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Manfred Vesper (r.) hat mit einem Helfer in Paraguay Forstbaumschulen aufgebaut.

Manfred Vesper (r.) hat mit einem Helfer in Paraguay Forstbaumschulen aufgebaut.© SES

St. Lorenz Süd

Statt Ruhestand: Rentner helfen im Ausland

Mehr als 400000 Jahre Berufserfahrung haben die Senioren-Experten zusammen. Und das wird genutzt.

St. Lorenz Süd. Ruhestand — für die Mitglieder des Senior Experten Services (SES), der Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit, hat das wenig mit „Ruhe“

oder „Stillstand“ zu tun. Ganz im Gegenteil: Sie reisen ehrenamtlich als Fachleute um die Welt, bringen ihre Berufserfahrungen ein und leisten in vielen Ländern damit Hilfe zur Selbsthilfe. Jetzt haben sich einige der insgesamt 417 Seniorenexperten aus Schleswig-Holstein in der Industrie- und Handelskammer (IHK) getroffen und ausgetauscht.

„Ich habe Projekte in der Mongolei und in Paraguay betreut“, sagt der Lübecker Manfred Vesper. Seit zwölf Jahren mischt der Diplom-Forst-Ingenieur beim SES mit. Sein Spezialgebiet: Der Aufbau und Betrieb von Forstbaumschulen. Und der nächste Einsatz wartet schon. „Im April fliege ich nach Vietnam und helfe dort bei der Zertifizierung von Forstbetrieben“, sagt der 75-Jährige. Langweilig wird es dem Lübecker in seinem Ruhestand also nicht. „Es ist toll, sein Wissen weitergeben zu können und gebraucht zu werden.“

Zwischen drei Wochen und sechs Monaten dauern die Projekte. Flug, Unterkunft und die Kosten für die Versorgung vor Ort übernehmen die auftraggebenden Firmen, die einen Experten anfordern. „Ansonsten wird der SES durch die Spitzenverbände der Wirtschaft getragen und finanziell vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert“, sagt Rolf Helmerdig, Repräsentant der SES für Norddeutschland. Know-how ist das wertvolle Gut, mit dem die Seniorenexperten dienen können — und das aus insgesamt mehr als 50 Wirtschaftszweigen. „Sie helfen dann den Firmen vor Ort bei ihren Problemen — manchmal auch mit mehreren Einsätzen“, sagt Helmerdig.

In Rumänien hat beispielsweise die Französischlehrerin Léonie Mattheis aus Kiel den Lehrern vor Ort gezeigt, wie sie den Unterricht verbessern können. Gemeinsam mit ihrem Mann war die 61-Jährige dafür mehrfach in dem verarmten Land unterwegs. Mit seinem Wissen als Personalleiter hat dagegen Collins Nsiah-Ababio in seinem Heimatland Ghana geholfen, eine Verwaltung zu organisieren. „Gar nicht so einfach, wenn man nur zwei Mal am Tag Licht hat“, sagt der 67-Jährige. Er wird in diesem Jahr noch einmal vor Ort sein, um weiterzuhelfen.

Vom Bäcker bis zum Arzt — der SES ist die führende deutsche Entsendeorganisation für Fachkräfte im Ruhestand. Seit 30 Jahren gibt es sie bereits, 30000 Einsätze wurden bisher geleistet, mehr als 11000 Experten machen mit. „Jeder Ruheständler kann sich anmelden“, sagt Rolf Helmerdig. „Es ist unendlich positiv.“ Die Firmen erbitten die Hilfe im Vorwege.

„Die Erfahrung der Senioren dafür nicht zu nutzen, wäre volkwirtschaftlicher Wahnsinn“, so Helmerdig. „Unsere Mitglieder bieten zusammen mehr als 400 000 Jahre Berufserfahrung.“

• Weitere Informationen gibt es unter ses-bonn.de oder von Rolf Helmerdig unter Telefon 040/2503811.

km


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