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Nie mehr gießen müssen

Die Natur dient als Vorbild für einen neuen Gartentyp: Kiesgärten seien vor allem in trockenen Regionen ökologisch sinnvoll und zugleich attraktiv und modern, sagt Bernd Hertle, Professor für Freilandzierpflanzen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Weihenstephan/Weinheim. "Bei richtiger Pflanzenwahl und optimaler Bodenvorbereitung muss solch ein Garten weder gegossen noch gedüngt werden."

Boden muss vorbereitet werden

Entstanden sei das Konzept aus der Notwendigkeit heraus, mit Wasser sparsam umzugehen. Um einen Kiesgarten anzulegen, reiche es jedoch nicht aus, sich viele Steine in den Garten zu holen. Voraussetzung für das Gelingen sei eine optimale Bodenvorbereitung sowie die Auswahl trockenheitsverträglicher Pflanzen. Nur dann komme der Garten künftig mit trockenen und heißen Sommern und warmem Stadtklima klar. Wenig Sinn machten Kiesgärten hingegen in Gebieten mit viel Regen und fetten Böden. Dort sei es oft zu aufwendig, geeignete Bedingungen zu schaffen." Statt gegen die Natur zu gärtnern, sollten solche Flächen besser mit feuchtigkeitsliebenden Stauden bepflanzt werden", rät der Gartenbau-Professor.

Am besten ist ein warmer Standort mit mindestens sechs Stunden Sonne am Tag. Um ihn in einen Kiesgarten zu verwandeln, muss man das Areal sorgfältig vorbereiten. "Ist der Boden schwer oder verdichtet, sollte er unbedingt 40 Zentimeter tief abgetragen werden", sagt der Experte, der für seinen Ratgeber über Kiesgärten im Jahr 2011 mit dem deutschen Gartenbuchpreis ausgezeichnet wurde. Ist die oberste Erdschicht entfernt, muss der Unterboden möglichst tiefgründig gelockert werden. "Das ist wichtig, damit später keine Staunässe entsteht und den Pflanzen schadet", sagt Hertle. Als neues Substrat werden anschließend ungefähr fünf Teile Split mit einem Teil Kompost vermischt und auf der vorbereiteten Fläche verteilt.

Breites Sortiment an Pflanzen

Dann kann gepflanzt werden. Wer Sorge hat, künftig auf eine steinige, monoton bewachsene Fläche zu schauen, den kann Hertle beruhigen: "Es steht ein ganzes Potpourri an geeigneten Gehölzen, Stauden, Gräser sowie Zwiebel- und Knollenpflanzen zur Verfügung", sagt der Fachmann. Je nach Geschmack können Kiesgärten schlicht und elegant mit nur wenigen Arten bepflanzt werden oder aber man schafft eine Blumenwiese mit den unterschiedlichsten Farben, Formen und Texturen, die an ein impressionistisches Gemälde erinnert.

Ideale Eigenschaften bringen laut Hertle Halbsträucher aus dem Mittelmeerraum mit: "Lavendel, Thymian, Wermut, Salbei und Rosmarin drängen sich für die Pflanzung in Kiesgärten geradezu auf." Sie duften zudem gut und sehen durch ihre runde Wuchsform auch im Winter schön aus, ergänzt Cassian Schmidt, Leiter des Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim. Genauso gut geeignet seien Stauden aus den Steppen Südeuropas und Asiens sowie der Kurzgras-Prärie Nordamerikas. Auch ihnen gelinge das Kunststück, trotz Wassermangels und magerer Böden Jahr für Jahr ihre Pracht zu entfalten, berichtet der Professor für Pflanzenverwendung an der Hochschule Rhein-Main. Diese stressresistenten Sorten kämen auf durchlässigen Böden genauso mit trockenen, heißen wie auch mit etwas feuchteren Sommern zurecht. Auch Frost vertragen sie gut. "Zudem sind Präriestauden langlebig, unkompliziert und fast pflegefrei", erklärt Schmidt.

Pflegeaufwand ist gering

Schmidt und seine Kollegen haben im Sichtungsgarten Hermanshof auch die erforderliche Arbeitszeit für einen Kiesgarten mit Präriestauden ermittelt. Pro Quadratmeter und Jahr seien es etwa fünf Minuten. Eine englische Blumenrabatte benötige im Vergleich dazu etwa 30 bis 40 Minuten Pflegezeit. "Hinzu kommt da noch das regelmäßige Gießen."

Für deutsche Bedingungen gut geeignet sind nach Schmidts Erfahrung niedrige Gräser wie Kleines Präriegras (Schizachyrium), Haarschoten- und Moskitogras (Bouteloua), Mexikanisches Federgras (Nassella) sowie Prärie-Tropfengras (Sporobolus). Als Blühpflanzen empfiehlt der Schaugarten-Leiter unter anderem Mädchenauge (Coreopsis verticillata), Gelben Scheinsonnenhut (Echinacea paradoxa), Tennessee-Scheinsonnehut (Echinacea tennesseensis 'Rocky Top'), Minzblättrige Indianernessel (Monarda mentifolia), Indigolupine (Baptisia) und Prärie-Wildaster (Aster oblongifolius). "Wichtig ist für einen Prärie-Kiesgarten, die Pflanzen nicht zu dicht zu setzen, also nicht mehr als fünf bis sieben pro Quadratmeter", rät Schmidt. So entstehe eine lockere Pflanzung, die an eine Blumenwiese erinnere.

Der Hermannshof hat Kombinationen von bewährten Pflanzengemeinschaften auch für Privatgärten zusammengestellt, deren Arten über Jahre nebeneinander wachsen, ohne sich zu verdrängen. "Stirbt einmal eine Pflanze, sind die Mischungen so konzipiert, dass sich die Lücke aus Samen selbst repariert." Listen der Weinheimer Präriemischungen sind auf der Internetseite des Bundes deutscher Staudengärtner zu finden. "Dort stehen auch die Adressen von Gärtnereien, die geeignete Präriepflanzen im Angebot haben und Gartenbesitzer fachkundig beraten können."

(http://url.dapd.de/9onIDZ )

dapd


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