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Foto: Damit es gar nicht erst zum Einbruch kommt bietet die Polizei Hannover eine Beratung zur Einbruchsicherung an.

Damit es gar nicht erst zum Einbruch kommt bietet die Polizei Hannover eine Beratung zur Einbruchsicherung an.© dpa (Symbolfoto)

Beratung

Sicherheitsberatung der Polizei soll vor Einbrechern schützen

Bei einer Sicherheitsberatung zeigt die Polizei auf, wie das eigene Haus besser gegen Einbrecher geschützt werden kann. Polizeioberkommissar Michael Nicken führt jährlich mit seinen Kollegen weit über tausend kostenlose Beratungen durch.

Hannover. Die Tränen lassen nicht lange auf sich warten. Kaum hat sich Polizeioberkommissar Michael Nickel gesetzt und Erika Faber* aufmunternd zugenickt, lässt sie ihren Gefühlen freien Lauf: „Ich möchte gar nicht mehr aus dem Haus gehen und kann kaum noch schlafen“, schluchzt die Mutter eines dreijährigen Jungen. Anfang Januar wurde in das Haus der Familie eingebrochen. Der Einbruch geschah am helllichten Tag, als alle Bewohner des Viertels ihre Häuser wegen einer Bombenräumung verlassen hatten. Die Täter stiegen durch das Kellerfenster, durchwühlten einige Räume und entwendeten unter anderem Schmuck.

Nickel redet beruhigend auf die verängstigte und verstörte Frau ein. Er erklärt ihr, dass viele Einbruchsopfer ähnlich reagieren: „Sie haben ihr Sicherheitsgefühl verloren, und das gehört nun mal zu den Grundbedürfnissen des Menschen.“ Die psychischen Folgen nach einem Einbruch seien oftmals schwerwiegender als der materielle Schaden, weiß Nickel aus jahrelanger Erfahrung. Er arbeitet bei der Polizeidirektion Hannover in der Zentralstelle technische Prävention und führt jährlich mit seinen Kollegen weit über tausend kostenlose Beratungen durch, die telefonisch vereinbart wurden. „Sie werden so ein Ereignis nicht vergessen“, sagt der Beamte. „Aber Sie gewinnen das Vertrauen in die Sicherheit nach und nach zurück, wenn Sie entsprechende Maßnahmen ergreifen.“

Das Einschlagen von Fensterschreiben komme selten vor

Mit ihrem Mann Klaus Faber* begibt sich Nickel auf einen Rundgang durchs Haus. Die Schwachstellen sind schnell ausgemacht: An den meisten Fenstern fehlen abschließbare Griffe. Auch die Beschläge verlaufen nicht rund um die Rahmen und haben keine sicheren Verriegelungen, an zu wenigen Punkten sind die Fenster deshalb gegen schnelles Aufhebeln geschützt. Zur Veranschaulichung zeigt Nickel auf seinem Smartphone einen kurzen Film: Mit einem Schraubenzieher hebelt darin sein Polizeikollege ein Fenster auf. „Dafür brauchen Einbrecher nur wenige Sekunden“, erläutert Nickel. Dass Fensterscheiben eingeschlagen werden, komme hingegen vergleichsweise selten vor, weil die Täter Lärm vermeiden und sich nicht am Glas schneiden wollen.

In seiner Tasche hat Nickel Sicherheitsbeschläge, die er den Fabers vorführt. Auch eine Liste mit Unternehmen, die für einen entsprechenden Sicherheitsstandard sorgen können, händigt er der Familie aus. Anhand der Polizeibroschüre „Ungebetene Gäste“ erläutert er Widerstandsklassen und DIN-Normen, die einen bestimmten Schutz bieten. Mit ihren Beschlägen, dem Sicherheitszylinder und der kleinen Kamera hält zumindest die Eingangstür der Fabers dem kritischen Blick Nickels stand. Besser als die Vorhängekette sei allerdings ein von außen aufschließbares Kastenschloss mit Sperrbügel, damit man etwa bei einem Brand ins Haus gelangen kann.

Ein belebt wirkendes Haus schrecke Täter ab

Wenig Schutz bieten die Terrassentüren. Nickel demonstriert, wie viel Spiel diese haben und wie viel Angriffsfläche sie daher einfachen Stemmwerkzeugen bieten. Da die Terrasse von Nachbarn nicht einsehbar sei, könnten Täter hier auch ungestört eindringen. Und die Rollläden aus Kunststoff seien mit einem scharfen Gegenstand einfach aufzuschlitzen. „Die bieten null Schutz. Besser Sie lassen sie tagsüber nicht runter, sonst vermuten Einbrecher, dass das Haus unbewohnt ist“, warnt Nickel. Ein belebt wirkendes Haus schrecke Täter hingegen ab. Daher sollte im Urlaub auch regelmäßig der Briefkasten geleert und etwa von Nachbarn ab und an ein Auto auf dem Stellplatz geparkt werden. Im Garten der Fabers empfiehlt Nickel, LED-Stablampen aufzustellen, die bei Dämmerung automatisch angehen. „Einbrecher kommen selten nachts, wenn die Bewohner anwesend sind, sondern meistens tagsüber oder in der Dämmerung, wenn keiner zu Hause ist“, erklärt Nickel.

An den Kellerfenstern des Hauses sollten entweder außen engmaschige Gitter oder an der Innenseite Querriegel angebracht werden. Die Kellertür könne mit Schubriegeln zusätzlich gesichert werden. „Wir wollen einen guten Grundschutz in der Mechanik erreichen“, sagt Nickel. Alles, was nicht mechanisch gesichert werden könne, sollte elektronisch überwacht werden, empfiehlt der Sicherheitsexperte. „Der Alarm sollte auf jeden Fall an einen Wachdienst weitergeleitet werden“, rät Nickel. Eine wirkungsvolle Anlage, die von einem Fachbetrieb installiert werde, koste ab 3.000 Euro, Alarmtechnik könne man aber auch mieten.

Sicherheit hat ihren Preis - das weiß auch Klaus Faber: „Uns war schon vor dem Einbruch klar, dass wir etwas machen müssen. Aber es muss erschwinglich bleiben.“ Nickel empfiehlt der Familie, die Ausgaben über mehrere Jahre zu verteilen. Allein die Ausgaben für den zusätzlichen Schutz der Fenster im Erdgeschoss sowie im Keller schätzt er auf insgesamt gut 4.000 Euro. Gemeinsam mit den Fabers erstellt er ein Beratungsprotokoll mit Sicherungsmaßnahmen. Wenn sie alle Empfehlungen umsetzen, erhalten sie eine Präventionsplakette des Netzwerks „Zuhause sicher“, die Einbrecher zusätzlich abschreckt. „Wir müssen den Einbruch für den Täter möglichst unattraktiv machen“, betont Nickel.

*Namen von der Redaktion geändert

Sebastian Hoff


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