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Null- und Plus-Energiehäuser erwirtschaften ihren Energiebedarf selbst. Dabei helfen zum Beispiel Fotovoltaikanlagen.© Symbolbild

Energiehäuser

Diese Häuser sind echte Kraftpakete

Es gibt sie schon, die Häuser, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen. Noch sind es erst etwa 150 bis 200 in ganz Deutschland – doch es werden immer mehr.

Hannover. „Sie sind aus dem Versuchsstadium heraus, der Bedarf wächst“, sagt Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (dena). „Wer heute ein Null-Energiehaus oder sogar ein Plus-Energiehaus baut, ist für die nächsten 20 bis 30 Jahre bestens gerüstet.“

Null-Energiehäuser verbrauchen nicht mehr Energie, als sie selbst zum Beispiel mit einer Fotovoltaikanlage erzeugt haben. Plus-Energiehäuser erwirtschaften sogar zusätzliche Energie.

Völlig unabhängig vom öffentlichen Stromnetz sind die Häuser aber nicht. „In der kalten Jahreszeit können die Hausbesitzer in der Regel nicht genügend eigenen Strom und Wärme produzieren“, sagt Stolte. „Dann greifen sie auf das öffentliche Netz zu. Dafür geben sie im Sommer die überschüssige Energie ab und lassen sie sich vergüten.“

Stolte empfiehlt, so ein Projekt genau durchzurechnen: „Es ist wichtig, einen Energieberater hinzuzuziehen, der ein individuelles Konzept erarbeitet.“ Null- und Plus-Energiehäuser sind kein Hexenwerk. Sie sind immer eine Kombination von Komponenten wie der gut gedämmten Gebäudehülle, der modernen Anlagentechnik und der Erzeugung erneuerbarer Energien. Es empfiehlt sich, schon bei der Planung neuer Häuser einen hohen Energieeffizienz-Standard anzupeilen. „Ob der dann gleich komplett umgesetzt wird, ist zweitrangig“, meint Stolte. Wenn aber klar ist, dass zum Beispiel irgendwann eine Solarthermieanlage auf dem Dach installiert werden soll, kann man das gleich berücksichtigen.

„Bis Ende 2020 sollen alle Neubauten Nahe-Null-Energiehäuser sein“, erklärt Christoph Windscheif, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau. „Das sieht die EU-Gebäuderichtlinie vor.“ Schon heute seien die meisten Fertighäuser Energieeffizienzhäuser, immer mehr erfüllen die anspruchsvollen Standards der KfW-55- und KfW-40-Häuser. Auch das Interesse an Plus-Energie-Fertighäusern, die es seit gut einem Jahr gibt, wächst. Noch ist diese Variante allerdings teuer. Vor allem die Speicher für die Solarenergie seien für die Kosten verantwortlich, sagt Windscheif. Auch aus Bestandsimmobilien lassen sich Null- oder sogar Plus-Energiehäuser machen. Davon ist Ulrich Zink, Vorsitzender des Bundesarbeitskreises Altbausanierung, überzeugt. Derzeit läuft ein Wettbewerb, bei dem der Nachweis erbracht werden soll. „Theoretisch und technisch ist das auf jeden Fall machbar“, so der Experte. Ob es auch wirtschaftlich umgesetzt werden kann, wird sich bis zum Ende des Wettbewerbs 2017 herausstellen, wenn die ersten Projekte verwirklicht sind. Die Vorgabe ist sportlich: Mehr als 1600 Euro pro Quadratmeter darf die Modernisierung nicht kosten.

Allerdings sei nicht jedes Haus geeignet, den höchsten Standard zu erreichen, betont Zink. Wie energieeffizient es sein kann, hängt von der Beschaffenheit, der Lage und nicht zuletzt vom Grundstück ab, auf dem es steht. „Wichtig ist zu schauen, was architektonisch und bautechnisch möglich ist. Das geht nicht ohne gründliche Gebäudediagnose und energetische Berechnungen.“ Zink beobachtet oft, dass Haus- und Wohnungsbesitzer sich mit Stückwerk begnügen. Da wird zwar die Heizung erneuert, die Fassade gedämmt oder die Fenster werden ausgetauscht. Aber das Resultat ist häufig nicht überzeugend. „Ein modernes Haus der Zukunft ist mehr als ein saniertes Gebäude. Es ist weitgehend unabhängig von externen Stromerzeugern, intelligent und kommunikativ. Das ist eine ganz andere Liga“, sagt Zink.

Von Katja Fischer


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