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Der neue Impreza

Subaru steigt vom Allrad-Tempel

Den neuen Impreza gibt es jetzt auch mit Frontantrieb – die Japaner hoffen so auf neue Kundschaft.

Der Kunde ist König. Was Verkaufsstrategen seit einer mittleren Ewigkeit predigen, wird bisweilen auch erhört. Wie jetzt bei der fernöstlichen Automobilmarke Subaru. Bislang fest mit dem Begriff Allrad verbunden, will der Meister des flotten Vortriebs nun auch Bürgerliches bieten. „Rund 60 Prozent aller potenziellen Autokäufer in Deutschland würden niemals einen Wagen mit Allradantrieb kaufen“, zitiert Jens Becker, Chef von Subaru Deutschland, belastbare Studien. „Sollen wir diese Menschen etwa links liegen lassen?“ Die Antwort ist klar: Nein.

Ein erster Anfang ist schon gemacht: Den Kleinwagen Justy liefern die Japaner hierzulande seit gut einem Jahr in einer Frontantriebsversion und zeigen sich mit den bisher verkauften 1200 Stück recht zufrieden. Allerdings: Ein „echter“ Subaru ist der Winzling ja ohnehin nicht, ganz gleich, mit welcher Antriebsformel er nun fährt: Wo Subaru Justy draufsteht, ist in Wirklichkeit ein Daihatsu Sirion drin.

Revolution im Allrad-Tempel

Schluss mit dem Fremdfederschmuck. Inzwischen steht der erste eigene und damit wirklich echte Frontantriebs-Subaru bei den Händlern. Er heißt Impreza 1.5 RF und stellt sozusagen „die Basis der Basis“ dar, wie Subaru-Boss Becker meint. Für den Allradweltmeister – den Lorbeer haben sich die Japaner in mittlerweile 37 Allradjahren sowohl stückzahlmäßig als auch motorsportlich in Gestalt von sechs Rallye-WM-Titeln erarbeitet – ist der neue Einstiegswagen revolutionär. Deshalb steht das Kürzel RF hinter der Hubraumbezeichnung und meint „Revolution Frontwheel“.

Kompaktwagen-Kunden mit einem Hang zur Golf-Klasse muss das nicht schrecken. Die Revolution hält sich, aus der Nähe betrachtet, in Grenzen. Ein ganz normaler Fronttriebler halt, wenngleich mit einem doch ungewöhnlichen Motorkonzept. Der Vierzylinderbenziner ist – ganz Subaru – ein Boxermotor. Das macht ihn laufruhig und ausreichend drehfreudig. Mit den gebotenen 107 Pferdestärken sind Frau und Mann anständig motorisiert. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 175 km/h angegeben, als beste Beschleunigung haben die Techniker 13,2 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h gemessen.

Automatik ohne Mehrverbrauch

Der Normverbrauch wurde auf dem Prüfstand mit 7,3 Litern Super-95 je 100 Kilometer ermittelt. Macht 173 Gramm Kohlendioxidausstoß je Kilometer – nicht eben wenig in Zeiten, in denen sich die europäische Neuwagenflotte tunlichst stramm in Richtung 120 g/km orientierten sollte. Die gute Nachricht betrifft die Komfortklientel: Wer anstelle des serienmäßigen Fünfgangschaltgetriebes lieber eine Automatik werkeln lässt, muss keinen Aufschlag beim Verbrauch befürchten. Was um so erstaunlicher ist, als sich der Subaru-Selbstschalter jedwelcher Technikmoderne à la Sechs- oder Siebengang oder gar einer Doppelkupplungstechnik enthält. Ein einfacher Vierstufen-Wandlerautomat genügt.

Bei einer ersten kurzen Probefahrt gefiel Subarus Erstlingsfronttriebler mit viel Komfort im Fahrwerk. Dagegen stehen etwas wenig Fühligkeit am Volant und eine nicht wirklich überzeugende Sitzposition: Trotz des einstellbaren Lenkrads bleibt dem Großgewachsenen der Blick auf einen Teil des durchaus ansehnlichen Instrumentariums versperrt. Zu den Pluspunkten des Impreza zählen fraglos seine guten Platzverhältnisse im Fond und das durchaus ansprechende, angenehm unaufgeregte Design.

Rundum sicher – nur ESP fehlt

Als ganz dicken Minuspunkt notieren wir die – zumindest vorläufige – Nichtverfügbarkeit des Schleuderschutzes ESP. Dass an der Hinterachse Trommelbremsen ihren Dienst verrichten, muss hingegen kein Nachteil sein. Dafür ist die Sicherheitsausstattung ansonsten vollständig: ABS, Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer, Airbags für Fahrer und Beifahrer, Seiten- sowie seitliche Vorhangairbags, Dreipunkt-Automatikgurt für den mittleren Sitz im Fond, drei Kopfstützen sowie Isofix-Kindersitzverankerungen, alles an Bord. Darüber hinaus gehören Servolenkung, Zentralverriegelung, eine Klimaautomatik, eine CD-Audioanlage, Bordcomputer, vier elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare Außenspiegel, ein höheneinstellbarer Fahrersitz und geteilt umklappbare Rücksitzlehnen zum „Active“-Paket. Das ist serienmäßig beim Impreza 1.5 RF – und in einer anderen Ausstattunglinie gibt’s das Fronttriebs-Erstlingswerk des Allradpioniers auch nicht.

Von Hans-Jürgen Wildhage


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