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Bauen & Wohnen Papier und Pappe - veredelt
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16:13 01.02.2010
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Rechnungen, Pläne und Tapeten: Das Einrichten einer Wohnung hatte schon immer viel mit Papier zu tun. Das muss nicht alles sein: Auch Möbel gibt es aus Papier und Karton. Die klassische Wellpappenoptik ist dabei nur eine Möglichkeit; Möbeldesigner haben Papier und Pappe genauso vielfältig veredelt wie andere Möbelmaterialien.

Das preiswerte Ausgangsmaterial hilft dabei, gutes Design erschwinglich zu halten, wie der Leipziger Tischler Mario Gaudes nicht ganz freiwillig erfuhr. Er wollte der Arbeitslosigkeit mit selbst entworfenen Bambusmöbeln entfliehen, hatte jedoch nicht genug Geld für den Materialeinkauf. Papprollen aus den Teppichmärkten dienten ihm als Ersatz. Inzwischen bezieht er die Rollen direkt ab Werk. Sie werden in der gleichen Art zu Möbeln verarbeitet, wie das auch mit Bambus möglich wäre. Die Rohrstücke werden passend gestapelt und zusammengebunden, eine Deckschicht aus farbigem Papier sorgt für die stilisierte Bambusoptik. Als Vorteil der Pappe bleiben das niedrigere Gewicht und der günstigere Preis: Beides macht nur etwa die Hälfte des hölzernen Originals aus.

Entwürfe berühmter Architekten

Mit dem gleichen System, aber einem puristischeren Anspruch arbeitet der österreichische Künstler Manfred Kielnhofer, der die Röhren unverkleidet sichtbar lässt. Kielnhofer strebt für die Zukunft eine Fertigung in Kleinserien an, die er als soziales Projekt mit Arbeitslosen und Behinterten einrichten möchte. Möbel aus Wellpappe waren eine Zeitgeistmode in den sechziger Jahren, auch berühmte Architekten wie Frank Gehry stellten entsprechende Entwürfe her. Hartpapier mit langen Fasern gibt den Pappen die nötige Stabilität. Die Elemente werden einfach zusammengesteckt. Solche Möbel gibt es immer noch. Den Produkten der Berliner Agentur Stange-Design sieht man das Grundprodukt dagegen nicht mehr unbedingt an. Die Künstler um Hans-Peter Stange entwerfen seit 25 Jahren Möbel aus Pappe. Die zusammengesteckten Elemente haben glatte Oberflächen, die gestrichen oder beklebt werden können.

Besonders beliebt sind diese Konstruktionen bei Leuten, die viel umziehen, Auszubildenden oder Studenten zum Beispiel. Gekauft werden sie aber von allen Altersschichten, wie Ursula Geismann, Sprecherin des Verbandes der Möbelhersteller in Bad Honnef, sagt. Pappmöbelhersteller schätzen die Haltbarkeit ihrer Produkte auf etwa zehn Jahre und liegen damit durchaus im Bereich ihrer konventionellen Konkurrenten.

Ein Doppelbett aus Pappe wiegt lediglich 20 Kilogramm, passt gefaltet in den Kofferraum eines Autos, verträgt aber das Gewicht von 20 Personen. Viele ähnliche Tests haben immer wieder die Solidität der Pappmöbel bestätigt: ein Auto auf vier Hockern, zehn Kinder auf einem Stuhl. Ein öffentlicher Massentest war vor fünf Jahren der Evangelische Kirchentag in Hannover, dessen Freiluftveranstaltungen mit Tausenden Kartonhockern ausgestattet waren. Das Original gibt es immer noch von SCA Packaging in Fulda.

Wasserfeste Varianten

An ihre Grenzen kommen Pappmöbel lediglich in Feuchträumen wie Küche und Bad. Papier als Möbelgrundstoff ist aber auch dort fest etabliert. Getränkt mit Harz dient Papier zum Beispiel in Küchen als praktisch unverwüstliche Oberfläche von Arbeitsplatten: hitzebeständig, wasserdicht, schnittfest.
Nach dem gleichen Prinzip wird auch Laminat als Fußbodenbelag hergestellt. Wer dies in Feuchträumen verlegen möchte, sollte einen Profi beauftragen, damit kein Wasser in die Fugen laufen und somit das Trägermaterial zum Aufquellen bringen kann. Laminat gibt es unter anderem mit Fliesendekor. So eignet es sich für schnelle und preiswerte Modernisierungen, zum Beispiel in gemieteten Wohnungen. Aber auch das Gegenteil ist möglich: Die Designer von Villeroy & Boch haben Keramikfliesen im Papierdekor entworfen. Garantiert wasserfest und kein Fall fürs Altpapier.

  • Buchtipp: Paper-Made; Wohnen mit Objekten aus Papier und Karton, Marion Diegel, Mosaik Verlag.

Von Ralf C. Kohlrausch

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