfisch mit Senfsauce und Drillingen (13,50 Euro). Wir entscheiden uns für das Mittagsmenü für 19,50 Euro. Abends muss man übrigens deutlich mehr Geld einstecken. Hauptgerichte gibt es für 24 bis 29 Euro (zum Beispiel asiatisch geschmorte Rinderbacke für 26 Euro oder Dorade für 24 Euro).

Bevor es bei unserem Besuch richtig losgeht, wird uns als Gruß aus der Küche ofenfrisches Vollkornbrot mit Kräuterbutter serviert, herzhaft und lecker. Der erste Gang – bunte Blattsalate mit hauchdünn gehobelten, violetten Möhren, Cocktailtomaten und Antipasti – ist sehr schön auf dem Teller angerichtet. Allerdings lässt er nicht nur lange auf sich warten, er gibt uns auch weiteren Anlass zur Kritik. Die eingelegten Champignos, Paprika und Oliven der ideenreichen Zusammenstellung scheinen gerade erst aus dem Kühlschrank gekommen zu sein und können so ihr Aroma nicht voll entfalten. Zudem hätten wir uns etwas mehr Dressing gewünscht.

Vollauf entschädigt werden wir dafür bei den Hauptgängen. Die Hähnchenbrust mit Zuckerschoten und Kürbisrisotto ist nicht nur ein Fest fürs Auge: Das Fleisch ist saftig und geschmacklich von allerhöchster Qualität, die Schoten lassen es knacken, das Risotto ist kürbissüß. Genauso das Kabeljaufilet, das, an den Rändern kross gebraten, vorzüglich mit den bissfesten Currylinsen und dem luftigen Sauerrahmschaum mit Meeresfrüchtearoma harmoniert.

Zum Dessert lassen wir uns eine sehenswerte Kreation aus Banane, Bananeneis, Schokobröseln und krossem Karamel schmecken – auch hier wird deutlich, mit welcher Liebe zum Detail das Team von Küchenchef Karsten Fricke arbeitet. Aber ohne zu viel Chichi.

Der Wein überzeugt uns ebenfalls: Der fruchtige Grauburgunder (0,1 Liter für 4,50 Euro) hat eine deutliche Birnennote, der Riesling (0,1 Liter für 3,50 Euro) ist etwas zurückhaltender und lässt uns ein leichtes Pfirsicharoma schmecken.

Fazit

„Wir wollen das Wohnzimmer von Hannover werden“, sagt Karsten Fricke. Toll eingerichtet ist es, die Küche ist ideenreich – wenn der Service noch nachlegt, möchte man hier einziehen.

Ambiente: 4 von 5 Sternen

Service: 3 von 5 Sternen

Essen & Trinken: 4 von 5 Sternen

Von Sönke Lill

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